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«Ach, die paar Krümel!»

Man at work

Es herrscht eine Zweiklassengesellschaft: Da gibt es jene, denen der Haushalt wichtig ist. Und es gibt Männer.

Etwas habe ich früh gemerkt, als ich mit einer Frau zusammenzog: Meine Vorstellung von «sauber» ist nicht repräsentativ. In meiner Eine-Partei-Junggesellenwohnung war es völlig okay, drei Wochen nicht staubzusaugen. Die Bettwäsche habe ich gewechselt, wenn mir auffiel, wie lange ich die Bettwäsche nicht mehr gewechselt hatte, sprich nicht regelmässig. Und abgestaubt habe ich grundsätzlich nicht.

Gut, mit Mitte zwanzig hat man vielleicht generell noch weniger Ansprüche ans Wohnen, interessanterweise hat sich das aber bis heute nicht grundsätzlich geändert. Meistens nehme ich erst den Staubsauger zur Hand, nachdem mich meine Frau lieb dazu ermahnt hat. Und von mir aus würde ich das Bad sicher nicht jede Woche putzen. Aber eben, jeder muss Kompromisse machen. Heisst in meinem Fall: Ich lasse mich dazu überreden.

Was ich aber auch lernen musste: Kinder plus eine einigermassen gerechte Arbeitsteilung vereinfachen die Chose Haushalt nicht besonders. Betreue ich nämlich meine Tochter, dann verschieben sich die Prioritäten und der Haushalt, der bei mir auf der Prioritätenliste eh schon auf den hinteren Rängen liegt, rutscht noch weiter nach hinten.
Erste Priorität: Tochter weint nicht.
Zweite Priorität: Stiefsohn motzt nicht.
Dritte Priorität: Essen kochen (Vorsicht, zweite Priorität!).
Vierte Priorität: Tochter in Kita abliefern.
Fünfte Priorität: Bub beschäftigen/rausschicken/loswerden.
Sechste Priorität: am Computer arbeiten können.
Und dann, wenn die Zeit noch reicht (was sie in meinen Augen nie tut), liegt vielleicht noch etwas Haushalt drin. Als Supplement quasi.

Auch wenn ich hier von mir spreche, ich weiss, dass es vielen anderen Männern und Vätern genauso geht. Und dass das vielen anderen Frauen und Müttern ein Graus ist. (In manchen Beziehungen sind die Rollen auch vertauscht.) Ich kann das auch gut verstehen, jeder braucht ein gewisses Mass an Sauberkeit und Hygiene, um sich wohl zu fühlen. Nur blöd, dass Mann und Frau da meistens mit unterschiedlichen Ellen messen.

Der schwach ausgeprägte männliche Drang zum Putzen wird oft als Unlust oder Widerstand missverstanden. Tatsächlich ist es viel banaler: Wir Männer fühlen uns auch wohl, wenn ein paar Krümel und Socken herumliegen. Wir trainieren uns das schon früh an – schaut euch mal das Zimmer eines 10-Jährigen an! Da ist keine böse Absicht dahinter, aber auch kein tiefschürfender Gedanke.

Gewisse Frauen können sich allerdings erst entspannen und wieder an etwas anderes denken, wenn das Wohnzimmer/die Küche/der Essbereich schön hergerichtet ist. Und das ist mit einem Kind, wie wir alle wissen, eine Sisyphus-Arbeit. Und Sisyphus-Arbeit hatte bei mir noch nie erste Priorität.

Eigentlich habe ich dadurch auch immer eine ganz angenehme Work-Life-Ballance erhalten können. Nur hängt halt manchmal der Haussegen schief, wenn ich es mit der Hausarbeit schleifen lasse. Zwar habe ich in den letzten Jahren einiges dazugelernt und räume nun sogar schon intuitiv und ganz natürlich gewisse Dinge weg. Aber zum Saubermann werde ich garantiert nicht mehr.

Hat an Aktualität wenig eingebüsst:


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