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Mütter haten Mütter

Streitende Frauen

Kaum sind Kinder da, werden Frauen noch viel kannibalischer als sie eh schon sind. Ein Beispiel ist der Fall Buchli.

Arme Steffi Buchli! Wird gehated, weil sie ihre Haare rot färbt («haten» ist web-deutsch für kritisieren). Wird gehated, weil sie sich inszeniert (sie arbeitet beim Fernsehen, Leute!). Wird gehated, weil sie selbstbewusst ist. Wird gehated, weil sie mit Schwangerschaftsbauch moderierte. Und jetzt wird sie auch noch gehated, weil sie gleich nach dem Schwangerschaftsurlaub wieder arbeiten geht. Und das in einem Interview ausführt. Und deswegen kein schlechtes Gewissen hat. Ist aber auch unverschämt. Die Kommentare («schreckliche Frau», «Egoistin») sind entsprechend derb.

Dabei drückt sich Buchli so diplomatisch aus:

Ich bin nun mal glücklich, wenn ich arbeiten kann. Aber jede Frau muss für sich selber entscheiden, welche Bedürfnisse sie hat. Will jemand hundert Prozent zu Hause sein, ist das wunderbar. Machen und machen lassen, lautet mein Motto. Niemand kann seinen Lebensstil jemand anderem überstülpen und verlangen, dass es genauso gut funktioniert.

Besser kann man seine Toleranz anderen Meinungen und Modellen gegenüber sowie das Bewusstsein, dass man mit der eigenen Variante anecken könnte, nicht in Worte fassen.

Zwei Dinge finde ich besonders bemerkenswert.

Erstens: «Don’t hate the player, hate the game», heisst es. Hat sich aber niemand zu Herzen genommen. Der Mutterschaftsurlaub beträgt 14 Wochen, das ist doch das Stossende. Buchli macht das, wozu alle erwerbstätigen Mütter gezwungen sind. Doch statt zu bemängeln, dass der Mutterschaftsurlaub viel zu kurz ist, schiessen alle auf die Frau. Womöglich weil sie das Gefühl haben, wer beim SRF arbeitet, verdiene so viel Geld, dass er es nicht nötig habe, gleich wieder zu arbeiten. Ist ja auch viel schlüssiger als die Folgerung Mutter + Arbeit = glücklich = Kind glücklich.

Zweitens: Es sind vor allem Frauen, die laut aufschreien. Jöckers, das arme Kind! Die Männer ärgern sich offenbar eher darüber, dass Buchli schon wieder am TV zu sehen ist (ja, auch Frauen dürfen Sportsendungen moderieren und Interviews führen, ihr Mittelalter-Nostalgiker!). Das deckt sich auch mit meiner Beobachtung: Die grössten Kritiker der Mütter sind andere Mütter. Als sei es eine Art Wettbewerb. Als wären sie Missionare, die in ihren Augen schlechtere Mütter von ihren Erziehungsmethoden überzeugen und zum einzig richtigen Weg (der zufälligerweise der eigene ist) bekehren müssen. Als gäbe es in den so einzigartigen Konstellationen zwischen Kind (Individuum ergo Unikum) und Mutter (auch Individuum) (und Vater und und und) einen allgemeingültigen, ultimativen Umgang. Indem sie sich selbst auf dem einzig wahren Pfad wähnen und andere als Irrende kritisieren, machen sie sich doch gegenseitig nur das Leben schwer.

Väter erlebe ich da als viel entspannter. Dass ein Vater einen anderen für seinen Erziehungsstil tadelt oder sich darüber empört, habe ich noch nie erlebt. Meistens höre ich: «Mir doch egal. Sollen die doch machen, wie sie wollen.» Steck ich da in einer Gender-Trap (oder Gender-Gap-Trap?) oder hab ich recht?

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