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Vater mit Kind auf dem Rücken klettert Hochbett runter

Vaterschaftsurlaub

«Die erste Zeit war schlicht magisch»

Bereits heute gibt es Firmen, die Vätern bei der Geburt ihrer Kinder vier Wochen Urlaub geben. Biologe Gabor von Bethlenfalvy gehört zu den Glücklichen.

«Mein langer Vaterschaftsurlaub war Hammer, beim ersten und beim zweiten Kind. Als Joachim vor vier Jahren auf die Welt kam, lebten wir in Belgien. Dort erhält jeder Vater zwei Wochen bezahlte Ferien und kann, bis das Kind zwölf ist, insgesamt vier zusätzliche Monate frei nehmen. In den ersten Tagen dabei zu sein, wenn das Kind seine Augen aufmacht, sich der Welt öffnet, ist schlicht magisch. Das tönt jetzt vielleicht etwas kitschig, aber genau so habe ich es empfunden. Auch drei Jahre später bei Hanna.

Mittlerweile waren wir in die Schweiz gezogen und erst da wurde mir bewusst, dass ein so langer Vaterschaftsurlaubnicht selbstverständlich ist. Ich hatte grosses Glück, dass mein Arbeitgeber diesbezüglich zu den grosszügigsten gehört und ich vier Wochen frei erhielt. Drei davon blieb ich direkt nach der Geburt zu Hause, die vierte Woche sowie weitere Kompensations- und Ferientage habe ich stunden- und tageweise nach Bedarf genommen – vor allem dann, wenn es zu Hause «eng» wurde; etwa wenn Joachim krank war oder aus anderen Gründen mehr Zuwendung brauchte, oder wenn das Baby unruhige Nächte hatte. Aber auch, wenn die Sehnsucht gross wurde, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.

Gerade in den ersten Wochen nach Hannas Geburt ging Joachim weniger oft als üblich in die Kita. Es war wichtig für ihn seine Rolle als älterer Bruder zu finden und seine kleine Schwester kennen-, akzeptieren und lieben zu lernen. Besonders in der Anfangsphase merkten wir, dass wir Eifersuchtsattacken und Stresssituationen mit unserer Doppeltpräsenz besser auffangen konnten. So schön es mit Kindern ist, manchmal ist es schon auch sehr anstrengend, ganz besonders für die Frau, die alleine schon durch das Stillen in den ersten Monaten zeitlich sehr beansprucht wird. Es war mir wichtig, den Stress der Mutter meiner Kinder etwas abzufedern.

Ich spüre, was nötig ist, ohne dass etwas gesagt werden muss.

Durch die viele Zeit, die ich mit der Familie verbringe, habe ich gelernt zu spüren, was wann nötig ist, ohne dass etwas gesagt werden muss. Kochen, aufräumen, das Baby in den Schlaf begleiten, den Besuch managen oder mit dem älteren Kind etwas unternehmen – es erfüllt mich zu sehen, wie die Familie zusammenwächst und wie wir uns gegenseitig unterstützen. Dass ich grossen Anteil am Familienalltag habe und von Anfang an eine enge Beziehung zu den Kindern hatte, spornt mich an und gibt mir Energie weiterzumachen, auch im Beruf.

Ich bin überzeugt, dass es gut ist für die Kinder, wenn anwesende Väter das mütterliche Betreuungsmonopol durchbrechen und ihre eigene Palette an Stärken und Interessen den Kindern nahebringen. Natur, Pflanzen, Tiere und die Welt draussen erfahren meine Kinder vor allem durch mich; dass mein Sohn bereits mehr Tiere kennt als ich, erfüllt mich mit Stolz. Weiter ist die Liebe zur Musik etwas, das bei mir stärker ausgeprägt ist als bei meiner Frau. Es gefällt mir zu sehen, was Joachim mit einer Ukulele, einem Minipiano oder einen Percussion-Instrument anfängt und mit ihm zusammen zu improvisieren.

Für Väter, die sich in der Familie früh einbringen wollen, ist ein extensiverer/längerer Vaterschaftsurlaub etwas sehr kostbares. Dies wirkt sich meiner Meinung nach positiv auf die Familie und somit auch auf das Umfeld und letztlich die Gesellschaft aus.»


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