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Auszeit mit Kindern

Wir sind dann mal weg!

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Sabbatical, Weltreise, Auszeit: Viele Familien träumen vom temporären Ausbruch aus dem Hamsterrad des Alltags.

Nuggis auskochen, bei den Rechenaufgaben helfen, zum Schwimmunterricht fahren, schnell den Wocheneinkauf machen und rechtzeitig wieder zum Abholen da sein… Die Tage von Eltern sind gefüllt mit Routinehandlungen und gleichen allzu oft gut getakteten SBB-Fahrplänen. Kein Wunder, dass sich gelegentlich Lust auf eine Pause einstellt. «Auszeiten sind bei Familien stark im Trend», sagt Frauke Manninga von der Weltreise-Agentur «Reiss aus! family». Ein guter Entscheid! «Die Zeit, die man mit der Familie dabei gewinnt, bekommt man nirgends sonst.»

Allerdings: Ganz einfach ist es nicht, für längere Zeit auf Reise zu gehen. Einiges gilt es zu entscheiden und zu organisieren. Wie, wann, wohin und wie lange sind zentrale Fragen. Was den Zeitpunkt betrifft, sieht Manninga verschiedene Möglichkeiten: Im Babyalter hat das Kind noch nicht allzu viele eigene Bedürfnisse. Wählt man die Zeit vor der Einschulung, sind die Chancen grösser, dass die Kinder eine bleibende Erinnerung von der Reise haben. Dies gilt erst recht fürs Primarschulalter.

«Entschleunigen! Nicht zu viel vornehmen. Und dann einfach geniessen.»

Wie lange die Auszeit dauern soll, hängt in erster Linie vom Budget ab und davon, wie lange man sich aus dem Berufsleben ausklinken kann. «Von zwei Monaten bis zu einem Jahr sehen wir alles», so Reisefachfrau Manninga. Die Klassiker unter den Auszeit-Destinationen seien Südostasien (hier besonders Thailand und Vietnam) sowie Australien/Neuseeland und USA/Kanada. Die Mehrheit der Familien, die Manninga betreut, bereist mehrere Länder. Allerdings gebe es auch eine beachtliche Anzahl, die beispielsweise zwei Monate ein Haus am Strand mietet – oder eine Kombination von beidem wählt.

Wenn einer eine Reise tut, kann er was erleben. Für Familien gilt dies in vielfacher Weise. «Es wird unterschätzt, was es heisst, 24 Stunden am Tag zusammen zu sein», sagt Manninga. Kleine «eigene» Auszeiten wie der halbe Tag im Büro fallen weg. Der Aufstand der Dreijährigen, weil der Sand nicht macht, was er soll, Streit unter Geschwistern, weil beide zuerst auf der Aussichtsplattform sein wollen, oder vorpubertäre Unlust wegen fehlendem Handyempfang – alles erlebt man hautnah und ohne Unterbruch mit. Deshalb gilt auch im Ausland: einander entlasten, einander Freiräume zugestehen. Abgesehen davon beneidet Manninga alle Familien, die vor einer Auszeit stehen und rät: «Entschleunigen! Nicht zu viel vornehmen. Und dann einfach geniessen. Es wird vielleicht die intensivste Zeit, die Sie je mit Ihren Kindern haben werden.»

Checkliste: Gut vorbereitet, ist halb gereist

Um sich unnötigen Stress zu ersparen, sollte mit der Organisation der Auszeit 6 bis 12 Monate vor der Abreise begonnen werden.

Krippe, Kindergarten, Schule

  • Krippe/Spielgruppe: Abmelden und sich erkundigen, ob der Platz behalten werden kann und wie dies finanziell geregelt wird.
  • Kindergarten/Schule: Schriftlich begründetes Urlaubsgesuch bei der Schulleitung oder der Schulpflege einreichen. Die Handhabung kann von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich ausfallen. Teilweise sind längere Abwesenheiten mit Schulkindern nur möglich, wenn ein Elternteil ein Lehrerdiplom vorweisen und die Kinder in der Abwesenheit unterrichten kann. Bei Kindergartenkindern gilt offiziell das Gleiche; die Beurteilung fällt aber meist grosszügiger aus.

Arbeit

  • Möglichkeiten ausloten: Unbezahlten Urlaub nehmen? Gibt es überschüssige Ferienguthaben? Ist eine Kündigung denkbar? Besteht die Möglichkeit, bei gewissen Projekten auch von unterwegs mitzuarbeiten (falls erwünscht)?
  • Vertretung während der Abwesenheit?
  • Wie erreichbar muss ich während meiner Abwesenheit sein? Finanzen/Versicherungen
  • Budget: Wie viel Geld steht für die Auszeit zur Verfügung?
  • Wie viel Geld wird in dieser Zeit «nicht verdient» (Lohnausfall)?
  • Wie hoch sind die laufenden Fixkosten (Miete, Steuern, Versicherungen, Krippen- und sonstige Betreuungskosten), falls sie weiterhin anfallen?
  • Haben wir Spielraum für Unvorhergesehenes?
  • Der Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung ist sinnvoll, da gerade mit Kindern immer etwas dazwischen kommen kann.

Zu Hause

  • Soll die Wohnung in der Zwischenzeit untervermietet oder gar aufgegeben werden? Kommt die Möglichkeit eines Wohnungstauschs infrage?
  • Zeitungen abbestellen für die Dauer der Abwesenheit.
  • Post zurückbehalten oder umleiten respektive Briefkasten von jemandem leeren lassen.
  • Vor der Abreise alle offenen Rechnungen begleichen. Laufende Rechnungen wo möglich auf Online-Version ändern und via E-Banking von unterwegs begleichen. Oder jemanden zu Hause beauftragen, der sich darum kümmert.
  • Wer betreut die Haustiere? Wer giesst die Pflanzen und mäht den Rasen? Wo bleibt das Auto?

Gesundheit

  • Welche Impfungen sind nötig?
  • Kinderarzt betreffend besondere Bedürfnisse der Kinder konsultieren.
  • Auslandabdeckung der Krankenversicherung abklären.
  • Notrufnummer der jeweiligen Destinationen bereithalten.
  • Benötigte Medikamente/Notfallapotheke mitnehmen.

Reise

  • Bleiben wir stationär oder reisen herum? Oder kombinieren wir beides?
  • Was buchen wir von zu Hause aus: Flüge? Zugverbindungen? Mietautos? Hotelübernachtungen oder Ferienwohnung?
  • Welche Visa sind nötig? Haben wir für alle Familienmitglieder gültige Reiseunterlagen/Reisepässe?

Destination

  • Welches sind die Besonderheiten des Landes?
  • Benötigen wir Spielgruppen/Kindergarten/Schule vor Ort (bei längeren Anwesenheiten)?
  • Gibt es Babysitting-Möglichkeiten vor Ort?

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