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Ratgeber

Wie viel Prinzessin darf meine Tochter sein?

Manche Mädchen lieben alles Pinke, Verspielte, Prinzessinnenhafte. Wie «girly» sollen Mädchen sein dürfen? Sollten Eltern gegensteuern, um stereotype Geschlechterrollen aufzubrechen?

Leserfrage zu Mädchen mit Rosa-Vorliebe: Meine dreijährige Tochter ist ein typisches Mädchen. Sie liebt Rosa und trägt am liebsten pinkfarbene Kleider mit Spitzen und Rüschchen. Es kann gar nicht «girly» genug sein.

Ich finde zwar auch, dass sie sehr süss aussieht, bin jedoch unsicher, ob ich das wirklich unterstützen sollte. Weil sie sich nicht schmutzig machen möchte, spielt sie nämlich lieber drinnen.

Meine Freundin meinte kürzlich, dass ich eine «kleine Prinzessin» aus meiner Tochter mache. Das möchte ich natürlich nicht. Sollte ich also aufhören, meine Tochter die Kleider tragen zu lassen, die ihr gefallen?

Antwort von Pro Juventute: Schön, dass Sie sich diese Gedanken machen. Vielleicht möchte Ihre Freundin Sie einfach ermuntern, Ihrer Tochter auf vielfältige Weise zu zeigen, wie Mädchen auch noch sein können. Das heisst nicht, dass Ihre Tochter keine Freude an der Farbe rosarot und hübschen Kleidern haben darf.

Es geht nicht darum, eine Vorliebe zu verändern, sondern, unabhängig vom Geschlecht, unterschiedliche Dinge kennenzulernen. Je mehr Fähigkeiten Ihre Tochter entdecken darf, umso reichhaltiger werden ihre Erfahrungen.

Leben Sie ihr vor, dass ganz vieles Spass macht. Zum Beispiel im Sand zu buddeln und sich auch mal schmutzig zu machen. Oder umherzutollen und erste Kletterversuche zu wagen.

Vielleicht erklären Sie Ihrer Tochter zuerst, dass Sie ihr zum Spielen Kleider anziehen, die nicht heikel sind, damit sie nicht aufpassen muss. So kann sie unbeschwert Neues ausprobieren.

Damit sich Kinder so entwickeln, wie es ihrer Persönlichkeit entspricht, sollten sie nicht als «typisch weiblich» oder «typisch männlich» eingestuft werden. Das klingt einfacher, als es in Wirklichkeit ist. Der Versuch, sich von Rollenzuschreibungen fernzuhalten, wird schon beim Einkaufen von Kleidern oder Spielsachen auf eine Prüfung gestellt.

In rosaroten Welten finden sich Eltern in den Abteilungen für Mädchen wieder und bei den Jungen dominieren Action und Superhelden. Wirken Sie solchen Klischees entgegen und schauen Sie sich gemeinsam Bilderbücher über starke Mädchen und sensible Jungen an. Nutzen Sie in Ihrer Familie ebenfalls jede Möglichkeit, Rollenmuster zu durchbrechen.

Wenn Ihre Tochter von klein an mitbekommt, dass Sie keinen Unterschied machen, ob Sie oder Ihr Partner Haushaltsaufgaben übernehmen, kann sie sich eine tolerante Haltung aneignen. Bestimmt entdecken Sie im Alltag viele Übungsfelder und können die Bemerkung Ihrer Freundin immer besser verstehen.

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