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Entwicklung

Wie Kinder zeichnen lernen

Erste Zeichnungen bilden die Grundlage für die spätere gestalterische Entwicklung des Kindes. Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um Kringel und Kopffüssler.

Der Maler Pablo Picasso sah in jedem Kind einen Künstler oder eine Künstlerin und widmete sich bewusst reduzierten Formen «kindlicher» Zeichnungen. Und der Modeschöpfer Karl Lagerfeld begründete sein herausragendes Talent als Zeichner in seinen frühkindlichen «Kritzeleien». Kinder eignen sich die Wirklichkeit gestalterisch an und zeigen uns damit, wie sie die Welt sehen. In ihrer Entwicklung durchlaufen sie verschiedene Phasen, vom Kritzeln zu differenzierten Bildern, die abbilden, was Kinder beschäftigt.

In diesem Artikel werden folgende Fragen beantwortet:

  1. Wie sehen frühkindliche Kritzeleien aus?
  2. Können Eltern ihr Kind in dieser Phase fördern?
  3. Was ist mit «Schreibkritzeln» gemeint?
  4. Wie sollen die Eltern auf die Kritzeleien ihrer Kinder reagieren?
  5. Was, wenn die Eltern selber ganz und gar nicht als zeichnerische Vorbilder dienen können?
  6. Wie sehen die ersten Menschdarstellungen aus?
  7. Und wie geht es weiter mit der gestalterischen Entwicklung?

Wie sehen frühkindliche Kritzeleien aus?

Wir kennen in der Kritzelphase verschieden geformte Kritzeleien, zum Beispiel Hiebkritzeln, Schwingkritzeln, Kreiskritzeln, verschieden geformte und kombinierte Kritzeleien und erstes sinnunterlegtes Kritzeln. Bevor Kinder an ein ganzes Bild denken und es abbilden wollen, geht es zunächst um die motorische Lust, mit einem Stift oder Pinsel und Farbe Spuren auf dem Papier zu hinterlassen. Da wird auch einmal mit dem Stift auf den Untergrund gehämmert (Hiebkritzeln), bis die Spitze abbricht. Diese Phase liegt etwa zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr, je nach individueller Entwicklung und Interesse eines Kindes.

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Abb. 1 Frühkindliche Kritzelei.

Können Eltern ihr Kind in dieser Phase fördern?

Manche Eltern beklagen, dass ihr Kind sich nicht von sich aus dem Zeichnen und Malen zuwendet. Gefördert werden kann die Motivation durch Bereitstellen von interessantem Material in Hülle und Fülle, zum Beispiel verschiedene Papiere und Stifte in unterschiedlichen Stärken. Die Farbwahl ist in dieser Phase noch unwichtig, da die Funktion im Vordergrund steht. Deshalb sollte das Material nicht teuer, sondern immer präsent und anregend in reichlicher Menge für das Kind zur Verfügung stehen, ohne, dass es danach fragen muss.

Was ist mit «Schreibkritzeln» gemeint?

Von gemalten Kritzeleien unterscheiden sich Schreibkritzeleien, weil sie erste Anzeichen und Elemente von Schrift erkennen lassen. Kinder imitieren das Schreiben der Erwachsenen. Eltern können die Schriftentwicklung fördern, indem sie ihnen eine Vielzahl Formulare zum Ausfüllen und Stifte bereitstellen.

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Abb. 2 Schreibkritzeln.

Wie sollen die Eltern auf die Kritzeleien ihrer Kinder reagieren?

Manche Kinder sprechen, während sie kritzeln, manche nicht. Manche ändern während des Gestaltens ihre Darstellungsabsicht. Zuerst malen sie ein Auto, dann wird daraus ein Haus, vielleicht auch eines auf Rädern. Immer befindet sich das Kind beim Zeichnen und Malen in einem anregenden Prozess, der das Denken in Bewegung setzt. Erwachsene sollten nicht steuernd und schon gar nicht korrigierend eingreifen, damit der Motivation des Kindes und dem selbstbestimmten Lernen keine Grenzen auferlegt werden. Die Kritzelphase bildet die Basis für die weitere Entwicklung. Deshalb können Eltern diese Ergebnisse anerkennend kommentieren und auch einmal in einem schönen Bilderrahmen präsentieren.

Was, wenn die Eltern selber ganz und gar nicht als zeichnerische Vorbilder dienen können?

Eltern müssen sich nur in ihrem Umfeld umsehen: Wer nicht in einem kreativen Beruf arbeitet und zeichnen soll, hält sich dafür oft nicht als talentiert genug. Die Bilder ungeübter Erwachsener übertreffen meistens nicht die zeichnerische Entwicklung eines zehn- bis zwölfjährigen Kindes. Viele Erwachsene haben den kreativen Zugang verloren. Kinder sind jedoch von Natur aus kreativ, man muss ihnen das Zeichnen und Malen nicht eigens beibringen. Sie folgen einfach unbekümmert ihren Impulsen, wenn man sie lässt.

Wie sehen die ersten Menschdarstellungen aus?

Wir kennen im Zusammenhang mit der frühen Darstellung von Menschen durch Kinder den Begriff «Kopffüssler». In der Fachwelt wird darüber gestritten: Stellt diese Abbildung von einem Kopf mit Füssen nun ein reduziertes Gebilde oder bereits einen vollständigen Menschen dar? Schliesslich erkenne man eine Einheit in der Darstellung, und keine voneinander getrennten Striche und runden Formen. Ob man dem einen oder anderen Lager folgt, immer vollzieht sich beim Kind ein interessantes Zusammenspiel von Denken, Papier und Stift. Eine anschauliche Variante findet sich in der Abbildung 3 eines vierjährigen Kindes, bei dem sich zwei Menschen die Hand geben.

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Abb. 3 Erste Menschendarstellungen.

Und wie geht es weiter mit der gestalterischen Entwicklung?

Ungefähr ab dem dritten und vierten Lebensjahr kombinieren Kinder verschiedene Formen. Es entstehen Gebilde mit Kreisen und Strichen. Manchmal werden diese aneinandergesetzt, sodass zum Beispiel Quadrate und Rechtecke abgebildet werden.

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Abb. 4 Gemischte Formen.

Darauf aufbauend komponieren Kinder ihre Bilder in den folgenden Jahren stärker. Für die Rahmenhandlung kennzeichnen sie häufig einen Himmel und einen Boden, auf dem etwa ein Mensch steht oder Autos fahren. Sie differenzieren die Zeichnungen und Bilder stärker aus, während die Farbwahl zunehmend an Bedeutung gewinnt. Durch immer mehr Kombinationsmöglichkeiten erweitert sich die Bildsprache; so gibt es nun Abbildungen von Menschen, Fahrzeugen, Gestirnen und Gegenständen aus dem Alltag, mit denen sich Kinder beschäftigen. Es wird deutlich: Zeichnen und Malen sind Darstellungen, mit denen Kinder ihre Sicht der Welt für sich und andere klarstellen.

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