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Kinderfragen

Kinder wollen alles wissen. Wir haben die Antworten!

Kind mit vielen Fragen

Warum – weshalb – wieso? Kinder wollen alles wissen, auch das, wovon Mama und Papa keine Ahnung haben. Wir haben Kinderfragen von Experten beantworten lassen und das kam dabei heraus.

Können Fische auch seekrank werden?

Lena, 6 Jahre

Wie wir Menschen besitzen auch Fische ein Gleichgewichtsorgan. Es befindet sich auf beiden Seiten des Kopfes und ermöglicht den Tieren, im Wasser die Orientierung zu behalten und beim Schwimmen nicht planlos hin- und herzutorkeln. Zur Stabilität trägt ausserdem noch das sogenannte Seitenlinienorgan bei, das fortwährend die durch die Wasserbewegungen ausgelösten Strömungen und Druckwellen erfasst und an das Gehirn weiterleitet, wo diese Informationen ebenfalls verarbeitet und mit den von Augen und Gleichgewichtssinn eingehenden Meldungen verrechnet werden. Gerät ein Fisch daher in heftig bewegtes Wasser, beispielsweise in einen Strudel, so hat sein Gehirn dasselbe Problem wie das unsere auf dem schwankenden Schiff – mit der Folge, dass das Tier tatsächlich seekrank wird. Wissenschaftler haben das eindeutig bewiesen. Unter anderem haben sie mit Fischen einen sogenannten Parabelflug unternommen, während dessen steiler Abwärtsphase kurzzeitig die Erdanziehungskraft ausfällt, wodurch ein schwereloser Zustand entsteht. Prompt fingen die Tiere in ihren Wasserbehältern an zu torkeln, drehten sich planlos um die eigene Achse und erbrachen die zuvor eingenommene Nahrung.
Dr. Jürg Brater, Zahnarzt und Biologielehrer, beantwortet diese Frage in seinem Buch «Lexikon der verblüffenden Erkenntnisse», www.fischerverlag.de

Kind mit Regenmantel in der Badewanne wird von den Eltern nass gemacht

Warum ist der Regen nass?

Fin, 5 Jahre

Auf unserer Erde hat es dreimal so viel Wasser wie Land. Wir finden Wasser im Meer, in Flüssen oder Seen. Da die Sonne Wasser verdunsten lässt, finden wir es als unsichtbaren Wasserdampf auch in der Luft. Dies nennen wir Luftfeuchtigkeit. Der Wasserdampf steigt mit der warmen Luft nach oben. Weil es dort oben kalt ist, verwandelt sich der Wasserdampf zu feinsten Tröpfchen oder Eiskristallen. Es bilden sich Wolken. Der Wind formt die Wolken und an ihnen kann man das Wetter ablesen. Wenn es in der Wolke kälter wird, fliessen immer mehr Wassertröpfchen zusammen, bis sie so schwer sind, dass sie als kleine Regentropfen herunterfallen. Grosse Regentropfen entstehen, wenn sich Eiskristalle zu Schneeflocken zusammentun und beim Herunterfallen in den unteren, wärmeren Luftschichten auftauen. Regen nennt man auch Niederschlag und dieser fühlt sich auf unserer Haut nass an.
Departement des Innern EDI, Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, Text aus der Zeitschrift «Wunderfitz», in der sich viel Wissenswertes übers Wetter, massgeschneidert für Kinder, findet. www.wunderfitz.ch

Wie kommen die Körnchen vom Sandmännchen ins Auge?

Lovis, 4 Jahre

Die Augen müssen durch einen Tränenfilm immer feucht gehalten werden. Dieser besteht aus drei Schichten: der inneren Muzinschicht, der wässrigen Schicht und einer äusseren Fettschicht. Die Muzinschicht ist eine Schleimschicht direkt auf der Augenoberfläche. Diese gleicht kleine Unebenheiten auf der Augenoberfläche aus und ermöglicht es den anderen Komponenten des Tränenfilms, sich auf der Augenoberfläche auszubreiten. Die mittlere, wässrige Schicht wird von der Tränendrüse gebildet und ist für die Ernährung der Hornhaut sowie für die Befeuchtung und den Schutz vor Keimen des Auges verantwortlich. Die äussere Fettschicht minimiert die Verdunstung der Tränenflüssigkeit und sorgt auch dafür, dass die Tränenflüssigkeit nicht einfach über die Lidkante abläuft. Die Fettmoleküle dieser Schicht werden von vielen kleinen Fettdrüsen gebildet, die sich hinter den Wimpern an der Kante des Lidrandes befinden. Diese Fettmoleküle werden bei jedem Lidschlag auf den Lidrand abgegeben. Von hier gelangen sie auf den Tränenfilm und bilden eine ölige Schutzschicht, welche die Verdunstung des Feuchtigkeitsfilms verringert. Tagsüber steht das Zusammenspiel der drei Augenflüssigkeiten bei gesunden Menschen im Gleichgewicht. Während des Schlafens jedoch wird die Flüssigkeitsproduktion (die wässrige Schicht) am Auge reduziert, sodass sich Reste des Sekretes der kleinen Fettdrüsen am inneren Lidwinkel des Auges ansammeln und eintrocknen. Sie trocknen in Form von gelblichen Krümelchen, welche auch Sandkörnchen genannt werden. Die Erklärung, dass diese Sandkörnchen vom Schlafsand entstanden sind, welcher das Sandmännchen jeden Abend den Kindern in die Augen streut, damit sie gut einschlafen, könnte jedoch auch wahr sein …
Dr. med. Andreas Wild, Facharzt FMH und F.E.B.O. Ophthalmologie, Oberarzt von Vedis-Augenlaser Zentren der Klinik Pallas

Warum hat es im Weltraum keinen Sauerstoff?

Sol, 11 Jahre

Genau genommen hat es auch im Weltraum Sauerstoff. Allerdings sehr viel weniger als in unserer Atmosphäre. Die Sterne und grösseren Planeten ziehen alles Gas in ihrer Umgebung an. Dies ist ein Glück für uns, da die Gaswolke um unsere Erde gerade dicht genug ist, um hier leben zu können. Mars ist etwas kleiner und seine Anziehungskraft reicht nicht aus, eine Atmosphäre an sich zu binden. Jupiter und Saturn sind so riesig, dass ihre Atmosphäre sehr dicht ist und uns zerdrücken würde. Allerdings kann selbst bei unserer Sonne ständig etwas Gas, vor allem Wasserstoff, aber auch etwas Sauerstoff in Form von Sonnenwind entweichen. Da das Weltall riesig ist, verdünnt es sich gewaltig und reicht nicht fürs Leben.
Prof. Dr. Kathrin Altwegg, Physikalisches Institut, Universität Bern

Teller mit Schmetterlinge

Wie entstehen Schmetterlinge im Bauch?

Virginia, 11 Jahre

Unsere inneren Organe werden von einem unbewussten Nervensystem gesteuert. Dieses System sorgt dafür, dass sich unser Körper optimal auf seine Aufgaben einstellen kann: Wenn wir rennen, muss z. B. viel Blut in die Muskeln gepumpt werden; wenn wir essen, muss der Magen aktiv werden. Unsere Gefühle sind eng mit diesem Nervensystem verknüpft. Wenn wir Angst empfinden, wird das Herz angeregt – vielleicht müssen wir ja davonrennen. Falls die Gefühle heftig sind, etwa wenn wir uns verlieben, werden viele Organe angeregt und wir spüren plötzlich die Wirkung des unbewussten Nervensystems, die uns sonst verborgen bleibt. Falls sogar unsere Verdauung angeregt wird, verspüren wir eben ein komisches Gefühl in der Bauchgegend. Ist es nicht schön, dass wir in einem Zustand aus Aufregung, Vorfreude und Nervosität unseren Körper so gut wahrnehmen?
Prof. Dr. Kaspar Vogt, Neurobiologe, Biozentrum der Universität Basel

Wieso schwimme ich, auch wenn ich mich nicht bewege?

Ella, 8 Jahre

Liebe Ella, das hast du gut beobachtet oder vielleicht sogar schon selber ausprobiert: Ja, ein Mensch schwimmt, wenn er eingeatmet hat – wir Schwimmlehrer sagen dem eher «schwebt» – knapp auf oder unter der Wasseroberfläche, ohne sich zu bewegen. Diese Tragkraft des Wassers, auch Auftrieb genannt, hat vor mehr als 2000 Jahren der griechische Gelehrte Archimedes beschrieben. Seine Erkenntnis: Ein Körper schwimmt, wenn er leichter ist als die verdrängte Wassermenge.
Elisabeth Herzig, Ausbildungsverantwortliche von swimsports.ch

Warum klappern meine Zähne, wenn ich friere?

Juri, 10 Jahre

Wenn man friert, ist die Umgebung für den Körper zu kalt. Entweder man zieht sich eine warme Jacke an oder geht in einen beheizten Raum, um dies auszugleichen. Wenn beides nicht möglich ist, sollte man sich bewegen. Durch Bewegung wird einem warm. Tut man das nicht, dann gibt der Körper sozusagen die Anweisung, sich mit «Zittern» zu bewegen. Beim «Zittern» bewegt der Körper mit ganz kleinen Bewegungen die Muskeln und erzeugt dadurch Wärme. Die Kaumuskeln sind besonders stark. Wenn dein Körper diese Muskeln bewegt, klappern die Zähne.
Frau Dr. Dorothea Dagassan-Berndt, Zahnärztliche Chirurgie, Unikliniken für Zahnmedizin in Basel

Warum hat Papi einen Bart unter den Armen?

Max, 3 Jahre

Lieber Max, auch deine Mami hat einen Bart unter den Armen. Wahrscheinlich rasiert sie diese Haare weg, wie das viele Frauen machen – und übrigens auch immer mehr Männer. Die meisten Tiere haben ein Fell, also quasi einen Bart am ganzen Körper. Auch die frühen Menschen hatten, lange vor der Zeit, als sie in Häusern wohnten, so ein Fell. Die Behaarung wurde bei den Menschen mit der Zeit immer weniger, und heute haben Frauen und Männer, ausser auf dem Kopf, nur noch an wenigen Stellen Haare am Körper. Aber weshalb haben Kinder keinen Bart unter den Armen? Verantwortlich sind die Geschlechtshormone, die im Alter von 10 bis 15 Jahren aktiv werden. Sie bewirken unter anderem, dass nicht nur auf dem Kopf Haare wachsen. Da Knaben mehr männliche Hormone haben als Mädchen, wachsen bei ihnen auch Haare im Gesicht.
Prof. Dr. med. Urs Eiholzer, Pädiatrisch-Endokrinologisches Zentrum Zürich

Kaktus in der Vase

Warum ist ein Kaktus stachelig?

Emma, 5 Jahre

Auch Kakteen gehören zu den Pflanzen, die sich ihrer Umwelt perfekt angepasst haben. Denn sie wachsen meistens in Wüstenregionen, wo es oft monatelang nicht regnet. Deshalb können die Kakteen ganz viel Wasser speichern, fast wie ein Schwamm. Regnet es mal, saugen sie sich voll. Die Stacheln sind ein Schutz gegen Tiere. Das ist wichtig, weil es dort, wo Kakteen wachsen, kaum andere Pflanzen gibt. Ohne Stacheln würden Kakteen also gefressen werden. Ausserdem schützen Kakteen damit auch ihren grossen Wasservorrat. Denn auch darauf könnten es die Tiere abgesehen haben.
Mathias Jörg Müller-Michaelis Antwort in seinem Buch «Warum ist die Banane krumm?», erschienen im Südwest Verlag, München

Warum ist Oma schrumpfelig?

Luvi, 7 Jahre

Falten an der Haut entstehen als Folge der Sonneneinstrahlung, genauer gesagt durch den ultravioletten Anteil. Die UV-Strahlung führt durch die Freisetzung freier Sauerstoffradikale zur Schädigung des Bindegewebes der Haut. Vor allem durch den Verlust der elastischen Fasern wird die Haut faltig. Es ist also sinnvoll, sich vor der Sonne zu schützen. Auch um Hautkrebs zu verhindern, der ebenfalls durch UV-Strahlung ausgelöst werden kann. So wird Luvis Oma auch nur an den Stellen faltig sein, die der Sonne immer ausgesetzt waren, also im Gesicht und an den Händen.
Dr. med. Siegfried Borelli, Dermatologisches Ambulatorium des Stadtspitals Triemli in Zürich

Wie kommt eigentlich das Wasser in die Flüsse?

Noemi, 7 Jahre

Wenn man einen grossen Fluss wie den Rhein oder die Aare sieht, kann man sich wirklich fragen, woher all das Wasser kommt. Einfach gesagt stammt alles Wasser in den Flüssen vom Wasser, das als Regen oder Schnee auf die Erde fällt. Dieses Wasser erreicht die Flüsse jedoch auf verschiedenen Wegen. Ein kleiner Teil des Niederschlages fällt direkt auf Seen oder in Flüsse. Ein anderer Teil fliesst auf der Erdoberfläche ab und gelangt so schnell in Bäche und Flüsse. Der grösste Teil des Regens kann jedoch in die Erde versickern und erreicht erst später Bäche und Flüsse als Grundwasser, also als Wasser, das für uns nicht sichtbar langsam in der Erde fliesst.
Prof. Jan Seibert, Leitung der Gruppe Hydrologie und Klima am Geographischen Institut der Universität Zürich

Weiss der Krieg, wo die Schweiz ist?

Jero, 4 Jahre

Prof. Dr. Albert Stahel: Diese Frage lässt sich sehr einfach beantworten: Der Krieg weiss zwar, wo die Schweiz ist, aber die Schweiz weiss nicht, wo der Krieg ist. Denn wir haben auf der einen Seite eine heile, sichere und schöne Welt – die unsere. Und auf der anderen Seite einen grossen Teil der Welt, der nicht ruhig und stabil ist, sondern von Rivalitäten, Forderungen und Ansprüchen geprägt ist. Als Mittel zur «Lösung» dieser Ansprüche werden Kriege geführt. Uns Europäern ist es gelungen, diese Probleme in der Vergangenheit zu lösen.

wir eltern: Wie haben wir das geschafft?

Indem wir blutige Kriege geführt haben. Und am Ende des Zweiten Weltkrieges festgelegt worden ist, wie wir zu leben haben. Tonangebend waren dabei die USA und die Sowjetunion. In Verträgen wie dem Warschauer Pakt wurden Regeln und Wertsysteme festgelegt. Die Europäer verdanken es letztlich anderen, dass ihre Probleme gelöst wurden.

Auf die Frage, warum es überhaupt Krieg gibt, greifen viele Eltern zur Antwort: Weil es immer dumme Menschen gibt!

Eine besonders dumme Antwort. Hier herrscht Frieden, weil er uns aufgezwungen wurde, und nicht, weil wir gescheiter sind als andere. Eine solche Behauptung ist arrogant und überheblich.

Gibt es so etwas wie einen gerechten Krieg?

Es gibt eine Definition davon. Diese geht zurück auf den Philosophen Augustin. Ihm zufolge führt ein Staat dann einen gerechten Krieg, wenn seine Ziele «besser» sind als diejenigen des Gegners. Das ist allerdings nur eine Rechtfertigung, um Krieg zu führen. Krieg führen oftmals nicht die Armen gegen die Reichen, in den meisten Fällen läuft es umgekehrt. Nehmen wir etwa den Kongo. Dort kommen grosse Mengen an Coltan vor, ein Rohstoff, der für elektronische Geräte gebraucht wird. Coltan wird in Mienen von Arbeitssklaven abgebaut, die von einem Kriegsherren beherrscht werden. Dieser wiederum dient der ruandischen Armee und schafft die Rohstoffe zur Verarbeitung nach Australien. Eigentlich steht der Kriegsherr also im Dienste von reichen Staaten.

Sehr ungerecht ...

Nein, verbrecherisch. Wir tolerieren Kriegsverbrecher, weil sie uns dienen.

Aber es muss doch etwas geben, das wir unseren Kindern vermitteln können, um Kriege zu verhindern?

Eine gerechte Welt? Das ist eine utopische Welt, in der alle Menschen gleich wären. Sobald es etwas gibt, das ein anderer haben will, gibt es Ansprüche, die auch durchgesetzt werden. Der Mensch ist des Menschen Feind. Wir sollten ehrlich sein – auch zu unseren Kindern. Sinnvoll wäre es, an Schulen aktuelle Konflikte genau zu analysieren.

Eine Welt ohne Krieg ist also nicht denkbar?

Ich würde es so formulieren: Eine Welt ohne Krieg wäre schön. Man sollte unbedingt davon träumen. Aber es ist Utopie.


Prof. Dr. Albert A. Stahel ist Dozent für Strategische Studien an der Universität Zürich und Leiter des Institutes für Strategische Studien Wädenswil

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