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Interview

«Väter, entspannt euch!»

Mann schreibt auf Notizblock

Väter schreiben Bücher über Kinder. Heute häufiger denn je. Aber Kinder über Väter? Maximilian Brost hat das vor vier Jahren getan; damals war er 16. Sein Buch «Wie Väter ticken» ist eine Replik auf das Buch seines Vaters «Wie Teenies ticken». Ein Gespräch mit dem Hamburger Abiturienten über Väter als Vorbilder, Kumpel und Alpha-Tierchen.

wir eltern: Herr Brost, jeder, der hört, dass Sie ein Antwortbuch auf das Buch Ihres Vaters geschrieben haben, fragt sich automatisch: Abrechnung? Oder einem Vorbild nacheifern?

Maximilian Brost: Ach, es ist viel banaler. Mein Vater hatte dieses Buch geschrieben und an irgendeinem Abend mit Freunden kam die Idee: Wenn ein Vater über Jugendliche schreibt, können wir Jugendlichen auch über Väter schreiben. Und dann haben wir eben angefangen, Vätern und Teenagern jede Menge Fragen zu stellen. So kam das Vaterbuch zustande.

Kann man eigentlich über «den Vater» etwas sagen? Ist nicht jeder Vater anders?

Klar, jeder ist anders – aber auch wieder nicht. Zum Beispiel haben sich alle schwer getan, über Ängste, Sorgen oder Probleme zu sprechen. Typisch Mann. Und den Drang zum Alpha-Tierchen, also dieses «ich habe das Sagen, ich weiss alles besser» haben auch die meisten. Überrascht und allen Ernstes gerührt hat mich aber, dass wirklich alle Väter unbedingt ihren Job als Papa gut machen wollen. Als Teenie sieht man das ja nicht so, da nerven Väter vor allem. Und: Sämtliche Väter versuchen den Spagat zwischen freundschaftlich-kumpelhaft und vorbildlichautoritär. Das gelingt selten.

Warum?

Bei den meisten ist das Kumpelhafte heute die normale Umgangsform. Aus dem Autoritären versuchen alle auszubrechen. Wenn man allerdings auf der gleichen Ebene ist, dann bewundert man jemanden nicht und hält ihn auch nicht für den tollsten Typen überhaupt. Für den Tollsten wollen Väter allerdings trotzdem gehalten werden …

Und dann?

Dann bricht – wie gesagt – etwas unvermittelt das Alpha-Tierchen-Syndrom durch. Typisch ist etwa, dass auch kumpelhafte Väter, wenn Gäste zu Besuch sind, anfangen, ihre Kinder ein wenig herumzuschikanieren: Hol mal Bier, lege die Mäntel weg, schenk Wein nach … So etwas in der Art. Sehr typisch ist auch der jedem Jugendlichen bekannte cholerische Ausbruch «Jetzt räum endlich dein Zimmer auf, das ist hier der letzte Saustall, man bricht sich hier ja den Hals!»

Maximilian Brost

Klassischer Teenager-Erwachsenen-Konflikt?

Exakt. Und deshalb wünscht sich ein Teenie erstmal eher einen kumpelhaften Vater. Wer hat schon Bock, sein Zimmer aufzuräumen …

Erstmal?

Ja. Denn – merkwürdig genug – man will ja trotzdem Vorschriften, vielleicht sogar eine Bestrafung, eine Anleitung fürs Leben. Auch wenn man sich nicht dran hält.

Hat Ihr Vater, er ist ja Journalist, Ihnen Anleitungen beim Buch gegeben?

Nein. Hätte ich auch nicht gewollt. Nur einen einzigen Rat hat er mir gegeben: «Halte das Persönliche raus, sonst kannst du das ganze Buch knicken.»

Dabei wären persönliche Erfahrungen bei Ihnen interessant. Sie haben ja sozusagen zwei Väter: Ihren leiblichen Vater und den «sozialen», den neuen Mann ihrer Mutter. Gestalten die zwei Männer die Vaterrolle unterschiedlich?

Klar. Mein leiblicher Vater musste mir nie Grenzen setzen. Er ist der Kumpel. Mein «sozialer Vater», wie Sie ihn nennen, hat das natürlich schon gemacht. Der hatte mich ja schliesslich die ganze Zeit an der Backe. Da muss man schon mal eher was sagen.

Geradezu erschreckend weise für einen 20-Jährigen …

Naja, durch das Buch habe ich angefangen, Väter sachlicher, distanzierter und vielleicht auch nachsichtiger wahrzunehmen.

Mit milder Nachsicht?

Ja. Dieser Wunsch aller Väter, von ihren Kindern als Vorbild gesehen zu werden und gleichzeitig die Angst, «was, wenn ich es nicht bin?», geht einem richtig ans Herz. Dabei brauchen sie davor keine Angst zu haben. Auch wenn sie beim Fussballspielen schon nach zehn Minuten erschöpft flach liegen, für den Sohn wird er trotzdem immer der Grösste sein. Eigentlich könnten sich Väter entspannen und denken: «Ich kann ruhig schwächeln, ich habe im Leben schon viel erreicht!» Und dann hat mich dieses Verspielte gerührt.

Das «Kind im Manne»?

Ja. Väter sind unheimlich verspielt und können Ewigkeiten mit einem Plastikflugzeug ihren Kindern vor der Nase herumfuchteln, auch wenn die das voll peinlich finden. Ist doch süss.

Süss. Passt irgendwie nicht zu väterlicher Autorität

Aber natürlich. Wenn manches nicht passt, ist das gar nicht schlimm. Finde ich. Und finden alle befragten Jugendlichen. Zum Beispiel denken alle Väter: Die Tochter ist das schönste Mädchen der Welt und der Sohnemann muss sich einfach mehr anstrengen, dann wird er irgendwann Präsident. Ist doch nett.

Ein liebevolles Fazit. Zur Orientierung für die Väter: Was fordern Kinder von ihnen?

Wir wollen mehr Verständnis. Wir wollen, dass ihr uns in die. Schranken weist. Und wir wollen, dass ihr uns zuhört

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