Menü
Untitled-133 (1)

Geld

Warum für Kinder drei Kässeli besser sind als eines

Sackgeld geben allein bringt nicht viel, findet die finanzbegeisterte Bloggerin Simone Hoffmann. Ihr fünfjähriger Sohn hat einen Sparplan und drei statt nur ein Sparsäuli.

Das liebe Geld! Das leidige Geld! Zwar brauchen wir es alle und realisieren Kinder schnell, wie wichtig und mächtig Geld sein kann, doch mit dem Geld kommen auch viele Fragen und Streitigkeiten in Familien. Das merken Eltern, sobald das Thema Sackgeld aktuell wird. Sofort stellen sich viele Fragen: Ab welchem Alter gibt es Taschengeld? Ab der 1. Klasse rät die Budgetberatung Schweiz. Das sei ein guter Zeitpunkt, da das Kind nun auch Rechnen lerne und immer selbstständiger werde. Und wie viel Sackgeld ist genug? Einen Franken pro Schuljahr und Woche, lautet hier die gängige Antwort. Ab der 5. oder 6. Klasse kann es dann mehr sein und monatlich.

Eine kurze Umfrage bei befreundeten Familien zeigt aber, die Unterschiede im Umgang mit Sackgeld sind schon in der Primarschule riesig: Ein 4. Klässler bekommt bereits 40 Franken pro Monat – muss damit aber schon vieles selbst berappen, wie etwa Badieintritte oder Süssigkeiten. Bei einer anderen Familie bekommt die Jungmannschaft ihr Sackgeld nur, wenn alle Ämtli erledigt wurden. Und bei gar nicht so wenig Familien mit Primarschulkindern gibt es gar kein regelmässiges Sackgeld. Sie bekommen eh alles, was sie brauchen, lautet die Begründung dieser Eltern. Zudem würden Geburstagsbazen von Verwandten das Sparsäuli recht zuverlässig füllen. Andere Kinder haben all ihr Geld auf einem Bankkonto – welches sie in einer fernen Zukunft dann mal antasten dürfen.

Ein klares Sackgeldkonzept

Ziemlich konzeptlos und wenig befriedigend fand Simone Hoffmann all das. Die finanzbegeisterte Bloggerin aus Zürich hat einen fünfjährigen Sohn und sagt: «Sich selbst um seine Geldfragen kümmern zu können, ist ein entscheidender Vorteil im Leben.» Eltern seien in der Pflicht ihre Kinder früh finanzkompetent zu machen. «Wenn sie die ersten Schulden haben, ist es zu spät.»

Seit Frühling 2022 betreibt Simone Hoffmann darum einen Sackgeld-Blog und ist auf Instagram sehr aktiv. Denn sie hat, was vielen Eltern fehlt: ein klares Konzept, wie sie ihren Sohn finanzfit machen will. Er bekommt, obwohl erst fünf Jahre alt, 5 Franken Sackgeld pro Woche. Einen Teil davon muss er sparen, einen Teil investieren, einen Teil spenden und einen Teil darf er sofort ausgeben. Klingt eher wie der Budgetplan einer ganzen Familie als wie das Chrömeligeld eines Kindergärtlers. Wir haben Simone Hoffmann darum gefragt, wie das gehen soll mit Aktien und Sparzielen für Kindergärtler.

Beim Thema Sackgeld gehen die Meinungen unter Eltern weit auseinander.

Simone-Hoffmann2 (1)

Simone Hoffmann lebt mit Mann und Sohn in Zürich und sagt: «Ich will meinen Sohn so früh wie möglich finanzfit machen.»

wir eltern: Simone Hoffmann, Ihr fünfjähriger Sohn darf seine 5 Franken, die er pro Woche bekommt, nicht einfach ausgeben, sondern muss einen Teil investieren und spenden. Ist das nicht übertrieben?
Simone Hofmann: Ich finde es wichtig, zu vermitteln, dass Geld eine limitierte Ressource ist, die Wahlmöglichkeiten eröffnet. Er soll früh lernen, dass Geld nicht nur ausgegeben werden kann, sondern verschiedenen Zwecken dient. Durch Investieren lernt er, dass Geld vermehrt werden kann. Spenden symbolisieren die Dankbarkeit und er lernt so zu schätzen, was er hat. Er gibt so etwas an die zurück, die nicht so viel haben.

Haben Sie keine Angst, dass das zu kompliziert für einen Fünfjährigen sein könnte?
Nein, mein Sohn ist es sich bereits gewöhnt, bei «Eingang» sein Geld aufzuteilen. Das wird sich dann im späteren Leben auch nicht gross ändern. Ausserdem leben wir es ihm vor und reden mit ihm über die Vorteile des Aufteilens. Zudem werden Eltern irgendwann «uncool» und genau das unterstützt mein Argument früh mit den «Geldthemen» anzufangen, wenn Kinder noch zugänglicher sind.

Wie zeigt es sich, dass Ihr fünfjähriger Sohn bereits ein Gefühl fürs Geld entwickelt hat? Haben Sie ein Beispiel aus Ihrem Alltag?
Ich war mit ihm in einem Geschäft und er wollte sich unbedingt eine Spielzeugpistole kaufen. Ich sagte ihm, er solle es sich nochmals überlegen. Nach zwei Tagen bat er mich, nochmals ins Geschäft zu fahren, weil er sich die Pistole kaufen wolle. Er hatte seine Geldbörse dabei und griff direkt nach der grössten Pistole. Ich sagte ihm, wenn er die haben wollte, müsste er sein gesamtes Geld im Portemonnaie hier im Geschäft lassen. Er überlegte es sich und entschied sich für die kleinere, damit noch etwas übrig blieb. Er wolle nicht wieder bei Null anfangen. Im Auto fragte ich ihn dann, welche er genommen hätte, wenn ich bezahlt hätte. Die Grosse, antwortete er.

Nehmen wir an, der Plan geht auf. Wie viele Spardosen sind nötig, um Kindern einen guten Umgang mit Geld beizubringen?
Mindestens drei. Eine fürs Investieren, eine fürs Sparen und eine für Spenden. Dazu noch ein Portemonnaie für die Ausgaben – also eigentlich vier. Die Dosen orientieren sich an dem Buch «Rich Kid, Smart Kid» von Robert Kiyosaki. Dieses System deckt für mich alles ab, was einem guten Geldmanagement entspricht: Investieren bedeutet, sein Geld zu vermehren, Sparen steht für Wünsche und Spenden dafür, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Kleinere Kinder kriegen einmal pro Woche ihr Sackgeld und bei Jugendlichen finde ich es sinnvoll, monatlich einen Jugendlohn auszuzahlen.

Nach welchem Schlüssel sollen die Kinder ihr Geld denn aufteilen?
Ich empfehle die Aufteilung, angelehnt an die 50-30-20-Regel. Das bedeutet: 20% investieren, 30% sparen, 10% spenden, 40% ausgeben. Bei 5 Franken steckt mein Sohn 1 Franken in die Investieren-Dose, 1.50 Franken spart er auf ein Sparziel, zum Beispiel ein neues Lego-Set, 50 Rappen spendet er und 2 Franken bleiben zum Ausgeben.

Können Sie kurz das Prinzip des Jugendlohns erklären?
Es ist eine Mischung aus Ausgaben für «was brauche ich» und aus Ausgaben für «was möchte ich». Auch dieses Prinzip könnte um das Investieren erweitert werden. Und die 50-30-20-Regel passt auch hier gut: Bezahlen Eltern einen monatlichen Jugendlohn, dann wäre die Aufteilung 50% für Fixkosten (Brauchen: Handy, Coiffeur, Kleider, Essensgeld), 30% für Spass und Wünsche (Möchten: Kinobesuche mit Freund*innen, neues Handy, Reisen etc.), 20% für längerfristige Vorhaben und Investitionen in Aktien oder Ähnliches. Auch wenn das angelegte Geld noch von den Eltern verwaltet wird, sollten Kinder und Jugendliche verstehen, dass sie daran beteiligt sind.

Kaufen Sie ihrem Sohn aus der Investieren-Dose Aktien?
Wir überlegen uns, ihm eine Aktie einer bekannten Fastfood-Kette zu kaufen. Wir erklären ihm dabei, dass man dort nicht nur Chicken-Nuggets und Pommes kaufen kann, sondern eben mit einer Aktie auch einen kleinen Teil des Restaurants. Dies ist natürlich nur sinnbildlich gemeint. Ich finde es wichtig, dass man es gestalterisch vermittelt und eine Sprache wählt, die Kinder verstehen.

Wie schaffen es Eltern, sich in einem vollgepackten Familienalltag auch noch um Finanzanlagen für die Kinder zu kümmern?
Man muss sich da ein bisschen reinknien. Grundvoraussetzung ist, Wissen in diesen Themen aufzubauen. Youtube-Videos helfen dabei, aber auch Vergleichsportale. Wer Geld für seine Kinder anlegt, sollte dabei beachten, dass das Depot nicht auf den Namen des Kindes lautet, sondern auf die Eltern. Sonst geht das Geld automatisch am 18. Geburtstag ans Kind, was nicht immer gewünscht ist. Weiterhin gilt es am Ball zu bleiben, sollten sich Änderungen bei Bestimmungen, im Weltgeschehen oder Ähnlichem ergeben. Daher ist mein längerfristiges Ziel, dass mein Sohn so finanzfit wird, dass er jederzeit in der Lage ist, Finanzprodukte beurteilen zu können und gegebenenfalls auf Änderungen zu reagieren.

Wieso finden Sie Investieren ein so wichtiges Thema?
Wir werden nicht drum herumkommen, Eigenverantwortung zu übernehmen und unsere Altersvorsorge durch verschiedene Quellen abzusichern. Wenn wir nicht wollen, dass unser Nachwuchs im Alter in Lücken läuft, sollten wir uns zwingend mit dem Investieren beschäftigen. Ich bin der Meinung, dass unsere Kinder im Alter mehr Geld benötigen werden, als wir glauben. Ich würde mich da nicht ausschliesslich auf den Staat oder Institutionen verlassen wollen. Es ist unsere eigene Verantwortung, den Erhalt unseres Lebensstandards auch im Alter sicherzustellen.

Die meisten Eltern bezahlen nicht mehr in bar, wenn sie einkaufen. Wie sollen Kinder lernen, mit Geld umzugehen?
Man sollte bewusst Bargeld mitnehmen, wenn man mit den Kindern einkaufen geht. Auch der Besuch eines Flohmarkts kann ein gutes Training sein und dabei noch Spass machen. Es schadet auch uns Erwachsenen nicht, hin und wieder Geld in bar auszugeben. Eine Hunderter Nötli wegzugeben, trifft im Gehirn die Schmerzregion. Wir lernen damit Emotionen kennen, die ans Geldausgeben gekoppelt sind. Bei Kartenzahlungen tritt dieser Effekt nicht ein.

Interview: Claudia Jucker

Sponsored Content

Auch lesenswert