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Taschengeld

Über Geld spricht man doch!

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Auch wenn das Kind damit sofort zum Kiosk rennt und «chrömlet»: Sackgeld hilft, ein Gespür für Geld und Konsum zu entwickeln.

«Mama, kaufst du mir ein Heftli?» – «Darf ich die sauren Zungen haben?» – «Nie bekomme ich, was ich möchte!» Was am Kiosk oder im Supermarkt lockt, ist für Kinder verführerisch. Kein Wunder, sind ihre Wünsche zahlreich – und werden oft mit bewundernswerter Hartnäckigkeit geäussert. Mit einem «Nein» macht man sich selten beliebt und die Zugabe, «das kostet alles Geld», ist zwar korrekt, aber für Kinder erst verständlich, wenn sie selber mal mit leeren Taschen dastehen. Und dafür müssen sie erst mal welches haben.

Ein guter Grund also für das wöchentliche Taschengeld: Damit kann das Kind am besten lernen, was es heisst, zu planen, zu sparen, einzuteilen oder auch zu verzichten. Kommt dazu, dass das wöchentliche Sackgeld auch eine Entlastung für die Eltern sein kann. Das weiss Ursula Grimm-Hutter, Präsidentin der Budgetberatung Schweiz. «Ein Teil der Kinderwünsche kann mit dem Taschengeld abgedeckt werden», sagt sie. Zudem können die Eltern beobachten, ob sofort alles für Gummibärchen eingesetzt oder wenigstens ein Teil im Kässeli gehortet wird – und merken, wo allenfalls noch Nachhilfe nötig ist.

Es ist Zahltag, Mama!

Der optimale Zeitpunkt für den Sackgeldeinstieg ist dann, wenn das Kind anfängt, sich für den Wert des Geldes zu interessieren und zu rechnen. Daniel Jenal, Verantwortlicher für Konsum bei Pro Juventute, rät zu Sackgeld bereits ab der 1. Klasse. Genau wie bei den Eltern der Lohn soll auch das Sackgeld zu fixen Zeiten, regelmässig und unaufgefordert ausbezahlt werden. Bis in die 4. Klasse ist ein wöchentlicher Zahltag sinnvoll, ab der 5. Klasse soll das Kind mit einem monatlichen Zahlrhythmus lernen, sein Budget über eine längere Zeit einzuteilen.

Wer zahlt, befiehlt bekanntlich. Mit dem eigenen Geld soll das Kind jedoch eigenständig umgehen dürfen. Ausprobieren und Erfahrungen sammeln, lautet das Motto. «Eltern sollten nicht kontrollieren», sagt Ursula Grimm-Hutter, «beobachten aber schon.» Gerade bei Süssigkeiten ist Sackgeld ein gut regulierendes Mittel: Wer zu viel Zuckerzeug gekauft hat, kann sich sonst nichts mehr leisten. «Genau dadurch findet der gewünschte Lernprozess statt», sagt Daniel Jenal. In der Regel geht die Phase, während der das ganze Vermögen in Schleckereien investiert wird, nach einigen Wochen oder Monaten vorbei. Auch Jenal betont, dass Sackgeld an keinerlei Bedingungen und an keine Pflicht zur Rechenschaft geknüpft werden sollte. Allerdings sei es wertschätzend für ein Kind und gut für das Gefühl der Eltern, wenn diese hin und wieder fragen, ob es sich etwas Tolles gekauft hat.

Von Mindestlöhnen und Boni

«Wenn du nicht sofort dein Zimmer aufräumst, wird dein Taschengeld gestrichen!» Welche Eltern sind nicht schon in die Versuchung geraten, Sackgeld als Möglichkeit der Sanktion einzusetzen? Allerdings sind sich die Experten einig, dass es nicht von Leistungen im Haushalt abhängig gemacht werden sollte. Selbstverständliche Handreichungen wie Tisch decken, Haustiere pflegen oder Abfall entsorgen sollte das Kind auch ohne Zahltag erledigen. Für weitergehende Leistungen, zum Beispiel fürs Rasenmähen oder Autowaschen, darf aber durchaus auch mal ein zusätzlicher Bonus ausgehandelt werden.

Wenn ständig zu früh Ebbe herrscht im Portemonnaie, sind Unterstützung und Konsequenz beider Elternteile gefragt. Grimm-Hutter rät, in diesem Fall unbedingt nachzufragen, warum das Geld schon wieder aufgebraucht ist und aufzuzeigen, wie man das Sackgeld einteilen kann, dass es bis Ende Monat reicht. Allfällige Schulden – wenn der Teenager eigenmächtig ein teures Velo gegen Rechnung gekauft oder der Sohnemann die Handyrechnungen nicht wie vereinbart mit dem Sackgeld bezahlt hat – müssen und sollen von den Eltern nicht einfach übernommen werden. Wenn sie doch einmal aushelfen wollen, empfiehlt es sich, vorgängig einen genauen, eventuell sogar schriftlich vereinbarten Rückzahlungsmodus festzulegen. Von Vorschüssen hält Grimm-Hutter allerdings nicht viel. Und: Ab einem gewissen Alter dürfe durchaus erklärt werden, wie die Eltern zu Geld kommen und was sie alles bezahlen müssen. Die Vorbildfunktion sei wichtig.

Ökonomisches Spielfeld

Rund um den 12. Geburtstag entwächst nicht nur das Kind, sondern auch das Sackgeld allmählich den Kinderschuhen. Ab der Oberstufe kann deshalb ein erweitertes Sackgeld – ein sogenannter «Jugendlohn» – vereinbart werden. Der Betrag steht dann nicht mehr nur für «Unnötiges» zur Verfügung, sondern auch für Kleider, Schuhe, Velo, Fahrkosten, Freizeit, Eintritte usw. Die zusätzlich ausbezahlten Beträge richten sich nach Aufwand und dem Rahmen des Familienbudgets. Auch das Handy kann darin enthalten sein. Daniel Jenal empfiehlt ein Prepaid-Modell, bei dem das Handy mit einem fixen Betrag aufgeladen wird.

Mit Sackgeld allein wird natürlich kein Kind zum Finanzexperten. Ohne aber wohl auch nicht. Ursula Grimm-Hutter macht die Erfahrung, dass Kinder, die kein eigenes Geld haben, folgende Strategie anwenden. «Das Kind äussert seinen Wunsch bei den Eltern und dieser wird dann oft erfüllt.» Dies entspreche nicht der späteren Realität und es sei zu hoffen, dass diese Kinder gute Gene hätten. Auch Daniel Jenal hält Sackgeld für ein wichtiges Puzzlestück auf dem Weg hin zu einem bewussten Konsumverhalten. Einem Kind ohne die wöchentliche oder monatliche Limite fehle sonst das Praxis-Übungsfeld in der realen Welt. Geld darf kein Tabu sein in der Familie. Eltern sollen den Nachwuchs in alltägliche Kaufentscheidungen einbeziehen. Nur so können Kinder ein Gespür für die ökonomische Realität entwickeln.

Infos und Tipps rund ums Taschengeld

Die Budgetberatung Schweiz rät zu folgenden Beträgen:

  • Erstklässler: 1 Franken pro Woche, Zweitklässler: 2 Franken usw.
  • Ab der 5. und 6. Klasse: monatliche Auszahlung von 25 bis 30 Franken.
  • Im 7. und 8. Schuljahr: 30 bis 40 Franken pro Monat.
  • Im 9. und 10. Schuljahr: 40 bis 50 Franken
  • Ab dem 11. Schuljahr: zwischen 50 und 80 Franken.

Mit dem eigenen Geld berappen die Kinder Magazine, Süssigkeiten, Erfrischungsgetränke, Snacks oder mal einen Kinobesuch.

Eltern, die weitere Fragen zum Thema Sackgeld haben, finden bei der Budgetberatung Schweiz weiterführende Informationen oder können sich beim Eltern Club Schweiz von Pro Juventute via Telefon, Mail oder Chat Rat von Expertinnen und Experten einholen.

www.budgetberatung.ch
www.elternclubschweiz.ch

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