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Erziehung

Wie «Spielzeugfrei» funktioniert

Kindergärten schicken Spielzeug in die Ferien. Susanne Wasserfallen ist «Spielzeugfrei»-Expertin.

wir eltern: Das Protestgebrüll im Kindergarten muss gross sein, wenn Sie die Spielsachen in den Keller räumen!

Susanne Wasserfallen: Im Gegenteil! Die meisten Kinder freuen sich auf die spielzeugfreie Zeit. Einige wollen noch mal mit ihrem Lieblings-Spielzeug spielen. Anderen kann es nicht schnell genug gehen, bis alles weg ist. Es sind eher die Eltern, die sich an den Gedanken gewöhnen müssen. Deswegen braucht es auch eine gute Einführung ins Projekt.

Gibt es Gegenstände, die in den Spielzeugfrei-Wochen noch erlaubt sind?

Alles, was nicht direkt zum Spielen erfunden wurde oder keinen klaren Zweck hat. Den Kindern stehen etwa noch Seile, Tücher, Klämmerli, Stühle, Tische, Gestelle, Steine, Bretter, Körbe, Kisten zur Verfügung. Kinder sind kreativ und voller Fantasie. Wir empfehlen auch Stifte und Papier wegzuräumen– diese können aber für einen bestimmten Zweck – zum Beispiel Tickets für den Zirkus– zur Verfügung gestellt werden.

Ihr Buch «Wenn die Spielsachen in die Ferien fahren» haben Sie zusammen mit der Suchtprävention Aargau herausgegeben. Kann man sich an Spielsachen berauschen?

Mit einem Zwinkern – klar! Was gibt es Schöneres als sich im freien Spiel berauschen zu lassen. Doch wann haben Kinder noch genügend Zeit dazu?! Im spielzeugfreien Kindergarten erhalten sie dazu viel Raum und Zeit. Sie bestimmen selber, was sie spielen wollen. Unstrukturiertes Material soll sie dabei unterstützen. So werden Kommunikation, Fantasie, Konfliktfähigkeit, kritisches Denken und mehr gefördert, was alles suchtpräventiv wirkt.

Reizüberflutung herrscht mitunter auch daheim. Sollen Eltern auch dort Spielzeuge auf Zeit verschwinden lassen?

Es lohnt sich, darüber nachzudenken. Genauso wichtig finde ich jedoch die Einstellung der Erwachsenen gegenüber dem Spiel von Kindern. Die Zeit, die Kinder zur Verfügung haben zum Spielen oder sich auch einmal zu langweilen, hat sich in den letzten Jahren massiv verkürzt, dabei ist das Spiel der Entwicklungsmotor von Kindern.

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