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Osteopathie und Craniosacral-Therapie für Babys

Mit sanftem Griff

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Verdauungsstörungen, Schreien, Schiefhals: Osteopathie und Craniosacral-Therapie versprechen Hilfe. Sogar Schulmediziner sind angetan.

Alles habe sie versucht, um ihre schreiende Tochter zu beruhigen, sagt Carla Fankhauser. «Tragen, Schieben, Autofahren, Zimmer verdunkeln, bei den ersten Anzeichen von Müdigkeit ins Bett stecken; doch was ich auch tat, Lea brüllte weiter.» Obwohl sie laut dem behandelnden Kinderarzt kerngesund war. Als dieser sie schliesslich an einen Osteopathen verwies, war die 27-jährige Mutter «mehr als skeptisch».

Das Resultat der Behandlung bezeichnet sie allerdings bis heute als «ein Wunder». Der Therapeut habe Lea abgetastet und überall ein bisschen herumgeschoben. «So jedenfalls hat es für mich ausgesehen.» Nach der zweiten Behandlung wurde aus Lea «ein völlig normales Baby, das man mit Herumtragen fast immer beruhigen konnte», erzählt Carla Fankhauser.

«Wunder vollbringen können wir nicht», sagt die Zürcher Osteopathin Sandra Bartu bescheiden, «aber gerade bei Schreikindern erzielen wir sehr gute Erfolge.» Das hat sich auch in Internet-Foren herumgesprochen; dort liest man zum Thema Schreibaby immer wieder von Eltern, die gute Erfahrungen mit Osteopathie oder Craniosacral-Therapie gemacht haben und die Behandlung weiter empfehlen. Der Leiter der Schreisprechstunde an der Universitätskinderklinik beider Basel, René Glanzmann, sagt: «Wir hören immer wieder von erstaunlichen Ergebnissen.» Dass die Behandlungsformen nicht bei allen Kindern wirken, findet er klar: «Mit unseren Methoden können wir ebenfalls nicht allen Babys helfen.»

Nachfrage ist gestiegen

Auch in anderen Spitälern und Rehabilitationszentren zeigen sich die Ärzte zunehmend angetan von der sanften Behandlungsform. In der Neonatologie des Kinderspitals Zürich arbeiten Schulmediziner auf Wunsch der Eltern bereits seit einigen Jahren mit der Osteopathiepraxis von Sandra Bartu zusammen. Die Therapeutin hat nach einer allgemeinen Osteopathie-Ausbildung in Amerika eine Zusatzausbildung für die Behandlung von Kindern absolviert. Wer bei ihr einen Termin will, muss – sofern es sich nicht um einen Notfall handelt – in der Regel Monate warten.

Weil Osteopathie oft Erstaunliches bewirken kann, ist die Nachfrage deutlich gestiegen und die Zahl der Osteopathie-Therapeuten nimmt stetig zu. Doch wie funktionieren Osteopathie und die da - mit verwandte Behandlungsform, die Craniosacral-Therapie, überhaupt? Und worin unterscheiden sich die Methoden, die oft in einem Atemzug genannt werden?

Die Osteopathie ist Ende des 19. Jahrhunderts entstanden und wurde seither stetig weiter entwickelt. Die Craniosacral-Therapie hingegen bildete sich erst in den 70er-Jahren aus einem Teilbereich der Osteopathie, der cranialen Osteopathie. Die Therapie gilt heute als von der Osteopathie losgelöste Therapieform; das zeigt sich auch in der Ausbildung, die wesentlich kürzer ist als die der Osteopathen.

Behandlungsform aus den USA

Der Begründer der Osteopathie, der Amerikaner Andrew Taylor Still, ging davon aus, dass der ganze Körper in steter Veränderung, dass «Leben an sich Bewegung ist». Nicht nur Knochen und Muskeln, sondern Weichteile, Nervenbahnen und Organe sind konstant in Wandlung, miteinander verbunden durch Bindegewebe. Bewegungseinschränkungen, die durch Verletzungen oder Krankheiten entstehen, übertragen sich nach osteopathischer Auffassung oft auf andere Körperteile, denn der Mensch ist eine Einheit. Ein Beispiel: Verdauungsprobleme können Ausdruck einer Blockade der Nackenwirbel sein. Die Behandlung verläuft deshalb bei jedem Patienten individuell. Griffe, die bei einem Schreibaby zur gewünschten Entspannung führen, würden die Symptome bei einem anderen vielleicht eher verschlimmern.

Doch wie merkt der Therapeut, was der Patient braucht? «Als Osteopathin spüre ich genau, wo Flüssigkeiten stagnieren oder das Gewebe Spannung erzeugt», sagt Sandra Bartu, «mit speziellen Griffen versuche ich, die Beweglichkeit wieder herzustellen.» Gleichzeitig aktiviert sie während einer Behandlung Nervenbahnen und Durchblutung – mit dem Ziel, die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen. Osteopathen arbeiten am ganzen Körper, während sich Craniosacral- Therapeuten auf die Behandlung des Schädels und des Kreuzbeins beschränken und vor allem mit dem sogenannten Craniosacral-Rhythmus arbeiten: eine rhythmische Bewegung der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit, die im ganzen Körper spürbar sein soll.

Keinen wissenschaftlichen Nachweis

Beiden Therapieformen gemeinsam ist, dass es für ihre Wirkungsweise keinen wissenschaftlichen Nachweis gibt. Weil bei beiden Methoden ausschliesslich mit den Händen behandelt wird, hört man dafür auch immer wieder den Ausdruck «Handauflegen». Heilend wirken allerdings weniger die Hände, sondern die Art, wie sie am Körper des Patienten arbeiten.

Eine Sitzung dauert jeweils rund eine Stunde, bei Kindern eher eine halbe. Während der Therapie, die in der Regel aus wenigen Sitzungen besteht, kommen das Umfeld eines Patienten und seine Gewohnheiten, sein Ernährungs- und Schlafverhalten zur Sprache; thematisiert werden auch Stresssymptome oder Entlastungsmöglichkeiten. Denn: Die Osteopathie basiert auf dem Wissen, dass der Mensch eine Einheit ist.

Links

www.occzuerich.ch

www.osteopathes-suisses.ch

www.craniosuisse.ch

Hier Helfen Osteoparthie und Craniosacral-Therapie

  • bei unerklärlichem Schreien
  • generell nach schwierigen langen Geburten oder einem Kaiserschnitt
  • bei Schlafstörungen aller Art
  • bei Verstopfung und Verdauungsproblemen
  • bei Bettnässen
  • bei Augen- und Ohrenproblemen
  • bei Schluckstörungen (Reflux-Kinder)
  • als Ergänzung zur schulmedizinischen Behandlung bei schweren Erkrankungen oder Zahnstellungskorrekturen
  • nach Unfällen (mit Schleudertrauma)
  • bei chronischen Rückenschmerzen
  • bei Kopfschmerzen ohne körperliche Ursache

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