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Medienerziehung: Kindersendungen im Test

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Unsere Autorin hat mit ihren beiden Töchtern Lily und Mia (5- und 7-jährig) die gängigsten Kindersendungen bewertet. Das Ergebnis.

Natürlich gibt es sie noch, die Kinder, die niemals Fernsehen gucken und entgeistert vom Besuch ihres Gschpänlis zurückkehren, mit wilden Geschichten von sprechenden Schwämmen auf dem Meeresgrund. Viele Kinder wachsen aber anders auf und schauen durchaus ab und an «pädagogisch Wertvolles» und auch Schrott. So sieht die Bewertung der Autorin und ihrer beiden Töchter einiger bekannter Kindersendungen aus:

«SpongeBob»

Zeichentrickserie, USA

Handlung SpongeBob, ein knallgelber Meeresschwamm mit schrecklich nerviger Stimme, treibt mit seinen Freunden Patrick, Mister Krabs und Thaddäus und Sandy in «Bikini Bottom» allerlei Unfug.

Altersklasse ca. 4 bis 12 Jahre

Die Mutter meint «Es erstaunt mich nicht, dass ‹SpongeBob› auch bei kiffenden Studenten sehr beliebt ist: Die schnellen Bildwechsel und die versteckten Witze, die nur Erwachsene raushören können, lassen mich schon fast über die manchmal etwas bescheuerte Story hinwegschauen. Trotzdem finde ich keinen triftigen Grund, weder von der Sprache her noch in Sachen ‹Prügelpotenzial›, der gegen den Schwamm spricht.»

Die Kinder meinen «Ich möchte einmal SpongeBob heiraten!» (Lily) «Meine Lieblingssendung! Und irgendwie läuft er immer, wenn ich Fernsehen gucken will.» (Mia)

Unterhaltungsfaktor: 6 Lernfaktor: 1 Nervfaktor: 10 Stillsitzfaktor: 10 «Schlechtes-Gewissen-OMeter»: 8

«Coco der neugierige Affe»

Zeichentrickserie, USA

Handlung Coco, ein äusserst neugieriger junger Schimpanse, versucht wirklich, brav zu sein – doch er stellt seinen gutmütigen Besitzer, den Mann mit dem grossen gelben Hut, immer wieder vor neue, unmögliche Situationen.

Altersklasse 3 bis 6 Jahre

Die Mutter meint «Ich wünsche, ich könnte mir ein Stück abschneiden beim unheimlich geduldigen (leicht resignierten) Coco-Besitzer Ted. Wunderschöne ‹heile Welt›-Geschichten, die ich schon als Kind in Buchform geliebt habe, und die trotzdem nicht bieder sind. Was ich aber richtig wunderbar daran finde, ist, wie herzhaft Lily dabei lacht.»

Die Kinder meinen «Coco macht immer Blödsinn, das finde ich super!» (Lily) «Als Bruder würde er nerven.» (Mia)

Unterhaltungsfaktor: 8 Lernfaktor: 4 Nervfaktor: 0 Stillsitzfaktor: 9 «Schlechtes-Gewissen-OMeter»: 0

«George, der aus dem Dschungel kam»

Zeichentrickserie, USA

Handlung George, ein netter, aber in Sachen Intelligenz nicht reich beschenkter Muskelprotz, der bei Affen aufgewachsen ist, findet menschliche Freunde und beschützt seine tierischen vor Feinden aller Art.

Altersklasse 4 bis 10 Jahre

Die Mutter meint «Ich möchte es gar nicht, muss aber richtig oft lachen bei dieser Serie, weil mich George an einen Mister-Schweiz-Kandidaten erinnert: gross, schön und sehr darum bemüht, gut anzukommen. Und trotzdem total doof. Ich oute mich: Ich mag den Humor!»

Die Kinder meinen «Mir gefällt, dass der George so balla balla ist.» (Lily). «Im Dschungel ist extrem viel los und George hat sehr viele Freunde, was ich schön finde.» (Mia)

Unterhaltungsfaktor: 10 Lernfaktor: 3 Nervfaktor: 7 Stillsitzfaktor: 9 «Schlechtes-Gewissen-OMeter»: 8

«Disney’s Hannah Montana»

Sitcom, USA

Handlung Teenie-Idol Miley Cyrus ist Hannah Montana: Tagsüber ein normales Mädchen, das die Schulbank drückt, abends ein Pop-Superstar. In der Serie verfolgen wir, wie sie das alles unter einen Hut bringt – mithilfe ihres Papis Billy Ray Cyrus, seines Zeichens im echten Leben Countrystar.

Altersklasse 8 bis 14 Jahre

Die Mutter meint «Eigentlich finde ich die Serie ganz lustig, auch wenn ich das divaeske, übertriebene Getue von Miley Cyrus etwas bedenklich finde. Aber ich glaube, die meisten Witze verstehen die Mädchen sowieso noch nicht, und ihre Lieder kann man durchaus aushalten.»

Die Kinder meinen «Ich weiss nicht, was Mami hat – ich verstehe fast alle Witze. Ausser denen, die ich nicht verstehe. Aber ich wäre auch gerne Popstar. Oder Kleinkinderzieherin.» (Mia) «Ich finde Hannah Montana total doof! Und dann singt sie immer! Da muss man glaub ich 16 sein, um das cool zu finden.» (Lily)

Unterhaltungsfaktor: 7 Lernfaktor: 0 Nervfaktor: 7 Stillsitzfaktor: 6 «Schlechtes-Gewissen-OMeter»: 8

«Franklin, eine Schildkröte erobert die Welt»

Zeichentrickserie (CAN)

Handlung Franklin, ein Schildkrötenjunge mit überaus fürsorglichen Eltern, will es all seinen Freunden in Wald und Wiese recht machen und lernt dabei schaurig, schaurig viel.

Altersklasse 3 bis 6 Jahre

Die Mutter meint «Ich bin schockiert, dass Mia die Titelmelodie mitsingen kann – dabei hat sie Franklin bestimmt drei Jahre nicht mehr geguckt. Der Moral-Zeigefinger ist etwas zu deutlich für meinen Geschmack und Franklin ist die Art Streberkind, das mich nerven würde.»

Die Kinder meinen «Dort gibt es extrem viele Bäume. Können wir auch mal irgendwo hin, wo es so viele Bäume gibt, Mami?» (Lily) «Franklin ist zwar für viel Kleinere, aber das ist für mich okay.» (Mia)

Unterhaltungsfaktor: 1 Lernfaktor: 6 Nervfaktor: 5 Stillsitzfaktor: 7 «Schlechtes-Gewissen-OMeter»: 0 (ausser, wenn Lily nach Bäumen fragt – dann 10)

«Heidi»

Zeichentrickserie JAP/D

Handlung Das berühmteste Waisenkind der Schweizer Literaturgeschichte trippelt beim Grossvater über Blumenwiesen, spielt mit Peters Hund Josef, freundet sich mit Klara an und sorgt noch heute, fast 30 Jahre nach der Erstausstrahlung, noch immer für glückliche Kinder vor dem TV.

Altersklasse 4 bis 10 Jahre

Die Mutter meint «Ich finde die Serie etwas langatmig, auch die Mädchen zappeln herum. Hat Heidi eigentlich schon immer auf Knopfdruck zu heulen angefangen? Dafür ist das Bild wunderschön restauriert worden und sieht in HD-Qualität hinreissend aus. Warnung: Der Titelsong ist auch immer noch ein äusserst anhänglicher Ohrwurm!»

Die Kinder meinen «Heidi wohnt doch in der Schweiz, oder? Warum spricht sie dann Hochdüütsch?» (Lily) «Ich will auch eine Baby-Geiss als Haustier. Und möchte auch immer barfuss herumlaufen dürfen!» (Mia)

Unterhaltungsfaktor: 7 Lernfaktor: 0 Nervfaktor: 4 Stillsitzfaktor: 5 «Schlechtes-Gewissen-OMeter»: 2

«Sesamstrasse»

Lern- und Unterhaltungsshow, D/USA

Handlung «Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum?» Der Titelsong bringt es auf den Punkt: Samson, Finchen, Bibo und ihre menschlichen Freunde zeigen an der Sesamstrasse alles, was jüngere Kinder interessieren könnte. Wenn nur jedes Monster ein Krümelmonster wäre!

Altersklasse 2 bis 6 Jahre

Die Mutter meint «Der Nostalgiefaktor ist hoch. Ich finde die Sendung nach wie vor süss, doch Mia und Lily sind offensichtlich schon zu alt dafür. Ich mag die seltsamen Akzente und Dialekte, die die verschiedenen Puppen haben, und bin höchst amüsiert, dass der Schauspieler, der Bibo, den grossen gelben Vogel spricht, doch tatsächlich auch die Synchronstimme von Woody Allen ist!»

Die Kinder meinen «Sesamstrasse ist für die Kinder super, die sich sonst vor allem fürchten – da gibt es nie etwas ‹Gfürchigs›». (Lily) Und Mia, etwas gelangweilt: «Ernie und Bert müssen Brüder sein, so viel wie die sich streiten ...»

Unterhaltungsfaktor: 8 Lernfaktor: 9 Nervfaktor: 6 Stillsitzfaktor: 4 «Schlechtes-Gewissen-OMeter»: 0

«1, 2 oder 3?»

Quizshow, D

Handlung Das Urgestein der Kinder-Quizshows (seit 1977!) schafft es dank interessanter Fragen und aufwendig produzierter, spannender Einspielungen nach wie vor, Kinder zu unterhalten und ihnen gleichzeitig etwas beizubringen. Und ja, hin und her gehüpft wird immer noch!

Altersklasse 6 bis 10 Jahre

Die Mutter meint «Erstaunlich! Ich habe die Sendung seit bestimmt 20 Jahren nicht mehr geschaut und fand sie richtig spannend! Tolle Fragen, süsser Moderator und frei vom moralischen Mahnfinger, der sonst bei ‹Lernsendungen› mitschwingt.»

Die Kinder meinen «Die Fragen sind ein bisschen schwierig, aber ein paar davon hatte ich richtig. Man kann etwas lernen, zum Beispiel, dass fleischfressende Pflanzen keine Menschen essen.» (Mia) «Ein bisschen langweilig. Die Kinder sind nie dorthin gesprungen, wo ich gestanden hätte und das macht mich wütend. Dafür mag ich die Filme über die verschiedenen Länder.»(Lily)

Unterhaltungsfaktor: 10 Lernfaktor: 10 Nervfaktor: 2 Stillsitzfaktor: 9 «Schlechtes-Gewissen-OMeter»: 0


Tipps und Links

Eine interessante Homepage, die kritisch und trotzdem offen mit dem Thema «Kinder und Medienkonsum» umgeht. Mit tollen Programmtipps, Artikeln und einer Suchfunktion für altersgerechte Shows auf acht deutschen TV-Sendern.

Wer bereits weiss, was er – beziehungsweise seine Kinder – schauen will, findet hier die besten Inhaltsangaben und übersichtlichste Programmvorschau im Netz.

  • Videoportale

Fernsehen ist längst nicht mehr auf das Fernsehgerät beschränkt. Einige Sender bieten bereits toll ausgebaute Videokanäle über ihre Homepages an, auf denen Sendungen auf dem PC geschaut werden können – in voller Länge und dann, wenn es Ihnen und Ihren Kindern zeitlich passt. Auf dem Videoportal des Schweizer Fernsehens (www.videoportal.sf.tv) gibt es unter anderem «Fünf Freunde für alle Fälle» und «Wickie und die starken Männer» zum Abspielen, auf www.nick.ch können «Cosmo & Wanda» oder «Die Pinguine» geschaut werden – allerdings immer erst nach einer eingespielten Werbung. Und auf www.tivi.de, der Homepage des Kinder-ZDF, gibt es informative Sendungen wie «1,2 oder 3?», «Löwenzahn» oder «Logo!» (Kindernachrichten) auf Abruf.

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