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Elternkolumne

In welchem Alter soll man Vater werden?

Kai Bösel war nie der Jüngste am Elternabend. Der Blogger erklärt uns die Vorteile reifer Papas und weshalb das Alter trotzdem keine Rolle spielt.

Für mich stand schon als kleiner Bengel fest: Ich werde selbst mal eine grosse Familie mit vielen Kindern haben. Mit zwei Brüdern war bei uns immer Remmidemmi, Einzelkinder habe ich bemitleidet. Mir kam es schrecklich langweilig vor, nur mit den Eltern zusammen zu sein und sich im Urlaub fremde Kinder als Spielkameraden zu organisieren. Mittlerweile sehe ich das anders…

Mit dem Vaterwerden wollte ich auch gar nicht lange warten, denn alte Eltern erschienen mir ebenfalls exotisch. Gebrechliche Väter, die es wegen der Gelenke nicht mehr auf den Spielteppich schaffen, und Mütter, die ihre Kinder massregeln statt umarmen – das war dieser alte Schlag Eltern, zu dem ich niemals zählen wollte. Aber das Schicksal hielt etwas anderes für mich bereit: Als ich meine heutige Frau kennenlernte, hatte sie bereits zwei Kinder im Grundschulalter und ihre Familienplanung war eigentlich abgeschlossen. Es dauerte viele Jahre, bis die Entscheidung zu einem weiteren gemeinsamen Kind reifte, und wir hatten beide die 40 überschritten, als unsere Tochter geboren wurde.

Ich war damit zwar kein uralter Vater wie Richard Gere, der mit 70 noch mal Nachwuchs bekommen hat. Oder wie Anthony Quinn, der mit 81 noch ein Kind zeugte. Trotzdem hob ich den Altersschnitt bei den KiTa-Elternabenden an. Für mich fühlte es sich aber nach dem perfekten Papa-Alter an. Junge Männer, die Väter werden, hadern nicht nur oft mit der Verantwortung und den Veränderungen der Beziehung zu ihrer Partnerin. Sie betreten auch ein Minenfeld aus vollen Windeln, Legosteinen und reichlich schwierigen Entscheidungen, denen sie sich noch nicht gewachsen fühlen.

Junge Väter sind beruflich in der Findungsphase. Von ihnen wird Einsatz im Job und Flexibilität erwartet. Der berufliche Ehrgeiz und die leere Haushaltskasse werden als Grund angeführt, die Priorität jetzt noch nicht in Richtung Vaterrolle zu verschieben. Wenn die Finanzen instabil und die Beziehung nicht krisensicher sind, wird ein Kind zur Herausforderung für das junge Paar. Denn nur selten plant man bewusst für die Zeit zu dritt. Wenn Wünsche und Vorstellungen auseinanderdriften, droht Gefahr.

Oft sind die Ansprüche aber auch egoistischer Natur. Der Wunsch nach «me time» und Selbstverwirklichung ist bei Teens ausgeprägter als bei älteren Exemplaren. Zeit für das eigene Hobby, einen Drink mit Kumpels oder Ausschlafen nach einem Partyabend sind wichtige Features des Lebens. Da passt ein kleiner Stöpsel, der alle paar Stunden um Aufmerksamkeit buhlt, nicht in den Tagesablauf.

Sicherlich hat so ein Jungspund auch einige Punkte auf der Habenseite: Körperliche Fitness und Jugendlichkeit helfen bei der Bewältigung kurzer Nächte und dem energetischen Support der Mama.

Für mich war 40 genau das richtige Alter für das eigene Kind. Unsere «Grossen» haben uns abgehärtet und wir konnten mit den Herausforderungen gelassen umgehen. Wir sind körperlich fit, fahren zusammen Rad und gehen ins Schwimmbad. In den Urlaub geht es mit dem Camper statt in den All-inclusive-Club. Und den Babybrei haben wir täglich frisch dampfgegart. Meine Frau und ich haben uns zur Geburt darauf verständigt, uns die Betreuung zu teilen. Das tun wir bis heute. Und ich habe es noch keine Minute bereut. Mit 25 hätte ich mich damit schwergetan.

Es gibt nicht das perfekte Alter zum Papawerden. Vielmehr geht es um das Ausfüllen der Vaterrolle. Nicht wenige sind immer noch der Meinung, die Erziehung gehöre in Mamas Hände und der Papa hätte hauptsächlich die Aufgabe, die Haushaltskasse zu füllen. Wir trommeln schon lange dafür, dieses antiquierte Denkmuster abzuschütteln und ein anderes Vaterbild zu etablieren. Nämlich den Papa, der Job und Familie gleichberechtigt mit dem/ der Partner* in aufteilt und für seine Kinder genauso präsent ist wie die Mama oder der andere Papa. Und dabei spielt das Alter des Papas keine Rolle.

Diese Kolumne erschien zuerst in «wir eltern», Ausgabe 10/21.

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