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Einseitige Kinderliebe

«Ich hab nur den Papa lieb»

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Papakinder und Mamakinder kennt jeder. Woher kommt diese Vorliebe für einen Elternteil und wie geht man damit um?

Viele Paare buhlen um die Gunst des Nachwuchses – und das nicht erst, wenns ums Sorgerecht geht. Trotzdem wird über die Konkurrenz unter Eltern, Eifersucht zwischen Mama und Papa nur selten gesprochen. Neben der aufkommenden Eifersucht kommt auch die Befürchtung dazu, das Kind möge den anderen zu Recht lieber.

Spielen und Vertrauen sind entscheidend

Für die Zuneigung von Kindern zu ihren Eltern sind, laut Bindungsforschung, zwei Dimensionen entscheidend: Spieldimension und Vertrauensdimension. Die erstere wird häufig besonders von Vätern bedient, so amerikanische/kanadische Studien von Allen Russel oder Andrea Doucet. Die Väter machen mehr Quatsch mit ihren Kindern, spielen wilder, muten überblickbare Gefahren zu und betreiben häufiger Sport mit ihren Jungen und Mädchen.

Entscheidend dafür, ob ein Kind eher ein Mama- oder Papa- oder ein ausgewogenes Mama-Papa-Kind wird, ist jedoch vor allem die zweite Dimension: das Vertrauen.

Feingefühl und soziale Kompetenz sind gefragt

«Der Sohn oder die Tochter wird dem Elternteil näher stehen, der seine ganz persönlichen emotionalen Bedürfnisse richtiger erkennt und angemessener darauf reagiert», sagt Wassilios Fthenakis, Professor für Entwicklungspsychologie und Anthropologie an der Freien Universität Bozen. Der bessere Draht entwickle sich zu dem Part, der feinfühliger und sozial kompetenter sei.

Was das Verhältnis stark prägt, sind kleine spezielle Momente. So sprechen in Ute K. Seggelkes Buch «Vatertöchter – Müttertöchter»* alle Interviewten von innig geteilten Augenblicken, die mitentscheidend waren für die besondere Beziehung zu Vater oder Mutter.

Was Sie tun können, wenn Sie eine kleine Schieflage feststellen:

  • Gönnen können – nicht persönlich nehmen.
  • Mit der Partnerin oder dem Partner über seine Beobachtung sprechen.
  • Dem Kind signalisieren, dass man auch als momentane Nummer zwei erreichbar bleibt.
  • Nicht anbiedern und um die Gunst des Kindes buhlen, sich aber vielleicht dennoch fragen, ob man in letzter Zeit zu grantig war.
  • Sich auf keinen Fall beleidigt zurückziehen und immer wieder schnippisch auf den angehimmelten Papa oder die geliebte Mama verweisen.

Ute Karen Seggelke: «Vatertöchter – Muttertöchter», Gerstenberg, Fr. 49.50

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