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Gute Väter, schlechte Väter

Väter, nehmt euch Zeit!

Sind Väter mit Vollzeitjob automatisch abwesende Väter? Das möchte ich aus Erfahrung vehement verneinen.

Immer wieder taucht die Frage auf: Muss ein Vater seine Stellenprozente reduzieren, um ein guter Vater zu sein? Die heutigen Diskurse unter Freunden, in den Medien und der Politik scheinen sie mit «Ja» zu beantworten. Mindestens ein «Papitag» (unsägliches Wort!) müsse sein, um eine gute Vater-Kind-Beziehung aufzubauen.

Als Tochter eines viel reisenden Geschäftsmannes (Mama war bis ich 13 war Hausfrau) in den 80igern, muss ich da entschieden widersprechen. Einen «Papitag» gab es nicht, mein Vater war manchmal 2 Wochen am Stück verreist und auch sonst nur abends und am Wochenende zu Hause. Unsere Beziehung über die Jahre? Spitze! Ich war und bin eine Papitochter und daran haben seine vielen Abwesenheiten nichts geändert. Denn wenn er da war, war er da. Für mich, für die Familie. Wir unternahmen viel, redeten noch mehr und er hat mich in jeder Hinsicht sehr geprägt. Als Vater, als Mann, als Vorbild.

Nun, für mich als Mutter sieht die Sache natürlich etwas anders aus. Denn ich habe schlicht keine Lust, den gesamten Haushalt und die Organisation inklusive Kinderbetreuung alleine zu stemmen. Deshalb wäre eine Teilzeitstelle meines Mannes sehr willkommen. Hat es auch schon gegeben in den 13 Jahren die wir Eltern sind. Wie auch Arbeitslosigkeit, Selbständigkeit und Vollzeit-Job. Wir hatten schon so ziemlich jedes Modell. Ich Hausfrau, er 100% Job. Er Teilzeit, ich Teilzeit. Er Hausmann, ich 100% Job. Heute arbeite ich 80-90%, er 100% mit mindestens einem Tag Home Office. Ist zur Zeit perfekt. Als Eltern muss man bekanntlich flexibel bleiben...

Das Argument der Mütter ist ja oft, dass Papa eben auch mal sehen soll, was der Alltag mit Kindern bedeutet. Für die Kinder kochen («Hani nöd gäärn!»), putzen, Wäsche waschen, Kindergeburtstag organisieren undundund. Aber es gibt keinen Grund, dass ein Vollzeit arbeitender Vater nicht auch mal abends eine Wäsche anwirft, auf dem Heimweg einkauft oder der Kindergeburtstag an einem Samstag stattfindet.

Das Problem ist unsere Schweizer Einstellung zum Begriff «Alltag». Denn, was heisst genau Alltag? In der Schweiz: Die Kinder kommen mittags nach Hause, jemand bekocht sie und je nach Alter sollen sie bitteschön nachmittags auch noch bespasst werden. Eltern-Alltag in der Schweiz.

Anderswo ist Alltag eben nicht = zu Hause sein. Alltag in Frankreich bspw. bedeutet: Kids in der Schule oder Kita, Eltern bei der Arbeit. Man sieht sich zum Frühstück (wenn das geht) und abends beim Abendessen wieder. Und natürlich am Wochenende. Haben nun all diese Kinder eine schlechte Beziehung zu Vater UND Mutter? Wohl kaum.

Obwohl ich das andere Unwort im Zusammenhang mit Elternschaft, nämlich «Quality-Time» gerne vermieden hätte, komme ich nicht drum rum, es hier zu verwenden. Denn wir (wie auch mein Vater damals), geniessen die Freizeit mit den Kids. Beim Frühstück, Abendessen, Freunde besuchen, Badi, Ausflüge, Reisen, gaanz viele Reisen... Der Alltag bewegt sich bei uns zwischen Schule, Tagesschule, Nonna (unsere Stütze in so vielen Bereichen), Jobs und zu Hause. Aber letzteres bestimmt den Alltag keineswegs alleine. Entsprechend haben unsere Kinder diverse Bezugspersonen und sind nicht auf uns fixiert. Und schon gar nicht auf mich.

Mein Fazit: Wer kann und will, soll unbedingt Teilzeit arbeiten (egal ob Mütter oder Väter), wenn das die einzige Möglichkeit scheint, Alltag mit den Kids zu haben und sich die Hausarbeit zu teilen. Aber, liebe Eltern (und eben nicht nur Väter), wenn das nicht geht, weil der Chef nicht will oder es der Job nicht erlaubt: Macht euch keinen Kopf! Ihr seid für eure Kinder dennoch gute Eltern! Sofern ihr euch dann eben in der Freizeit auch wirklich mal mit ihnen beschäftigt und euch die Aufgaben mit euren Partnern teilt. Ich spreche heute noch fast täglich mit meinem Vater und das, obwohl er am anderen Ende der Welt lebt. Oder anders gesagt: Es kommt alles gut.


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