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Patenamt

Götti – Ehrenamt mit Tücken

Patenschaft: Ein Geschenk fürs Leben.

Das Patenamt ist nicht nur Ehre. Die Ansprüche der Eltern sind hoch und das Amt stellt viele Paten unter Druck. Was tun?

Seit wann gibt es den Götti und die Gotte?

Bereits bei Hyppolit zu Beginn des 2. Jahrhunderts findet sich die Formulierung: «Das sind diejenigen, die die Täuflinge heranbringen.» Der Pate musste für den Täufling bürgen und ihn in den Taufvorbereitungen begleiten. Ursprünglich wurden vor allem Erwachsene getauft. Waren es Kinder, so wurden sie meistens von den Eltern selber zur Taufe geführt, sodass man nur bei Waisen, Sklaven und Findelkindern extra Paten hatte. Seit dem 5. Jahrhundert wurden die Eltern zunehmend von Paten abgelöst. Als die Kindertaufe aufkam, lag die Mutter zum Zeitpunkt der Taufe meist noch im Wochenbett. Deshalb sagt man von der Gotte, sie sei diejenige, die das Kind «aus der Taufe gehoben» habe.

Was sollen Paten schenken?

Früher schenkte der Götti erst Silberlöffel, dann Silbergabel, Silbermesser. Und begann dann wieder von vorn, über Jahrzehnte. Der Überraschungseffekt hielt sich in Grenzen, doch das Geschenk war zugegebenermassen sinn- und wertvoll. Heute haben Spielsachen oder Geld das Besteck abgelöst, und damit neue Fragen ausgelöst. Wie viel darf ein Weihnachtsgeschenk kosten? Ist ein Nötli zu billig? Ein Telefon mit den Eltern ist immer noch der sicherste Weg, dass die Überraschung glückt: Sie wissen am besten, ob das Kind am liebsten den 50. Plüschhasen unter dem Christbaum sieht, oder eher das neuste Gefährt von Lego. Für ältere Kinder und Jugendliche ist das Geldcouvert durchaus sinnvoll. Oft haben sie gar nicht so viele Wünsche, wie sie schenkfreudige Onkel, Grossmütter und Paten besitzen. Dafür merken sie zwei Monate nach dem Geburtstag, dass sie dringend ein Waveboard bräuchten. Und: Zu billig ist ein Geschenk nur, wenn sich selbst unmaterialistisch veranlagte Eltern fragen: «Ist das Kind dem Götti nicht mehr wert?» Solche Fragen aber stellt man sich erst, wenn die Paten auch sonst einen desinteressierten Eindruck machen. Überhaupt: Zeit ist Geld. Für Gotte und Götti sogar mehr als Geld: Ein Weekend mit Ausflug in den Kletterpark schenkt dem Kind eine Erinnerung, die das ganze Leben hält.

Braucht das Gotti auch ein «Christchindli»?

Es ist Brauch, dass das Kind dem Götti und der Gotte etwas bastelt. Die mit Federn beklebte Eierschachtel ist als Zeichen zu werten, dass man einem Kind wichtig ist. Ideal wäre allerdings, wenn das Kind das Geschenk machen wollte und nicht musste. Wichtig ist dabei die Haltung der Eltern: Erheben sie das Göttigeschenk zur Pflicht, verleidet es dem Kind für alle Ewigkeiten, andere zu beschenken. Bringen Eltern einem Kind bei, dass es mit einem Geschenk seine Wertschätzung ausdrücken kann, ist das eine Lektion fürs Leben, die erst noch die Beziehung zwischen Paten und Kind fördert.

Welche Pflichten haben Taufpaten?

Beschönigen wir nichts: Hauptpflicht ist heute in erster Linie das Beschenken des Göttikindes. Bei einer Taufe verpflichten sich Götti und Gotte zudem ausdrücklich, sich um eine christliche Erziehung des Kindes zu bemühen. Früher gehörte zu den moralischen Pflichten ausserdem, dass man bereit war einzuspringen, wenn den Eltern etwas zustossen sollte. Beides ist in unserer säkularen Gesellschaft obsolet geworden. Heute sorgt die Vormundschaftsbehörde für einen idealen Elternersatz. Dennoch nehmen Schweizer Patentanten- und Onkel ihr Amt sehr ernst: Über die Hälfte der Gotten und Göttis im Land verbindet damit Aufgaben, wie die Eltern zu entlasten oder dem Kind beratend zur Seite zu stehen. Das hat dieses Jahr eine Studie des Marktforschungsinstitut gfs herausgefunden. Immerhin 15 Prozent wären bereit, ihr Gottenkind aufzuziehen, wenn dessen Eltern sterben sollten.

Haben sie auch Rechte?

Rechte haben sie keine, weder nach kirchlichem noch weltlichem Recht. Ein gewisses Recht, am Leben des Göttikindes teilzuhaben, ist für das Amt allerdings nötig.

Wann beginnt und wann endet das Engagement?

Die Taufe steht traditionellerweise am Anfang der Patenschaft, die Konfirmation wird als Abschluss betrachtet: Die Paten machen nochmals ein grösseres Geschenk – eine gute Uhr zum Beispiel. In der katholischen Kirche wird die Firmung zwar als Erneuerung des Taufversprechens beschrieben, doch ist man sich allgemein einig: Die Schenkerei endet spätestens mit 20 Jahren. Die Nähe zur Gotte oder zum Götti hält im besten Fall ein Leben lang.

Darf ein Götti den Geburtstag vergessen?

Nein, natürlich nicht. Geburtstage kann übrigens nur vergessen, wer nicht dazu eingeladen wird.

Wann ist ein Gotti ein gutes Gotti?

Fragt man im Freundeskreis herum, so sind sich theoretisch alle einig: Patente Paten sind nicht blosse Geschenklieferanten, sondern nehmen sich auch Zeit für das Kind und interessieren sich für seine Anliegen und seine Person. Doch in der Praxis machen viele Paten die gleiche Erfahrung: Sie scheitern an ihren Ansprüchen kläglich und der Name des Gottenkindes taucht bloss zweimal in der Agenda auf. Am Geburtstag und vor Weihnachten. Das schlechte Gewissen dafür umso häufiger. Nur: «Auch wenn der Götti nur zweimal im Jahr erscheint, kann das für das Kind schön sein», so Röthlisberger von Pro Juventute. «Dass er es tut und dass sich das Kind darauf verlassen kann, ist wichtig.» Ausserdem: Wo ein schlechtes Gewissen ist, gibt es meist auch Ansprüche und Vorstellungen. Und die sollte man vor der Amtsantretung mit den Eltern geklärt haben. Schliesslich will nicht jeder zweimal pro Monat in den Zoo, nur weil die Eltern das «schön fänden für ihre Tochter».

Können auch ungetaufte Kinder Götti und Gotte haben?

Ja, das findet sogar der katholische Pfarrer. Ein Götti ist nicht einfach ein Götti, sondern immer «mein Götti», etwas ganz Exklusives. Und Kinder wissen das zu schätzen. Paten sind wichtig als zusätzliche erwachsene Bezugspersonen. Aber viele Kinder wachsen auch ohne Geschwister, ohne Grosseltern oder nur mit einem Elternteil glücklich auf. Ohne Patenonkel gehts also sicher auch.

Wen wählt man? Familienangehörige? Freunde?

Verwandte haben den Vorteil, dass sie Verwandte bleiben. Und man sie – vorab wenn sie aus dem engeren Familienkreis stammen – meist regelmässig sieht. Freunde wählt man, weil man sie für gute Vorbilder hält, weil sie frischen Wind ins Familienleben bringen. Oder weil man sie sich einfach erhalten will. Gerade wenn Kinder da sind, werden Freundschaften nicht mehr so intensiv gepflegt. Die Patenschaft ist eine Möglichkeit, Gegensteuer zu geben. Kinderlose? Solche mit Kindern? Wählt man Personen, die selber Kinder haben, kann man sich darauf verlassen, dass sie wissen, was ein Nuschi ist, und dass ein verlorener Nuggi eine Katastrophe ist. Ausserdem hat das Göttikind so Kontakt zu möglichen Spielkameraden. Allerdings hat eine Gotte, die selber Mutter ist, kaum je spontan Zeit zum Babysitten. Will man Kinderlose anfragen, sollte man zuerst die Frage klären, wieso sie keine Kinder haben. Vielleicht ist das schon Grund genug, sie nicht mit dem Thema zu konfrontieren.

Darf man die Anfrage zu einer Patenschaft ablehnen?

Unbedingt. Ein Nein zu einem Amt ist immer besser als eine halbherzige Amtsführung. Die Eltern sollten eine Absage nicht als persönlichen Affront bewerten. Oft ist sie praktisch begründet: Der oder die Auserwählte hat schon vier Patenkinder, wohnt zu weit weg, ist beruflich zu stark engagiert. Eltern sollten sich auch nicht verunsichern lassen, wenn die Kandidaten nicht sofort in Begeisterung ausbrechen, sondern sich Bedenkzeit ausbedingen. Es zeigt, dass sie sich überlegen, ob sie die Aufgabe wirklich erfüllen können.

Wann wählt man?

Viele wählen schon vor der Geburt, einige vor einer allfälligen Taufe. Selten entscheiden sich die Eltern erst für die Gotte oder den Götti, wenn das Kind schon ein paar Jahre alt ist. Obwohl das den Vorteil hätte, dass man bereits weiss, zwischen wem die Chemie stimmt.

Was, wenn Pate und Kind es miteinander nicht können?

Dann beschränkt sich das Verhältnis auf gelegentliche Geschenke. Gefühle sind nun mal nicht erzwingbar. Es gibt zwar nicht wenige Eltern, die den Götti oder die Gotte bei Problemen einfach mit den Worten «du engagierst dich zu wenig» des Amtes entheben. Das muss aber nicht heissen, dass das Kind zum nachfolgenden Ersatzgötti einen besseren Zugang findet.

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