Menü

Gelassenheit bei der Erziehung

Es geht doch!

geht_doch_haende_waschen_thinkstock.jpg

Kinder bedeuten für Eltern die Welt, aber sie können gehörig nerven. Hier einige Tipps für die nervigsten Situationen im Alltag.

1 «Sie ist schüchtern»

Zoé ist lebhaft und interessiert. Zu Hause haut sie auf die Pauke. Soll sie aber fremden Menschen Grüezi oder Danke sagen, bekommt sie den Mund nicht auf. «Zoe ist schüchtern», sagt ihre Mutter dann jeweils.

→ Tun Sie das nicht. Das Kind fühlt sich dadurch in der eigenen Zurückhaltung bestärkt. Üben Sie stattdessen das erwünschte Verhalten daheim in Rollenspielen. Im Krämerladen und beim Puppenspielen kann man prima Danke sagen üben – das gibt Sicherheit. Nehmen Sie auch mal die Rolle des Kindes ein und lassen Sie es Sie auffordern zum Grüezi und Danke sagen. Was auch hilft: Magie. Die roten Glückssocken, die mit den Käfern darauf, geben besonders viel Mut – das weiss jedes Kind. Auch der gelbe Frühstückszaubertrank wirkt Wunder.

2 Guten Einkauf

Vera weint beim Hundefutter, weil sie ihre Mama nicht mehr findet. Und Rafael will aus dem Kindersitz raus. Sofort. Die Mutter hat noch nicht mal die Hälfte der Einkäufe im Wagen, ist selbst aber total fertig.

→ Unser Tipp dazu ist etwas aufwendig, aber es lohnt sich: Binden Sie Ihre Kinder in den Einkauf ein. Schreiben Sie die Liste mit den Kindern zusammen und lassen Sie sie etwas dazu beifügen oder ihre eigene Liste kritzeln. Verteilen Sie Aufgaben. Vera holt die Pellati aus dem Regal, Rafael hält die Einkaufsliste fest. Erklären Sie ihnen, wozu Sie die Sachen brauchen werden – oder warum Sie etwas nicht kaufen. Wenn gar nichts mehr geht – aus welchem Grund auch immer – lassen Sie den Einkaufswagen stehen, fahren Sie heim und bestellen Sie alles übers Internet.

3 Heim-Weh

Ella macht ein Affentheater. Und zwar jedes Mal, wenn sie vom Spielplatz oder von einer Freundin nach Hause gehen soll. Sie weint und tritt und schreit: «Ich will nicht heim!» Man könnte meinen, sie wohne in der Hölle. «So», versucht es ihre Mutter, mit jedem Mal mehr Bestimmung in der Stimme. «Wir müssen jetzt gehen.» Und Ella fühlt sich mitten aus dem Spiel gerissen.

→ Deshalb: Warnen Sie Ihr Kind vor, bevor Sie weg müssen. «Ella, in fünf Minuten müssen wir gehen» oder «noch dreimal kannst du rutschen» – das ist respektvoller, auch wenn Ihr Kind noch nicht genau weiss, was fünf Minuten sind. Mindestens spürt es, dass sich das Abenteuer dem Ende zuneigt. Ist die Zeit verstrichen, sollte es dann auch losgehen – sanft, aber ganz bestimmt. Auch darauf soll es sich verlassen können.

4 Ticketcorner

Hin und wieder dürfen Claire und Tim 20 Minuten fernsehen. Aber nicht jeden Abend. Jeden Abend aber verlangen sie quengelnd danach.

→ Basteln Sie TV-Tickets – für die Anzahl Abende pro Woche, die Sie Ihr Kind fernsehen lassen möchten. Sind die Tickets alle eingelöst, herrscht Sendepause.

5 En Guete

Eline blöterlet im Wasserglas und Simon macht aus Schnitzel «Flugzeug». Eline spaziert aufs Klo und Simon sabbert rum. Die Eltern reden nur noch in Zwei-Wort-Sätzen: «Setz dich!» – «Hör auf!» – «Iss anständig!»

→ Vor dem Essen sollen die Kinder routinemässig aufs Klo und Hände waschen. Dann gibts später auch keine Ausreden, um den Tisch zu verlassen. Bei Tisch dann sollten Zurechtweisungen nicht dominieren. Mit etwas Fantasie sind auch Tischmanieren ein durchaus unterhaltsames Lernfeld: Antworten Sie in Kauderwelsch, wenn das Kind mit vollem Mund spricht. Gestikulieren Sie wild, wenn das Glas am Abgrund steht. Das hebt die Stimmung. Und nein, das müssen Sie nicht bei jedem Essen machen. Aber wenn die Atmosphäre beim Nachtessen auch für die Kinder unterhaltsam ist, dann motiviert sie das, sitzen zu bleiben.

6 Durchzug

«Lilly, räum deine Sachen weg, gleich gibts Essen!» Lilly stellt scheinbar auf Durchzug. Jedenfalls schiebt sie den kleinen gelben VW ungestört weiter durchs Zimmer. «Brrrrummm.»

→ Die Anweisung: «Räum deine Sachen weg!», ist für ein Kleinkind zu vage. Besser: «Räum die Autos bitte in die Kiste und dann setzt du dich an den Tisch!» Anweisungen müssen klar sein und begrenzt. Also nicht mehr als zwei oder drei gleichzeitig. Sonst überfordern Sie das Kind und – es schaltet auf Durchzug. Brrrrummm.

7 Vorwärts!

Eva ist vier. Sie trägt frische Unterhosen und die linke Socke. Jetzt muss erst einmal Bär Buh angezogen werden, weil der sonst friert. Auf den Hinweis, dass Tim schon in Jacke und Kinderwagen steckt und die Mama spät dran ist, reagiert Emma mit einem abwesenden «Hm?» Sie zur Eile zu ermahnen, bringt gar nichts.

→ Pädagogen raten dazu, Ruhe zu bewahren, was durchaus ein guter Tipp ist, wenn man grad gar nichts zu tun hat. Aber dann wären Eva und ihr Bär ja auch kein Problem. Was deshalb wirklich hilft, sind feste Abläufe. Die Kleider werden am Abend vorher bereitgelegt. Waschen, Zähne putzen, Klo – das hat alles seine Reihenfolge. Die dafür benötigten Utensilien müssen für die Kinder gut erreichbar sein. Es gibt auch Kinder, die auf Wettrennen und Stoppuhren (zur Not auch Küchen-Timer) ansprechen. Droht Ihnen der Kragen zu platzen, warten Sie draussen. Was nicht gut ist: In der Eile bei Sachen helfen, die das Kind eigentlich selber kann. Dann wird das Trödeln schnell zur Taktik.

8 Nein

Karin will jetzt Schokolade. Und zwar genau die, die neben der Kasse angeboten wird. Sie braucht sie. Sie wüsste in ihrem Leben wirklich nicht wie weiter, wenn sie diese Schokolade nicht jetzt sofort bekommt. Das erzählt sie der ganzen Abteilung.

→ Ist das Bedürfnis erst klar – das ist ja nicht immer so –, bittet man das Kind, es in einem normalen Tonfall anzubringen. Dann gilt: Ja ist Ja. Und Nein – in Gottes Namen halt Nein. Und da reicht ein kurzes, klares, gut wahrnehmbares «Nein». Mit allen Konsequenzen. Quengeln darf niemals belohnt werden. Seien Sie stark. Kommt es zum Äussersten, versuchen Sie es mit Ablenkung: Die Dame da vorne hat riesige Füsse, schau. Ui! Erschrecken Sie ob irgendetwas. Jetzt haben wir doch glatt das WC-Papier vergessen. Womit jetzt Füdli putzen? Wenn Sie der Sache nichts Lustiges abgewinnen können, bleibt, wenn der Sturm vorbei ist, wenigstens eine Anekdote.

9 Wie bitte?

Laura bekommt den Deckel der Knet-Büchse «niiicht aaaab» und Timo ist vom Sofa gefallen. Die Mutter hat nicht verstanden, was ihr Bankberater am Telefon wissen wollte. Zum dritten Mal.

→ Wenn Sie zu Hause fürs Büro arbeiten oder Organisatorisches zu erledigen haben: Richten Sie Ihren Kindern auch ein kleines Büro ein. Am besten permanent – mit einem Spieltelefon, Papier und Buntstiften. Dann gilt für die vierjährige Laura: Bereiten Sie sie vor. Sagen Sie Ihrem Kind, dass Sie ein wichtiges Telefongespräch führen müssen, und fragen Sie es, was es in dieser Zeit machen möchte. Telefonieren Sie erst, wenn alles spielklar ist. Also der Deckel von der Knetdose gelöst, die Buntstifte gespitzt. Für den zweijährigen Timo gilt: Halten Sie eine kleine Telefonbox bereit mit Spielzeug drin, das er nur dann bekommt, wenn Sie telefonieren. Pädagogen ermuntern einen dazu, das Kind während des Telefonats anzufassen, damit es sich nicht vergessen fühlt. Die Erfahrung zeigt aber auch: Spielt der Kleine friedlich, gilt: Never touch a running system. Planen Sie keine dreistündige Fernkonferenz und loben Sie Ihre Kinder, wenn Sie ungestört reden konnten.

10 Showtime

Emma zeigt dem Besuch ihre neuen Hausschuhe, dann ihre Lieblingsstofftiere, schliesslich ihren neuen Tanz und dann will sie die neuen Unterhosen vorführen. «Emma ...», stöhnt die Mutter. «Geh spielen!»

→ Binden Sie Ihre Kinder ein, wenn Besuch erwartet wird. Geben Sie ihnen kleine Aufgaben. Sie können in der Küche helfen, Oliven anbieten oder kurz nachsehen, wessen Glas leer ist. Wenn Ihr Kind mit einer One-Person-Show anfängt, nehmen Sie es zur Seite und erklären Sie ihm, dass das nicht geht. Schlagen Sie Ihrem Kind vor, wie es sich stattdessen beschäftigen könnte.

Auch lesenswert