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Homosexuelle Eltern

Eine ganz normale Familie

Homosexuelles Paar mit Baby

Lesben und Schwule wünschen sich Kinder. Und bekommen sie auch. Gesetzeslücken und Vorbehalte der Mitmenschen aber erschweren ihnen die «natürlichste Sache der Welt».

Manchmal sind es die kleinen Irritationen, die den Alltag würzen: «Frau und Frau Bossart» steht auf der Briefpost von Eva-Maria (29) und Miranda (27). Sie schmunzeln. Die Anschrift ist ungewöhnlich und bringt dennoch ihre Lebensform in Kürzestversion auf den Punkt: Zwei Frauen leben in eingetragener Partnerschaft unter einem Dach. Noch bevor Eloïse (8 Monate) zur Welt kam, übernahm Eva-Maria den Nachnamen von Miranda.
Draussen regnet es Bindfäden, drinnen dampft der Kräutertee. Miranda und Eva-Maria wohnen mit ihrer Tochter in einer kleinen, gemütlichen Parterrewohnung in Jestetten, einem Dorf gleich über der deutschen Grenze. Hierhin haben sie sich abgesetzt, bis Miranda die Stiefkindadoptionsrechte für Eloïse erhält. Denn obwohl sie das Kind mitaufzieht, das Eva-Maria geboren hat, darf sie es in der Schweiz nicht als Stiefkind anerkennen. In Deutschland ist das möglich. Wo die Realität längst Fakten geschaffen hat, herrscht hierzulande noch immer politisches Gezänk. Obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte festhält, dass Homosexualität kein Grund zur Verweigerung einer Adoption sein dürfe.

Angst, sie zu verlieren

Eva-Maria wollte schon immer Mutter werden. Zumindest, solange sie Männerbeziehungen führte. Als ihr das Schicksal Miranda zuschubste, begrub sie den Kinderwunsch. Die Liebe war stärker. Miranda jedoch spürte, wie ihre Freundin traurig wurde – und zunehmend quälte sie die Angst, sie zu verlieren. «Ich fühlte mich richtig minderwertig, weil ich ihr kein Kind bieten konnte.» Die gelernten Bio-Landwirtinnen traten die Flucht nach vorne an. Aller biologischen Unmöglichkeit zum Trotz wollten sie eine Familie gründen.

800 Kilometer zum Glück

Auf einschlägigen Websites suchten sie zunächst nach einem schwulen Paar. Aus Solidarität. Weil es für Schwule sowieso schwieriger sei, zu einem Kind zu kommen. Doch die ehrbare Absicht zerschlug sich: «Wir trafen nur auf komische Typen! », erzählt Miranda. In der Rückblende schrumpft die Suche nach dem richtigen Vater zu Anekdoten. «Einmal überlegten wir sogar, in die Türkei zu reisen und Eva- Maria von einem schönen Türken in einem One-Night-Stand schwängern zu lassen.»
Ihr Glück fanden die beiden dennoch im Netz. Einen in Deutschland lebenden Nepalesen, sympathisch, gebildet, gesund. Er trug weder HIV noch andere Krankheiten im Blut, das bestätigte ein ärztliches Zeugnis. Und er zeigte sich offen dafür, dem Kind dereinst eine Beziehung anzubieten, ansonsten aber auf alle elterlichen Rechte und Pflichten zu verzichten.
Pünktlich zu Eva-Marias Eisprung fuhren sie 800 Kilometer nordwärts. Mithilfe von «Bechermethode» und Einwegspritze wurde neun Monate später aus «Frau und Frau Bossart» eine Familie.

Ein Kind – aller biologischen Unmöglichkeit zum Trotz.

Eingepackt in Stoffwindeln – Plastik kommt nicht auf den zarten Po – kugelt Eloïse jetzt über die niedrige Treppenstufe zwischen Küche und Stube aufs Schaffell. Ziel: Eva-Marias Brust. Und zur Nachspeise erhält die Kleine selbst püriertes Bio-Apfelmus.
Zurzeit verdient Miranda als Kassiererin bei der Zürcher Schifffahrtsgesellschaft das Geld, Eva-Maria ist Mutter und Hausfrau. Nächstes Jahr tauschen sie die Rollen: «Beide von uns wollen beide Perspektiven kennenlernen!»

Nicht häufiger homosexuell

Wer nach Schatten sucht in dieser fast heilen Welt – findet keine. Das mag auch an der Bodenständigkeit, am optimistischen Gemüt der beiden Frauen liegen. Sticheln Arbeitskollegen Miranda frühmorgens: «Na, Papi Bossart, gut geschlafen?», lacht Miranda. Nein, sie fühle sich nicht ungerecht behandelt. Sie habe auch nicht das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen für ihre Familienkonstellation. «Ich glaube, die Frauen- und Lesbenbewegung hat gute Vorarbeit geleistet.»
Eloïse wächst in einer «Regenbogenfamilie» auf – das sind Familien, bei denen mindestens ein Elternteil lesbisch, schwul, bioder transsexuell ist. Je nach Berechnung leben in der Schweiz zwischen 6000 und 30 000 Kinder in einer «Regenbogenkonstellation », eine offizielle Statistik dazu gibt es nicht. Hingegen existieren Studien zur kindlichen Entwicklung in Regenbogenfamilien. Und die besagen, dass Kinder wie Eloïse sich nicht anders entwickeln als solche mit gegengeschlechtlichen Eltern: Ob schulischer oder beruflicher Erfolg, ob emotionale oder soziale Kompetenz – Unterschiede sind keine auszumachen. Kinder, die bei lesbischen und schwulen Eltern aufwachsen, werden auch nicht öfter homosexuell.
Die Sozialwissenschaftlerin Eveline Y. Nay, die an der Universität Basel zum Thema «Regenbogenfamilien» forscht, zieht das Fazit, dass «nicht die sexuelle Orientierung der Eltern entscheidend ist für das Wohlergehen und die Entwicklung eines Kindes, sondern die Beziehungsqualität und das Klima in der Familie.»

Was zählt, ist die Beziehungsqualität und das Klima in der Familie.

«Mami» und «Mama»

Dennoch wäre es vermessen, zu behaupten, die Homosexualität der Eltern spiele keine Rolle. Früher oder später wird jedes dieser Kinder mit neugierigen Fragen oder entwertenden Kommentaren konfrontiert. Eine aktuelle Studie der Universität Bamberg berichtet, dass knapp die Hälfte der Kinder Diskriminierung erlebt und dabei Wut, Trauer, Einsamkeit empfindet. Andere Studien besagen aber auch, dass Kinder die Stigmatisierung erfolgreicher bewältigen, wenn sie andere Kinder aus Regenbogenfamilien kennen und ihnen die sexuelle Orientierung der eigenen Eltern früh erklärt wird.
Für Patricia Purtschert (39) und Anelis Kaiser (39) gehört die altersgemässe Aufklärung ihrer Tochter selbstverständlich dazu. Hannah (3) weiss, dass sie eine «Mami» und eine «Mama» hat. Sie weiss, dass sie aus dem Bauch von «Mama» Patricia kam. Und man wird ihr nicht verheimlichen, dass der Freund, den die Familie hin und wieder besucht, einen entscheidenden Beitrag zu ihrer Entstehung geleistet hat.
Jetzt aber kümmern Hannah biologische Fakten noch nicht. Was zählt, ist Lob für den selbst gebackenen Luftkuchen, eine Hand, die ihr über den Lockenkopf streicht, ein Korb voller Zuwendung.

Homosexuelles Paar mit Kind

Den Wunsch nach einem Kind hegten Patricia und Anelis schon lange – umsetzen wollten sie ihn nur gut durchdacht. Sie lasen Bücher, besuchten Workshops und gründeten eine Gruppe mit anderen lesbischen Paaren, die sich mit der Frage «Kind ja oder nein?» auseinandersetzten. Irgendwann war klar: «Wir wollen». Den Mann dazu fanden sie im Freundeskreis. Munkelt heute jemand: «Jesses, der fungiert doch nur als Samenspender! », winken sie ab. Es ist eine Abmachung zwischen erwachsenen Menschen. Auch die Partnerin des Freundes unterstützte Anelis᾽ und Patricias Kinderwunsch.
Das Backsteinhäuschen aus den 60er-Jahren kauert eingebettet im üppigen Garten, draussen steht ein «Kesseli mit Schüfeli» fürs Kind, drinnen das Klavier für die Kultur. Ähnelt dieses Kleinfamilienidyll nicht jenem, dem die beiden Frauen skeptisch gegenüberstehen? Sie kennen den Vorwurf. Während Heteros ihnen Inkonsequenz vorhalten, bezichtigen sie kinderlose Homosexuelle mitunter, in die Fussstapfen einer Heteronorm zu treten.
Aber den Begriff «Familie» verstehen Anelis und Patricia umfassender als das klassische Modell «Mutter – Vater – Kind». Patricias Wunsch wäre es, wegzukommen vom Primat der Ehe, hin zu alternativen Familienformen – auch mit drei oder vier Elternteilen, die rechtlich anerkannt werden.

Mitunter werden wir bezichtigt, in die Fussstapfen einer Heteronorm zu treten.

Patricia Purtschert und Anelis Kaiser

Vor dem Gesetz nicht gleich

Ganz konventionell leben Anelis und Patricia dennoch nicht. Zum einen wohnt eine gemeinsame Freundin im Haus, und oft haben sie so viele Gäste, dass das Leben für ein paar Tage jenem einer Grossfamilie gleicht. Zum andern arbeiten die Wissenschaftlerinnen beide Vollzeit, verteilt auf vier lange Wochentage und Zusatzarbeit abends und am Wochenende. Anelis als Professorin für Kognitionswissenschaften und Genderforschung an der Universität Freiburg im Breisgau, und Patricia als Philosophin an der ETH Zürich. Job und Kind werden egalitär geteilt: Beide Mütter übernehmen einen Wochentag mit Hannah, beide schmeissen hälftig den Haushalt. Beide wünschten sich das Kind zutiefst, beide geben ihr Bestes, damit es behütet aufwächst.
Vor dem Gesetz sind dennoch nicht beide gleich. Rechtlich wird Anelis die Mutterschaft abgesprochen – statt ihrer stellte man Patricia nach Hannahs Geburt von Amtes wegen einen Beistand zur Seite. Trennen sich die beiden Frauen oder stirbt Patricia, hat Anelis keinerlei Anrecht auf Hannah. Die Behörde hat die Freiheit, ihr das Kind wegzunehmen. Würde Anelis sterben, hätte Hannah weder Anspruch auf eine Waisenrente noch ein Erbe.
Ja, das nage manchmal am Selbstbewusstsein, sagt Anelis. Macht aber auch kämpferisch: «Warum kann das Parlament bei der Einführung der Stiefkindadoption nicht sozügig agieren wie bei der Bankenrettung?»

«Bechermethode»

Homosexuellen Paaren ist hierzulande nicht nur die Adoption verwehrt, sie dürfen auch die Fortpflanzungsmedizin nicht nutzen. Samenbanken? Nur verheirateten Heteropaaren zugänglich. Wie aber zu einem Kind kommen, wenn das Gesetz die freie Entscheidung beschneidet? Man hilft sich selber. Zum Beispiel mit «Family Project». Die Website richtet sich vornehmlich an homosexuelle Frauen und Männer mit Kinderwunsch. Auf der Internet-Plattform treffen Schwule, die Papa werden möchten, auf Lesbenpärchen; alleinstehende Frauen auf Samenspender jeder sexuellen Ausrichtung. Zudem erörtert «Family Project» biologische, medizinische oder rechtliche Fragen. Herzstück jedoch sind die regionalen Treffen.
Samstagnachmittag in einem Freizeitzentrum an der Zürcher Limmat. 20 Frauen und Männer sitzen auf Stühlen im Kreis, die meisten zwischen 30 und 35 Jahre alt, Frauenpärchen in der Überzahl. Menschen mit Kinderwunsch treffen auf ebensolche. Es geht nicht darum, als Lesbenpaar einen Samenspender, als Schwuler eine «Leihmutter » zu finden, sondern schlicht um Austausch. Um das Herantasten an die Möglichkeit, dereinst ein eigenes Kind in den Armen zu halten.
In der Startphase seien Kompromisse fehl am Platz, erläutert der Leiter von «Family Project», solche müsse man später noch zur Genüge aushandeln. Wichtig: Sich zuerst klar darüber werden, was man will – als Mann bloss Samenspender sein? Das Kind einmal pro Woche sehen? Oder Elternschaft paritätisch leben?
Die Neulinge in der Runde profitieren von der Anwesenheit eines lesbischen Paares mit Kind. Zunächst tröpfeln die Fragen verhalten, dann immer mutiger und konkreter. Ob eine anonyme Samenspende aus dem Ausland vorzuziehen sei? Oder der Samen eines schwulen Freundes? Was, wenn niemand im Umfeld weiterhelfen kann? Wenn doch – wie das mit der Samenspende zu bewerkstelligen ist? Auch die Neugier von Aussenstehenden wird gestillt. Die Antwort auf die – von den Betroffenen oft allzu unverfroren gestellte – Frage: Wie zeugen Lesben und Schwule eigentlich ein Kind?

Der Sohn soll ihn kennenlernen dürfen, wann immer er will.

Fast alle nutzen die «Bechermethode». Das heisst, der biologische Vater in spe ejakuliert in einen Becher. Die Erfahrenen in der Runde empfehlen, sich um den Eisprung herum zwei- oder dreimal zu treffen. Die Form des Bechers spiele keine Rolle. Eine 20- ml- sei einer 50-ml-Einwegspritze vorzuziehen – erhältlich beim Arzt, in der Apotheke oder im Coop. Zwischendurch wird gelacht. Verklemmtheit, Prüderie ist keine zu spüren – Unsicherheit gegenüber den Unwägbarkeiten des Elternwerdens aber schon. Warum sollte das bei Lesben und Schwulen anders sein als bei Heteropärchen?

Mann mit Kind am Fluss

Versprechen eingelöst

In Paolos (46) Lebensplan war eigentlich kein Kind vorgesehen. Der Kunsthistoriker hatte sich im Dasein eingerichtet, wohnte seit Langem mit zwei Lebenspartnern in einer Männer-WG in Zürich.
Als ihn vor ein paar Jahren ein befreundetes Frauenpaar fragte, ob er ihnen helfe, eine Familie zu gründen, sagte er dennoch zu. «In meiner Auffassung von Elternschaft spielte es nie eine Rolle, wer die biologischen Eltern sind, sondern dass das Kind liebevolle soziale Eltern hat.» Diese Nestwärme traute er den Frauen zu.
Trotzdem war klar für Paolo – der wie sein Sohn Sebastian (6) im richtigen Leben anders heisst –, dass jedes Kind früher oder später nach dem leiblichen Vater fragen würde. Deshalb war beiden Elternteilen wichtig: Sebastian darf Paolo kennenlernen, wann immer er will.
Dieser Moment kam früher als erwartet. Das Frauenpaar trennte sich, als das Kind keine zwei Jahre alt war. Und Paolo löste sein Versprechen ein: «Ich habe nicht mitgeholfen, ein Kind in die Welt zu setzen, ohne die Bereitschaft, da zu sein, wenn es mich braucht.»
Jetzt zupft Sebastian seinen Vater am Ärmel, zieht ihn hinüber zu jenem Stand mit dem gebrauchten Spielzeug am Zürcher Flohmarkt. «Papa, darf ich dieses Auto kaufen?», fragt der Junge, der die Welt hellwach aufzusaugen scheint. Das violette Modell wechselt für zwei Franken den Besitzer. So war es abgemacht: Zuerst am Flohmi stöbern, danach am Seeufer spazieren, später ein Smarties-Eis vom Glacéwagen. Zur Erziehung gehört Struktur. Und halt! Paolo ist keiner dieser überdrehten Freizeitväter, seine Worte wählt er mit Bedacht. Und wenn Sebastian sich an ihn drückt, umgibt er ihn wie eine weiche Hülle.

Einfach «Papa»

Sebastian wohnt bei seiner Mutter. Sie lebt mittlerweile mit einem Mann eine Zugstunde von Zürich entfernt. Dorthin pendelt Paolo seit vier Jahren einmal wöchentlich. Er holt den Jungen von der Grundstufe ab, kocht sein Lieblingsessen, sitzt abends am Bett und erzählt Geschichten.
Ein Wochenende pro Monat verbringt Sebastian beim Vater, behütet und inspiriert: Einer von Paolos Freunden übernimmt die Rolle des verspielten Künstlers und Entdeckers – mit ihm buddelt Sebastian im Garten nach vergrabenen Hühnerknochen. Der andere, ein Altphilologe, erklärt ihm die griechische und römische Kultur. Und Paolo ist einfach «Papa». Derjenige, der Grenzen setzt. Derjenige, der ihn tröstet, wenn er traurig ist. Derjenige, der nach den richtigen Antworten sucht, wenn Sebastian schwierige Fragen stellt. Wie jene absehbare, wenn er dereinst wissen will, warum sein Papa mit Männern lebt. Auch darauf ist Paolo vorbereitet, mag aber keine Themen aufwerfen, die nicht aktuell sind. Wichtig sei, wach zu bleiben, dann zu reagieren, wenn es notwendig werde. «Sebastian lebt in einem reichen und vielfältigen Bezugssystem. Da kann nur schieflaufen, was überall sonst auch schieflaufen kann.»
Paolo lässt sich von tradierten Strukturen und Gepflogenheiten nicht einschüchtern, die gelebte Beziehung hat für ihn ein viel grösseres Gewicht als alle Verträge und Regelungen. Das Band zwischen Vater und Sohn jedenfalls ist dicht geflochten. Schon zieht Sebastian in seinem Forscherdrang Paolo zur Trauerweide am Wegrand. Hier will der Junge klettern. Der Vater stellt sich schützend neben den Baum, selbst wenn die Äste tief hängen. Denn er will genau das, was alle Eltern wollen – das Beste für sein Kind.


Rechtslage in der Schweiz …

  • 2007 führt die Schweiz das Partnerschaftsgesetz ein. Damit wird die Beziehung gleichgeschlechtlicher Paare untereinander und gegenüber dem Staat rechtlich geregelt. Die Rechte und Pflichten sind dieselben wie in einer Ehe, das Gesetz verbietet aber, Kinder zu adoptieren und die Fortpflanzungsmedizin zu nutzen.
  • Gegen diese Ungleichbehandlung, verglichen mit heterosexuellen Paaren, wurden parlamentarische Vorstösse eingereicht.
  • Im Vordergrund steht zunächst die Stiefkindadoption: Der homosexuelle Partner der leiblichen Mutter oder des leiblichen Vaters soll ein Kind adoptieren dürfen, sofern der zweite Elternteil auf seine Rechte verzichtet, abwesend, unbekannt oder verstorben ist.
  • Im Frühling 2012 hat der Ständerat der Adoption für homosexuelle Paare (in eingetragener Partnerschaft) zugestimmt; sie sollen auch Fremdkinder adoptieren können. Dem Bundesrat geht die «Fremdkindadoption» zu weit, er spricht sich aber für die Stiefkindadoption aus. Voraussichtlich in der Herbstsession 2012 wird die Motion für das Adoptionsrecht für Lesben und Schwule im Nationalrat behandelt. Bis die gesetzlichen Grundlagen für das Stiefkindadoptionsgesetz, geschweige denn die Fremdkindadoption, geschaffen sind, dürfte es noch Jahre dauern.

… und im Ausland

  • Die Gesetzgebung punkto Ehe-, Stiefkind- und Fremdadoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ist in europäischen und nordamerikanischen Ländern in Veränderung. Fakt ist: Fast überall haben schwule und lesbische Eltern und Kinder aus homosexuellen Beziehungen mehr Rechte als in der Schweiz.
  • In nordischen Staaten wie Dänemark, Norwegen, Schweden, Holland und Grossbritannien, aber auch in Spanien, haben gleichgeschlechtliche Paare alle Rechte und Pflichten einer Ehe. Sie können auch Kinder adoptieren.
  • In Deutschland und Frankreich ist die Stiefkindadoption möglich, ein fremdes Kind zu adoptieren hingegen nicht.
  • USA Je nach Bundesstaat sehr unterschiedliche Regelungen, vielerorts ist die Fremd- und Stiefkindadoption erlaubt. Dort hat eine Co-Mutter, die sich von ihrer Partnerin trennt, dieselben Rechte und Pflichten wie ein geschiedener Vater.

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