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Die Sache mit der Pussy

Pussy mit Zettel

Die Beschimpfung «Pussy» ist nicht nur unter Kindern und Jugendlichen allgegenwärtig. Aber was zur Hölle soll bitteschön schwach an einer Vagina sein?!

«Was bist du denn für eine Pussy?!», fragt meine zwölfjährige Tochter ihren zehnjährigen Bruder und ich zucke unwillkürlich zusammen. Wie fast immer liest meine Älteste mich schneller als ich mir Sätze zurechtlegen kann. «Das ist keine schlimme Beleidigung, Papa. In der Schule sagen das alle.»

«Ja suuuper!» denke ich und versuche mich mit ein paar halbwegs sinnvollen, altersgerechten Argumenten zu munitionieren.

«Ist dir klar, was das bedeutet?» will ich wissen.

«Nö, nicht so richtig,» gibt sie zu.

Ich erkläre es ihr. «Aber ich sage das auch zu Mädchen.» wendet sie ein.

Ich erzähle ihr davon, dass im Kern der Abwertung ihres Bruders durch eine Bezeichnung für das weibliche Geschlecht, eine Abwertung ihrer selbst lauert. Davon, dass ihr Bruder früher von anderen gelegentlich als «Mädchen» beschimpft wurde und den Sinn dieser Beschimpfung lange Zeit nicht verstanden hat. Einfach deshalb, weil seine grosse Schwester für ihn so ziemlich der tollste Mensch überhaupt war und ihm nicht einleuchten wollte, inwiefern ein Vergleich mit ihr für ihn beleidigend sein könnte. Inzwischen weiss er das sehr genau.

Mittlerweile sind Stereotype über Jungen und Mädchen und geschlechtsbezogene Abwertungen Teil seines Alltags. So wie Pussy eben. Der Comedian Trevor Noah hat in seinem Stand Up Programm mal sehr gut auf den Punkt gebracht, was es damit auf sich hat.

Pussy – als Beschimpfung gemeint – soll Schwäche, Wehleidigkeit und Unterlegenheit implizieren. Sie dient darüber hinaus als Pars pro toto. Als Teil, der für das Ganze herhalten muss. Sei nicht so eine Pussy. Sei kein Mädchen. Was für eine bescheuerte Vorstellung. Noah führt aus, warum gerade die Pussy, also die Vagina, ein äusserst machtvolles Organ ist. Sie kann Revolutionen starten und Kriege beenden. Sie bringt Menschen hervor und funktioniert hernach trotzdem weiter wie vorgesehen.

Auf die Frage «Was bist du denn für eine Pussy?» gäbe es demzufolge ziemlich gute Antworten. Ich zum Beispiel wäre ja gerne so eine Pussy wie die Tennisspielerin Serena Williams – die nicht nur eine der grössten Sportlerinnen aller Zeiten ist, sondern auch die Australian Open gewonnen hat, während sie in der achten Woche schwanger war. Oder eine Pussy wie die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti, die nicht nur 6 Sprachen spricht und den Rekord für den längsten Aufenthalt einer Frau im Weltall hält, sondern sich auf der Raumstation erstmal stilecht im Star Trek Anzug eine Tasse Espresso gemacht hat.

Oder eine Pussy wie meine Liebste, die als Mutter von vier Kindern und voll berufstätige Frau ihr Leben jeden Tag auf so grossartige Weise rockt, dass sie mich immer wieder in Erstaunen versetzt.

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