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Oberstufe

Die Prüfung

Schule

In vielen Kantonen darf nur ins Gymnasium, wer die Aufnahmeprüfung besteht. Ist diese Form der Selektion gerecht?

Langsam steigt das Adrenalin. Im März treten in verschiedenen Kantonen Sechstklässler zur Aufnahmeprüfung fürs Langzeitgymnasium an. Rund 3600 allein im Kanton Zürich. Tendenz in den vergangen zwei/drei Jahren stabil. Zwar ist die Prüfung 2012 aufgrund vorverlegter Matura-Arbeiten zwei Monate früher als bis anhin, zwar soll Mathe gegenüber der Sprache in der Bedeutung angehoben werden, und zwar soll die Prüfung aufgrund des kürzeren Vorbereitungszeitraums einfacher ausfallen, die Aufnahme-Hysterie ist jedoch die gleiche wie in den Jahren zuvor. Wer wird es schaffen? Wer zu den 45 Prozent gehören, die durch die Prüfung fallen? Wie sind noch schnell im Vorfeld die Chancen zu verbessern? Durch schulische Vorbereitungskurse, private Lernstudios? Durch Mama, Papa, die Gotte mit Medizinstudium? Und während die betroffenen Eltern und Kinder für sich selbst überlegen, wie sich die individuelle Trefferquote verbessern liesse, stellt sich generell die Frage: Wie sieht es im Schweizer Bildungssystem aus mit der Chancengleichheit? Hat jedes kluge Kind, egal mit welcher Herkunft, welchem Geldbeutel und Wohnort die gleiche Möglichkeit, die Prüfung zu bestehen? Statistiken liefern keine Antworten, aber können Fragen aufwerfen.
Langsam steigt das Adrenalin. Im März treten in verschiedenen Kantonen Sechstklässler zur Aufnahmeprüfung fürs Langzeitgymnasium an. Rund 3600 allein im Kanton Zürich. Tendenz in den vergangen zwei/drei Jahren stabil. Zwar ist die Prüfung 2012 aufgrund vorverlegter Matura-Arbeiten zwei Monate früher als bis anhin, zwar soll Mathe gegenüber der Sprache in der Bedeutung angehoben werden, und zwar soll die Prüfung aufgrund des kürzeren Vorbereitungszeitraums einfacher ausfallen, die Aufnahme-Hysterie ist jedoch die gleiche wie in den Jahren zuvor. Wer wird es schaffen? Wer zu den 45 Prozent gehören, die durch die Prüfung fallen? Wie sind noch schnell im Vorfeld die Chancen zu verbessern? Durch schulische Vorbereitungskurse, private Lernstudios? Durch Mama, Papa, die Gotte mit Medizinstudium? Und während die betroffenen Eltern und Kinder für sich selbst überlegen, wie sich die individuelle Trefferquote verbessern liesse, stellt sich generell die Frage: Wie sieht es im Schweizer Bildungssystem aus mit der Chancengleichheit? Hat jedes kluge Kind, egal mit welcher Herkunft, welchem Geldbeutel und Wohnort die gleiche Möglichkeit, die Prüfung zu bestehen? Statistiken liefern keine Antworten, aber können Fragen aufwerfen.

Nur für die Elite?

Fakt jedenfalls ist, dass das Langgymnasium inzwischen auch hierzulande von immer weniger Eltern als Bildungseinrichtung nur für die Elite gesehen wird, sondern, wie im übrigen Europa, als Schule für gute Schüler. Als Eintrittskarte für den globalisierten Arbeitsmarkt, auf dem vor allem die oben mitmischen, die ein Maturazeugnis vorzuweisen haben. In Zürich ist der Gymi-Hype besonders gross: Banken, Uni, ETH und Kliniken ziehen Akademiker der ganzen Welt an. Allein die Zahl der Deutschen hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Die meisten von ihnen sind bestens ausgebildet und finden das Reifezeugnis selbstverständlich. Schliesslich macht in Deutschland jeder Zweite Abitur (Finnland: 70 %, Frankreich 66 %, Italien 60 %, Schweiz 20 %). Klar, dass sie ihre Kinder zur Prüfung schicken. Auch klar, dass das den Wettbewerb um die konstant gebliebene Anzahl an Mittelschulplätzen ankurbelt – und damit diffuse Ängste.

Tabu Lernstudio

Private Lern-Institute verdienen daran. Genaue Zahlen möchte Klaus Loges, Schulleiter der Primarschule am «Lernstudio», nicht nennen. «Aber die Anzahl unserer Schüler in Prüfungsvorbereitungskursen bewegt sich seit Jahren im hohen dreistelligen Bereich. » Er schätzt, dass fast die Hälfte der Eltern externe Vorbereitungen buchen, fürs Kurzgymnasium vielleicht noch mehr, «da wenige Eltern beim Stoff der 8. Klasse fachlich noch helfen können.» Bis zu 4000 Franken können die Kursmodule zusammen kosten. Wird bei den Preisen der Graben zwischen Arm und Reich nicht noch tiefer? «Nein», findet Klaus Loges. «Wir haben Kunden quer durch alle Schichten. So haben Kinder bildungsferner oder beruflich stark eingespannter Eltern wenigstens auch eine Chance auf Unterstützung.» Zugeben, private Anbieter zu nutzen, mag allerdings niemand. Im Wettbewerb um die begehrten Plätze ist alles erlaubt, nur Offenheit nicht. Und nicht die Frage danach, ob die Schweiz mit ihrer strengen Selektion nicht auf die Dauer akademisch ausblutet. Im März jedenfalls treten sie wieder gegeneinander an: Robbe, Elefant, Vogel und Affe. Im Cartoon von Hans Trachsler aus dem Jahr 1975 (!) sitzen die nämlich gemeinsam unter einem Baum und erhalten den Auftrag: « Zum Ziele der gerechten Auslese lautet die Prüfungsaufgabe für Sie alle gleich: Klettern Sie auf diesen Baum.»
Wir haben für unsere Serie drei Kinder aus unterschiedlichen Schulen, Quartieren und Elternhäusern besucht, die sich in diesem Jahr an dem Baum versuchen.


Serie

Die Prüfung

Über die Aufnahme–Prüfung fürs Lang-Gymnasium wird viel geredet. Von Eltern, Lehrern, Psychologen, Politikern. Wir reden mit denen, die es vor allem angeht: den Schülern. Drei Sechstklässler haben uns erlaubt, sie durch die Vorbereitungszeit zu begleiten. Vier Mal werden wir sie besuchen:

  • Zu Hause
  • In der Schule
  • In den Vorbereitungskursen
  • Nach der Prüfung

... und wir drücken den Dreien fest die Daumen.


Ajith ist am Lernen für seine Prüfung

Ein festes Ziel ist sehr wichtig.

Ajith Vigneswaran, 13

Lehrer – wenn es doch mit dem Traumberuf klappen würde! Dann würde Ajith all seinen Schülern sagen, wie wichtig es ist, ein Ziel vor Augen zu haben, einen guten Job. «Das muss ein Lehrer den Kindern erklären, dass man viel lernen muss. Darauf kommt es an», sagt Ajith. «Meine Eltern arbeiten zu schwer für zu wenig Geld.» Deshalb will der 13-jährige Tamile an die Gymi-Prüfung. «Ich will ein besseres Leben haben.» Mathe, Englisch, Sport… alles kein Problem. Im Weg steht das Deutsch. Die Vier ärgert ihn. Diese elend komplizierte Grammatik. Die muss er irgendwie noch in den Griff kriegen. Daheim spricht niemand Deutsch. Da ist keiner, der bei Vorträgen hilft, niemand, mit dem man Diktate üben könnte, der erklärt, wie im Deutschen das Plusquamperfekt gebildet wird. Ajith und sein Zwillingsbruder Vinoth erledigen ihre Hausaufgaben allein. Und den ganzen Rest auch. Als die Eltern damals aus Sri Lanka kamen, waren sie noch zu jung, um eine Ausbildung zu haben, zu arm, um statt zu arbeiten erst mal die Sprache zu lernen. Jetzt hilft die Mutter einer Familie am Zürichberg im Haushalt. Der Vater kocht in einem Restaurant. Bis in die Nacht meist, deshalb braucht er tagsüber ein Zimmer zum Schlafen. Ajith, sein Bruder und die Mutter teilen sich das andere. Kajütenbett, ein Schreibtisch, eine Matratze an den Schrank gelehnt. Wenn offizielle Dinge beim Amt, beim Arzt oder beim Elternabend zu regeln sind, gehen Ajith oder Vinoth oft mit. «Ja, und? Wir machen das gern», sagt Ajith ein bisschen stolz und sieht seine Mutter liebevoll an, die gerade in der kleinen Höngger Wohnung Tee aufbrüht. Einen Kuchen mit grünem Zuckerguss hat sie extra für den Besuch auf den Tisch gestellt, Trauben, Mandarinen, Chips, Schokoladenplätzchen, Saft, Kaffee… den guten Salvar in Lindgrün angezogen. Gastfreundschaft wird in Sri Lanka gross geschrieben. Deshalb liegt auch über dem Sofa im Wohnzimmer eine weiche rote Decke – damit es kuschliger wirkt und vielleicht auch, damit nicht jeder merkt, wie alt es ist. Ist ja auch nicht so wichtig. Viel wichtiger sind die vielen Pokale, die die Eltern blank poliert und aufgestellt haben: Auszeichnungen der beiden Brüder fürs Theaterspielen an der Tamilschule, erster Preis in der Tamil-Prüfung, ausgezeichnete Leistungen im Englischkurs… Ajith lächelt verlegen. Ja, lernen kann er gut. Seine Mutter freut sich immer so über die Erfolge ihrer Söhne. Und die Eltern legen grossen Wert darauf, dass ihre Jungs auch Schweizer Freunde haben, nicht nur immer im Zwillingsdoppelpack auftreten und untereinander Tamil sprechen. Deshalb besuchen die beiden Brüder unterschiedliche Schulen: Ajith ist im Schulhaus Grünau und Vinoth in der Schule Am Wasser. Aus Ajiths Klasse gehen drei Kinder an den von der Schule angebotenen Vorbereitungskurs. Dazu noch drei aus der Parallelklasse und zwei, die sich auf die Sek A vorbereiten. «Meine Lehrerin ist sehr nett, mir gefällt wie sie arbeitet», schwärmt Ajith. «Auch die Lehrerin der Parallelklasse ist lieb.» Ihr ist zu verdanken, dass er jetzt einen Glücksbringer hat. Die Lehrerin habe nämlich mal Stofftiere mitgebracht. «Die hab ich gesehen und gedacht: So ein Tier hätte ich auch gerne.» Tja, und da sind Ajith und sein Vater am nächsten Tag zu Manor gegangen und haben einen Pinguin gekauft. Unterarmgross, kuschelig. Ajiths erstes Stofftier. Dass der Pinguin ihm im März Glück bringt, davon ist er überzeugt. Und was, wenn nicht? «Dann versuche ich es noch einmal. Oder zweimal. Oder mache die Berufsmatur.» Ajith hat jetzt keine Zeit mehr, er muss noch lernen. Höflich bringt er die Besucherin zur Tür, reicht ihr die Jacke, winkt. Die ganze Familie winkt.


Hanna sitzt auf einen Bürostuhl in ihr Zimmer.

Ich werde mal Lehrerin. Ich mag Schule und Bücher.

Hanna Walter, 11

«Gut, dass wir durch Schweizer Freunde vorgewarnt waren. Sonst wären wir möglicherweise geschockt gewesen», sagt Susanne Lambrecht, promovierte Geografin und Mutter von Hanna (11). Vor einem guten Jahr zogen die Lambrecht-Walters aus der Nähe von Köln nach Zürich. Der Vater hatte einen Ruf an die ETH erhalten. In Deutschland war Hanna längst für den Sommer an einem Gymnasium angemeldet. «Aber hier hiess es dann plötzlich‚ bei uns kommt nicht jeder einfach so aufs Gymnasium. » Na gut, damit liess sich leben. Hanna war eine ausgezeichnete Schülerin. Aber eine Prüfung mit 200 Kindern in einem fremden Schulhaus? Mit Nummern? Mit Identitätskarten? «Der Gedanke daran war für uns anfangs nicht sehr angenehm», erzählt die Mutter. Hanna lacht, dass die Zahnspange blitzt. Sie nimmts locker. In allen Fächern 5–6 und eine beste Freundin, die ebenfalls zur Prüfung geht –, sind doch prima Voraussetzungen. Sie nutzt die von der Bachtobel-Schule angebotene Vorbereitung. Das muss reichen. «Die Aufgaben mit x, die ich in so einer alten Prüfung gesehen habe, hatten wir zwar nicht im Unterricht, aber mein Vater kann mir in Mathe alles erklären.» Fünf aus ihrer Klasse wählen einen privaten Vorbereitungskurs. «Das wollten wir nicht», sagt Hannas Mutter ruhig. «Wir vertrauen unserer Tochter.» Susanne Lambrecht bleibt gelassen. Hinter ihr ziehen die Fische im Aquarium ihre Kreise. An einer Wand steht ein alter Kachelofen, an der anderen das Klavier. Hannas jüngere Schwester Lara übt regelmässig darauf, der fünfjährige Nikolas klimpert ein bisschen. Hanna selber spielt Querflöte. Deshalb würde sie gerne die Prüfung am Gymnasium Freudenberg machen: «Die haben, glaub ich, Musikklassen. Und der Name klingt nett.» Aber endgültig entschieden hat sie sich noch nicht. «Wie günstig die Verkehrsverbindungen sind, ist ja auch nicht unwichtig.» Wer Hanna reden hört, kann es kaum glauben, nur einem sommersprossigen Mädchen mit Spange und blauen Kinderaugen gegenüberzusitzen. Statt «weiss nicht» sagt sie: «Darüber kann ich Ihnen im Augenblick noch keine Auskunft geben». Vielleicht liegt es daran, dass daheim viel miteinander geredet wird, vielleicht daran, dass sie liest, liest, liest. «Momentan die 3 Fragezeichen. Die Handlung ist spannend und die Hauptfigur vertritt deutlich eine eigene Meinung, das mag ich.» Ihre Mutter lächelt. Sie kennt ihr mitteilsames Mädchen. Gab es Vorbehalte, weil sie als Deutsche einen der begehrten Schweizer Gymi-Plätze anstrebt? Hanna guckt verständnislos. Ihre Mutter nicht. Sie weiss, dass hier manche der Ansicht sind, die Deutschen schnappten sich die begehrtesten Ausbildungsplätze und die besten Jobs. «Diese Ängste sind manchmal spürbar», sagt Susanne Lambrecht. «Aber wenn die Schweiz so wenig Maturanden und Akademiker produziert, ist es kein Wunder, dass die Spitzenjobs in der Wissenschaft in ausländischer Hand sind.» In die engere Auswahl für die Stelle Ihres Mannes seien sechs Leute gekommen: drei Deutsche, ein Australier, zwei Amerikaner, null Schweizer. An der ETH, an der sie selbst zu 50 Prozent als wissenschaftliche Angestellte arbeitet, sei schätzungsweise die Hälfte des Personals aus einem anderen Land. Hanna möchte derzeit Lehrerin werden. Sie mag kleine Kinder. Und die deutsche Sängerin Lena Meyer-Landrut, die hängt gross in ihrem Dachstübchen an der Wand. Neben der Landkarte von Deutschland, dem Pferdeposter und dem Schreibtisch, von dem aus man die alten Bäume im Garten sieht, bei Tageslicht sogar den Uetliberg. Und wenn die Prüfung daneben ginge? «Das wäre schade, weil mir mit einer Matura beruflich mehr Möglichkeiten offen stehen. Aber jeder hat eine zweite Chance.» Präzise Antworten sind kein Problem.


Nico boxt in sein Zimmer

Nico Polli, 12

Fahrräder stehen zwischen den loftartigen Häusern am Winterthurer Sulzer Areal, Kinderwagen mit drei Rädern, wie man sie hat, wenn man jung ist und weiss, was im Trend liegt. Ein bisschen Grün gibt es, Wohnungen mit viel Licht, Katzen mit Stammbaum und ohne. Eine Handvoll Katze ohne wärmt sich am aufgeklappten MacBook, das bei Pollis auf dem Holztisch liegt. Drumherum stehen Bücherregale, ein Buddha und andere Mitbringsel von spannenden Reisen. Nico (12) macht an dem Tisch Hausaufgaben: «Die Kantone der Schweiz und deren Hauptstädte.» Seine Mutter arbeitet auch häufig an dem Tisch. «Bisschen streng gerade», lacht sie und zeigt auf den Laptop. Eigentlich arbeite sie nur 50 Prozent, aber momentan 80? 100? 150 Prozent? Als selbstständige Journalistin schwankt das Pensum, derzeit zeigt es besonders starke Ausschläge nach oben. Und da ihr Mann, ein selbstständiger Webdesigner, auch gerade ein Auftragshoch hat … Tja, dann wirds eben schnell stressig.
Nico wirkt ruhig. Warum er aufs Gymnasium möchte? «Soll interessant sein.» Ob er die derzeitige Schule nicht möge? «Doch.» Ob er vor der Prüfung nervös sei? Kopfschütteln. Was er später werden wolle? Achselzucken. Nico ist ein wortkarges Kind. Und ein gescheites. Eines von den Kindern, die das Technorama in Winterthur nicht deshalb toll finden, weil sich da alles dreht und bewegt, sondern weil Schildchen verraten, was Schallwellen sind und wie Magnetismus funktioniert. Ausserdem spielt er dreimal in der Woche Handball, liest an einem Wochenende schon mal zwei Bücher weg und findet neben den Hausaufgaben noch Zeit, in seinem Zimmer eigenwillige Musikexperimente zu veranstalten, in denen Flöten und Bongos eine tragende Rolle spielen.

Am Gymi soll es interessant sein, hab ich gehört.

Nico

Im neuen Jahr geht Nico in ein Lernstudio. «Ich hab mir die Aufgaben für die Matheprüfung angesehen», sagt seine Mutter.
«Also, die kann ja wohl kein Kind, ohne dass jemand ihm beibringt, wie die zu lösen sind. Bei uns ist die Zeit gerade knapper als Geld. Also bezahlen wir eben den kürzeren Kurs am Lernstudio.» In die schulische Vorbereitung will Nico nicht. «Die läuft während des Unterrichts und wir müssen alles, was wir verpasst haben, nachholen. Ausserdem würde das mit dem Training am Abend dann knapp.» Seine Mutter zuckt die Achseln. Gut findet sie das Geschäft mit der Prüfungsvorbereitung nicht. Und manch anderes auch nicht. Ihr älterer Sohn, der jetzt auf die Sek geht, sei von den Lehrern regelrecht demotiviert worden, als er habe durchblicken lassen, dass er nach der 6.Klasse gerne in die Mittelschule wechseln würde. Bei jedem Fehler hiess es plötzlich: «Tja, solche Fehler dürfen einem Gymnasiasten aber nicht passieren.» Die Prüfung hat der Grosse nicht mehr gemacht. Aller Lernspass, aller Ehrgeiz war weg. «Was soll das? Warum darf man ein Kind im Tennis fördern, aber nicht zugeben, die beste Schulbildung für es zu wollen?», sagt Nicos Mutter und krault das bisschen Katze. Mit übertriebenem mütterlichem Ehrgeiz habe das Lernstudio nichts zu tun. Denn was sollen Eltern tun, die sehen, dass das Kind Forschen interessiert und Stöckli-Rechnen langweilt? Ist es falsch, das Passende für den eigenen Sohn anzustreben? Nein. «Ich glaube, dass Nico im Gymi glücklich würde», sagt Tanja Polli. «Aber wenn er in der Probezeit findet, Handball ist wichtiger als Schule - dann ist das auch okay.» Was andere denken, ist der Mutter schnurz. Und dem Sohn. Seit drei Jahren spielt er Hackbrett. Uncool? Achselzucken.

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