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Humor

Das wäre ja gelacht!

Broccoli mit Augen bedroht Knollensellerie mit beinen aus Rüebli

Zum 100. Mal die Nerven verloren, weil der Nachwuchs sein Zimmer nicht aufgeräumt hat? Nehmen Sie’s mit Humor.

Satiriker, Humorspezialisten und Mütter und Väter sind sich einig: Das Eltern-Leben ist kein Biskuit.
«Wenn Sie schlechte Nerven haben, wird Ihnen das Leben schwer werden», prophezeit zum Beispiel Axel Hacke, Autor von «Der kleine Erziehungsratgeber», werdenden Eltern. Der dreifache Vater rät darum zur gezielten Abhärtung: «Besuchen Sie Dia-Abende und üben Sie jenes intensive Interesse zu heucheln, das Sie zeigen müssen, wenn ein Kind Ihnen im Sandkasten einen braunen Matschkloss unter die Nase hält und sagt: Guck mal, das habe ich gebaut.»
Gestandene Eltern wissen: Sie kommen trotzdem, die Situationen, in denen einem das Lachen vergeht. Der Quengelanfall am Süssigkeitenregal, der Streik beim Zimmer aufräumen, die Staatsaffäre, wenn es etwas Grünes auf den Teller geschafft hat. Genauso vorhersehbar wie die täglichen Aussetzer der lieben Kleinen sind die elterlichen Reaktionen – «Hör sofort auf damit, Sophie!», «Der Dessert ist gestrichen!», «Ich zähl bis drei, Hannes!» Es geht auch anders, sagen Erziehungsfachleute. Mit Humor.
«Wenn sich Ihr Kind zum 150. Mal weigert, sein Zimmer aufzuräumen, können Sie entweder zum 150. Mal herumschreien oder sich in einer ruhigen Minute einmal Gedanken darüber machen, ob es auch die Möglichkeit gäbe, mit einem Augenzwinkern zu reagieren», sagt zum Beispiel Kinder- und Jugendpsychologe Peter Hain. Hain ist Mitbegründer des Vereins Humorcare, der sich der Förderung von Humor in Therapie, Pflege und Pädagogik verschrieben hat. Eine humorvolle Erziehung basiere immer auf einem Verständnis für das Gegenüber und dem Willen, Probleme gemeinsam zu lösen. «Versetzen Sie sich doch einmal in die Situation Ihres Kindes, das vor dem Riesenchaos in seinem Zimmer steht. Vielleicht gelingt es Ihnen dann, sich zusammen mit ihm über die Tatsache aufzuregen, dass das «Sichselbst-aufräumende-Zimmer» noch nicht erfunden wurde.»

Wider den tierischen Ernst

In meinem Kopf jagen sich die Erziehungstipps, die ich bei der Recherche zu diesem Artikel gelesen habe: «Wenn Ihnen Ihr Kind dumme Kuh sagt, schimpfen Sie nicht, machen Sie lieber einmal einen ganzen Tag lang Muuh … Wenn Ihre Tochter wiederholt zu spät nach Hause kommt, bleiben Sie ruhig und lassen Sie sie alle halbe Stunde die Zeit ansagen, wie eine Kirchenuhr …»
Da krieg ich die Krätze, Herr Hain! Wenn mir mein Sohn «dumme Kuh» sagt, bin ich erst mal wütend und hab null Bock auf eine kleine Clowneinlage, und wenn ich ihm mit der Uhr-Nummer käme, würde er sich wahrscheinlich tatsächlich halb tot lachen. Über seine bescheuerte Mutter. Kann ich ihn trotzdem mit Humor erziehen?
«Auf jeden Fall», antwortet Peter Hain gelassen. «Humorvolle Erziehung soll keinen Zwang für die Eltern hervorbringen, ständig witzige Lösungsstrategien entwickeln zu müssen.» Auch dürfe der Wille, mit Humor zu erziehen, nicht dazu führen, Verhaltensweisen der Kinder ins Lächerliche zu ziehen. Es gehe viel mehr um eine Grundhaltung – darum, sich selber nicht allzu ernst zu nehmen. Ins selbe Horn bläst Matto Kämpf, Berner Autor und «Rabenvater»: «Humor ist eine Haltung dem Leben gegenüber. Wer diese Haltung nicht teilt, dem nützt auch das Witze erzählen nichts», sagt er und fügt an: «Ich hätte allerdings viel lieber viel Geld als viel Humor.»

Sagt Ihnen Ihr Kind dumme Kuh, machen Sie einen Tag lang Muuh.

Als Einsteigerübung für jene, die es lieber lustiger hätten, rät Hain, sich hin und wieder zu überlegen, ob die täglichen Machtkämpfe in der Familie wirklich der Mühe wert sind.
«Sie streiten sich mit Ihrer Tochter, weil sie die Gabel immer noch verkehrt rum hält? Glauben Sie wirklich, dieser Makel bleibe ihr bis zum ersten Rendezvous erhalten? Sie ärgern sich masslos darüber, dass Ihr 5-jähriger Sohn immer noch ab und zu in die Hose pinkelt? Befürchten Sie, er wird sein Maturazeugnis mit durchnässten Hosen entgegennehmen?»
«Vögel wollen fliegen, Bienen wollen summen. Kinder wollen fernsehen», antwortet Harald Martenstein, «Zeit»-Kolumnist und Autor des Buches «Wie ich meinem Kind die Welt erkläre», auf die Frage: «Was tun, wenn Kinder von der Glotze nicht wegzubringen sind?» Und drückt damit aus, was auch Peter Hain am Herzen liegt: «Wer es schafft, ab und zu einen Schritt zurück zu machen und das Leben und die eigene Erziehung von der humoristischen Seite zu betrachten, hats leichter.»

Monster aus nicht aufgeräumte Kinderspielzeug

Blödeln statt trödeln: Und gleich ist die Stimmung viel aufgeräumter.

Humor hält gesund

Lehrmeister können in dieser Angelegenheit durchaus die Kinder sein. Der deutsche Arzt und Kabarettist Eckhart von Hirschhausen, bekannt dafür, medizinische Tatsachen humoristisch zu verbraten, schreibt in einer seiner Kolumnen: «Kinder lachen 400-mal am Tag, ein Erwachsener nur noch 20-mal, ein Toter gar nicht.»
Worüber die Kinder denn lachen, ist schlecht erforscht. Während die Forschung zum Humor im Erwachsenenalter floriert, gibt es nur wenige wissenschaftliche Informationen zum Sinn für Humor von Kindern und Jugendlichen sowie zu Faktoren, die dessen Entwicklung beeinflussen. Einer der wenigen, die sich intensiv damit befasst hat, ist der Pädagoge Joachim Schreiner. Schreiner ist der Meinung, dass Kinder bereits mit zwei, drei Jahren einen Sinn für Humor entwickeln. «In diesem Alter», sagt er, «hat das Kleinkind erste Vorstellungen der Realität von Dingen erworben. Abweichungen von dieser Normalität können es zum Lachen bringen.» Im selben Alter würden Kinder auch zu unterscheiden lernen, was Eltern ernst meinen und was nicht. Und dann kommt sie, die Phase, in der Eltern ganz viel Humor aufbringen müssen: Im Kindergartenalter lachen Kinder bevorzugt über Wörter aus der Fäkalsprache. Sie wissen schon – Pipi, Gaggi, Furz & Co.

Wie gesagt, liebe Eltern, das Leben mit Kindern ist kein Biskuit. Freuen Sie sich trotzdem daran! Diverse Studien belegen, dass Menschen mit einem «sense of humor» gesünder sind, beliebter und glücklicher. Die Pipi, Gaggi, Furz & Co-Phase geht vorbei. Versprochen. Halten Sie sich bis dahin selber mit ein paar guten Witzen bei Laune. Zum Beispiel mit diesem: Marilyn Monroe flüstert Albert Einstein ins Ohr. «Wir sollten ein Kind machen. Stellen Sie sich vor, meine Schönheit und Ihre Intelligenz.» Einstein überlegt kurz: «Stellen Sie sich vor, es kommt umgekehrt!»

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