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DAB! Alles klar, Alter?

Dabbende Kinder

Pose hier, Pose da. Was soll eigentlich dieses Dabbing? Das wissen nicht mal die Kids und Teenies so genau, die bei jeder Gelegenheit dabben.

«... und dann die Hände zum Himmel – komm lass uns fröhlich sein.» Mist, es ist offiziell, ich bin alt. Ich leite einen Blog über ein Teenie-Alltagsphänomen mit einem Schlagerlied-Zitat ein (einzig mildernder Umstand: Ich kenne dieses vor allem vom Mitgröhlen am Oktoberfest). Aber eigentlich trifft es die Sache ziemlich genau, denn ich fühle mich alt, wenn ich all die Teenies sehe, die bei jeder Gelegenheit, den einen Arm auf zwei oder zehn Uhr recken und ihr Gesicht in die Ellenbeuge des anderen vergraben. Dabbing nennt sich das Ganze. Und es grassiert auf Schulhöfen, Kinderzimmern und eigentlich überall sonst auch. Nicht nur die Teenies haben einen Narren daran gefressen, ihre jüngeren Geschwister machen es ihnen nach.

Wer ein Tor geschossen hat, dabt. Wer eine richtige Antwort gegeben hat, dabt. Wer eine falsche Antwort gegeben hat, aber meint, eine richtige Antwort gegeben zu haben, dabt. Wer einen Bottle Flip geschafft hat, dabt. Wer einen tollen Dab geschafft hat, dabt vielleicht gleich nochmal. Wer andere dabben sieht, dabt. Es soll also wohl in irgendeiner Form vermitteln: «Ey, Leute, schaut mal, wie gut ich das gemacht habe.» Aber ein bisschen «haha, verarscht!» schwingt auch mit, denn es existieren Hunderte und Tausende von Foto- und Video-Bombs mit der ominösen Dab-Pose, die ähnlich aussieht wie Usain Bolts Sieger-Pose, aber – Gott bewahre! – nicht dasselbe ist.

Das Interessante daran: Es ist nicht so, dass nur wir Eltern und Erwachsenen das Gedabbe nicht verstehen, nein, selbst die Dabber wissen nicht, was das eigentlich soll, wie eine, zugegeben, kurze Recherche zeigt. Jeder schaut vom anderen ab: Giusi hats von Juri, der es im Fernsehen bei einem Footballspieler gesehen hat und dieser hat es vielleicht von jemand anderem. Klar scheint, dass der Move aus der Hip Hop-Kultur stammt. Alles andere ist nicht verlässlich überliefert.

Anscheinend hat Rapper OG Maco die Erfindung des Dabs für das Trio Migos beansprucht, obwohl tatsächlich Skippa da Flippa den Move hervorgebracht hatte. Bow Wow behauptete ausserdem, Dab habe etwas mit Cannabis zu tun. Alles klar? Macht nichts. Nicht nur, weil mit grosser Wahrscheinlichkeit auch all die kleinen Mini-Dabber das weder wissen, noch verstehen. Sondern auch, weil es überhaupt keinen Unterschied macht. Der Dab ist da. Und er verschwindet erst wieder, wenn irgendjemand anderes eine seltsame Bewegung macht, die von einem Kollegen auf einem Youtube-Video verewigt wird, sich verbreitet, kopiert wird und einen Trend auslöst, der sich zuerst in den USA manifestiert und dann, ein, zwei Jahre später, sich auch bei uns durchsetzt und Eltern ratlos zurücklässt. Alles völlig normal. Und ja, auch DU bist alt.


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