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Corona-Impfung

Corona-Impfung für Kinder?

Zuerst die Jugendlichen ab zwölf Jahren, dann Kinder ab sechs Monaten: Die Covid-19-Impfung soll bald auch für die Jüngsten verfügbar sein. Wie sinnvoll und nötig ist das? Eine Kinderärztin und ein Kinderarzt äussern in einem Pro und Kontra unterschiedliche Ansichten.

In den USA werden Jugendliche ab zwölf Jahren seit Anfang Mai 2021 gegen Covid-19 geimpft. In der Schweiz hat Swissmedic die mRNA-Imfpfung von Pfizer-Biontech für 12- bis 15-Jährige am 4. Juni zugelassen. Zunächst wurde die Impfung nicht allen empfohlen: Gemäss Medienmitteilung vom 22. Juni empfehlen das Bundesamt für Gesundheit und die Eidgenössische Kommission für Impffragen die Covid-Impfung «besonders Jugendlichen, die wegen einer chronischen Erkrankung bereits stark beeinträchtigt sind und möglichst jede zusätzliche Infektion verhindern möchten». Wertvoll sei die Impfung zudem für all jene, die mit einer immungeschwächten Person zusammenleben. Am 9. August 2021 hat Swissmedic auch den Impfstoff Spikevax von Moderna für 12- bis 17-Jährige zugelassen. Ende August 2021 hat das Bundesamt für Gesundheit eine generelle Impfempfehlung für Kinder ab 12 Jahren ausgesprochen. Im Wortlaut: «Allen Jugendlichen ab 12 Jahren wird die Impfung empfohlen. Mit der Impfung können sie sich gegen häufige milde und sehr seltene schwere Covid-19-Erkrankungen schützen. Ebenfalls können negative Auswirkungen von Massnahmen (z.B. durch Isolation/Quarantäne) sowie die Folgen häufiger Exposition (z.B. in Schule/Freizeit) vermieden werden.»

Damit müssen sich auch Eltern in der Schweiz überlegen, ob und zu welchem Zeitpunkt sie ihre Kinder impfen lassen wollen. Weiter unten in diesem Artikel liefern zwei Kinderärzte, Christoph Aebi und Regina Müller, Argumente Pro und Kontra Corona-Impfung für Kinder.

Der erreichte Impfschutz bei der Altersgruppe der 12- bis 15-Jährigen liegt laut Angaben des Herstellers Pfizer-Biontech nach der zweiten Dosis bei 100 Prozent.

Die häufigsten, in den Studien beobachteten Nebenwirkungen waren Schmerzen an der Injektionsstelle (84,1%), Müdigkeit (62,9%), Kopfschmerzen (55,1%), Muskelschmerzen (33,3%), Schüttelfrost (31,9%), Gelenkschmerzen (23,6%), Fieber (14,2%), Übelkeit (1,1%), Unwohlsein (0,5%) und Schwellung der Lymphknoten (0,5%).

Nach der Zulassung wurde auch von schweren allergischen Reaktionen berichtet, schreibt Pfizer-Biontech auf seiner Website. Bereits in den Studien mit Erwachsenen zeigte sich, dass die Probanden mehr und stärkere Nebenwirkungen hatten, je jünger sie waren, was jedoch auf eine gute Immunantwort schliessen lässt. Weiter ist auf pfizer.com zu lesen: «Zusätzliche Nebenwirkungen, von denen einige schwerwiegend sein können, können bei einer breiten Anwendung des Pfizer-Biontech Covid-19-Impfstoffs auftreten.»

Auch Kinder impfen?

Schon im März 2021 haben Pfizer-Biontech und Moderna nun auch Studien mit Kindern zwischen sechs Monaten und zwölf Jahren begonnen. Erste Resultate werden in den Sommermonaten erwartet. «Zu einer Zulassung wird es bei uns jedoch erst 2022 kommen», sagt Christoph Aebi, Mitglied der eidgenössischen Impfkommission.

«Ob eine Impfempfehlung für Kinder ausgesprochen wird, hängt einerseits davon ab, wie wirksam und sicher die Impfung für Kinder ist, anderseits wird auch eine Rolle spielen, wie sich die Krankheitsaktivität im kommenden Herbst und Winter entwickelt.»

Milde Verläufe bei Kindern

In einem sind sich international sämtliche Fachleute einig: Covid-19 verläuft bei Kindern und Jugendliche in den allermeisten Fällen mild. Nach einer Infektion zeigt nur etwa jedes dritte Kind Symptome und etwa ein bis zwei Prozent müssen im Spital behandelt werden. Sehr selten kommt es zu einem Multientzündungssyndrom, genannt PIMS.

Seit Covid-19 im Februar 2020 in der Schweiz das erste Mal nachgewiesen wurde, starben in der Altersgruppe der 0- bis 19-Jährigen insgesamt drei Personen. Mittlerweile weiss man, dass auch Kinder von Long-Covid betroffen sein können. Laut der Ciao-Corona-Studie der Universität Zürich kann davon ausgegangen werden, dass zwei Prozent der infizierten Kinder drei Monate nach Ausbruch der Krankheit noch Symptome hat.

In der Ciao-Corona-Studie hat die Uni Zürich 2500 Schulkinder aus 55 Schulen auf Antikörper gegen das Coronavirus getestet: im Juni und im Oktober 2020 sowie im April 2021. Dabei zeigte sich, dass jedes fünfte Kind bis April 2021 Antikörper gebildet, eine Covid-19-Infektion also durchgemacht hat. 80 Prozent behielten die Antikörper über sechs Monate.

«Es ist möglich, dass Kinder mit durchgemachter Infektion trotz fehlender Antikörper durch andere Abwehrmechanismen des Körpers wie T-Zellen vor einer Wiederansteckung geschützt sind», ergänzt Studienleiterin Susi Kriemler. Wer Antikörper hat, braucht also vorerst keine Impfung. Der Immunitätstest muss, anders als die Impfung, allerdings selbst bezahlt werden.


«Diese Impfstoffe haben ein äusserst cleveres Konzept»

Pro-Argumente von Christoph Aebi

«Als Kinderarzt und Infektiologe bin ich froh, wenn dereinst auch Kinder gegen Covid-19 geimpft werden können. Weil Kinder aber selten schwere Symptome entwickeln, müssen Sicherheit und Verträglichkeit des Impfstoffs wirklich hoch sein, damit wir eine allgemeine Impfempfehlung aussprechen können.

Es gibt zwei Hauptgründe, die für eine Impfung der Kinder sprechen: Einerseits kann so ihr Individualschutz optimiert werden, denn auch unter Kindern gibt es ein Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Das systemische Entzündungssyndrom PIMS, das bei Kindern wenige Wochen nach einer Ansteckung mit dem Virus auftreten kann, ist glücklicherweise ein seltenes Ereignis und hat in der Schweiz bisher noch zu keinem Todesfall geführt.

50 Prozent der Betroffenen sind jedoch so schwer krank, dass sie auf der Intensivstation behandelt werden müssen, um den Zustand zu überleben. Die Häufigkeit von PIMS ist vergleichbar mit anderen seltenen Erkrankungen, die wir mit dem regulären Impfplan verhüten.

Anderseits können Kinder auch wichtig sein, um eine Herdenimmunität zu erreichen beziehungsweise die Pandemie zu kontrollieren. In der Tat wissen wir im Moment nicht, wie lange die Impfung vor einer Ansteckung schützt. Wie nach einer durchgemachten Infektion gehen die Antikörper auch nach der Impfung langsam zurück. Nimmt der Impfschutz bei der älteren Generation ab, kann es gerade für Familien eine zusätzliche Sicherheit sein, wenn die Kinder geimpft sind.

Bevor es zu einer Zulassung beziehungsweise zu einer Impfempfehlung für Kinder kommt, müssen wir nun die Daten der Zulassungsstudien genau analysieren. Dazu müssen wir uns genügend Zeit lassen und nichts überstürzen. Wir wissen, dass Kinder sehr ausgeprägt auf einen entzündlichen Stimulus reagieren und auch bei der Covid-19-Impfung zeigt sich, dass junge Menschen stärkere Impfnebenwirkungen haben als ältere.

Fieber beispielsweise und damit das Risiko für Fieberkrämpfe können auftreten, je kleiner die Kinder sind, desto häufiger. Das ist zwar nicht gefährlich, aber für das Kind selbst sehr unangenehm und auch für die Eltern ein Stress. Mit welcher Minimal-Dosierung wir einen Impfschutz erreichen, interessiert mich deshalb sehr.

Es stimmt, dass wir bezüglich Langzeitfolgen der Impfung nichts wissen – so wenig wie wir über die Langzeitfolgen von Covid-19 wissen, von welchen ja auch Kinder betroffen sind. In der Schweiz werden für Kinder voraussichtlich nur die mRNA-Vakzine von Pfizer-Biontech und Moderna zugelassen.

Diese Impfstoffe haben ein äusserst cleveres Konzept. Wäre meine Tochter noch klein, würde ich sie damit impfen. Nach allem, was wir bis jetzt wissen, sieht es auch nicht danach aus, dass es durch die Impfung zu einer Resistenzbildung der Viren und damit zu aggressiveren Mutationen kommen wird. Die Varianten, die wir bisher haben, sprechen gut an auf den Impfstoff.

Wir müssen uns bewusst sein, dass wir längerfristig mit grösster Wahrscheinlichkeit nur die Wahl haben zwischen der Impfung oder der Krankheit selbst. Zurzeit ist es so, dass für die Kinder und Jugendlichen die Pandemiemassnahmen deutlich verheerendere Folgen haben als die Krankheit selbst. Es ist deshalb auch in ihrem Interesse, dass sich das soziale Leben normalisiert, dass die Maskenpflicht wegfällt.

Was mir Sorgen macht, ist, wenn im Schulalltag unterschieden werden würde zwischen geimpften und ungeimpften Kindern. Der Bundesrat hat sich ganz klar dagegen ausgesprochen, das Impfzertifikat auf die Schule auszuweiten. Das finde ich absolut richtig und wichtig.»


«Die Kinderstudien sind viel zu kurz»

Kontra-Argumente von Regina Müller

«Ich biete die Impfung in meiner Praxis nicht an, solange ihre Unschädlichkeit nicht einwandfrei nachgewiesen ist. Das wird, wenn überhaupt, wohl eher in ferner Zukunft sein.

Die klinische Überprüfung eines Impfstoffs bei Kindern ist eine besondere Herausforderung. Normalerweise dauern Impfstudien mehrere Jahre, doch mit der Covid-19-Impfung ging alles ganz schnell; ich traue der Sache nicht. Auch die Kinderstudien, die jetzt am Laufen sind, sind eigentlich viel zu kurz. Ich frage mich, ob die Sorgfaltspflicht bei allen Schritten wirklich erfüllt wird.

Kinderstudien sind auch ein ethisches Problem, umso mehr, wenn die Krankheit, vor der die Kinder geschützt werden sollen, für sie kaum gefährlich ist. So fragt es sich, ob wir es verantworten können, Säuglinge und Kinder den Belastungen solcher Studien auszusetzen.

Man stelle sich nur kurz vor: Die Kinder werden zu Studienzwecken mit unterschiedlich hohen Dosen geimpft, um herauszufinden, welche Dosierung für welches Körpergewicht zu verantworten ist und gleichzeitig zu einem möglichst hohen Immunschutz führt. Blutentnahmen sind erforderlich, die Ansteckung mit dem Virus, Nebenwirkungen werden in Kauf genommen.

Eine weitere grosse Sorge ist, dass wir noch gar nicht wissen, was genau die Impfung bewirkt. mRNA-Impfstoffe werden als moderne und elegante Lösung angepriesen. Es sind jedoch neuartige Vakzine, von denen niemand genau weiss, wie sie sich langfristig verhalten.

Wer garantiert uns, dass unser Immunsystem so reagieren wird, wie die Pharmabranche sich das vorstellt? Was, wenn unser Körper nach wiederholten Impfungen nicht mehr zwischen «fremd» und «eigen» unterscheiden kann – eine Reaktion, die wir bei Autoimmunkrankheiten haben. Das Immunsystem ist derart komplex, sogar Immunolog* innen sagen, dass sie vieles noch nicht verstehen.

Ich bin deshalb überzeugt, dass Kinder nur geimpft werden sollten, wenn sie durch eine Infektion selbst mehr gefährdet sind als durch deren Impfung. Wir als Ärzt* innen sind verpflichtet, in erster Linie keinen Schaden zu verursachen. Jede Impfung ist eine Verletzung und manipuliert per se das Immunsystem.

Ich impfe differenziert. In meiner Praxis bespreche ich mit den Eltern ihre individuellen Gesamtumstände, ihre Bedürfnisse und auch ihre Befürchtungen. Ich berate – am Ende sind es jedoch immer die Eltern, die entscheiden, und nicht die Behörden.

Wer Impfungen befürwortet, behauptet, dass Impfwillige sich solidarisch zeigen mit den Vulnerablen. Der Scheinwerfer wird dabei vorwiegend auf Menschen mit Immunschwächen gerichtet, zu denen per Definition auch die Betagten gehören. Vulnerabel sind jedoch die Kinder und Jugendlichen in ihrer Gesamtheit!

Meine Aufgabe als Kinder- und Jugendärztin ist es, solidarisch in erster Linie mit ihnen zu sein. Diese Perspektive wird zurzeit von der Politik, der Presse und weiten Teilen der Gesellschaft ausgeblendet. Die Kinder und Jugendlichen leiden vor allem unter den Massnahmen gegen Covid-19, so auch unter der Maskenpflicht.

Migräne, Müdigkeit, Schwindel und Atemprobleme treten gehäuft auf, ganz zu schweigen von den psychischen und sozialen Folgen des Distanzhaltens. Dazu kommt, dass wir dieser Generation auch die finanzielle Last der Pandemiemassnahmen aufbürden. Und jetzt wollen wir ihnen noch eine Impfung zumuten, für die wir keine Langzeitdaten haben – gegen eine Krankheit, die sie nicht im Mindesten bedroht. Wir treten den Generationenvertrag mit Füssen. Dagegen wehre ich mich.

Wer weiter denkt, erkennt, dass unser Konzept von Solidarität egoistisch ist: Wie wäre es, wenn wir den Risikogruppen empfehlen, selbstverantwortlich und aus Solidarität mit der übrigen Bevölkerung sich selbst zu schützen? Den danach noch verfügbaren Impfstoff könnte man nach Bedarf den Risikogruppen bedürftiger Länder zur Verfügung stellen – und so dem Rest der Menschheit und unseren Kindern die Beugehaft ersparen.»

Dieser Artikel wurde am 03.09.21 aktualisiert.

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