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Zur Brücke und zurück

Brücke des 25. April

In der Ferne ähneln Besuche aus der Heimat manchmal wieder den Schulfreundschaften, die sie einst waren.

Es klingt wie ein Schwarm gigantischer Wespen, von weitem, aber als wir näher kommen, wird aus dem Summen ein Rattern. Ein unermüdlicher Strom aus Fahrzeugen passiert über unseren Köpfen eine Spur aus Metallgittern. Wir schauen hoch zur roten Brücke, die ein wenig aussieht wie die Golden Gate Bridge in San Francisco. Einst war sie nach Salazar benannt, dem Diktator, der Portugal über Jahrzehnte in festem Griff hielt und dessen Treiben das übrige Europa wenig kümmerte, ja, von dem viele nicht einmal zu wissen schienen; heute trägt sie das Datum, an dem die Portugiesen dem Regime ein Ende setzten. Nur bis zur Brücke des 25. April und zurück, haben wir gesagt, also, ich sagte das, denn das letzte Mal Joggen war ich, als ich noch keine Ahnung davon hatte, was etwa Stilleinlagen sind und dass ich diese eines Tages in meinen Sport-BH würde stecken müssen. Geschweige denn davon, was es bedeutet, wenn man diese Stilleinlagen für einmal vergisst und, sagen wir, während des Gesprächs mit ein paar Lokalpolitikern über dringend anstehende Sanierungsarbeiten an der städtischen Infrastruktur plötzlich merkt, dass sich auf der grünen Bluse, die man eigens für diesen Anlass noch gebügelt hatte, langsam ein dunkelgrüner Fleck ausbreitet. Und dann noch einer. Aber ich weiche vom Thema ab. Und überhaupt ist diese Geschichte erfunden.

Wir laufen also in gemächlichem Tempo zurück, sie und ich, der Weg führt dem Fluss entlang, andere Menschen in Sportbekleidung ziehen an uns vorbei, wir überholen einheimische Spaziergänger und schlendernde Touristen, immerhin. Wie haben wir beide Sport gehasst, als wir noch am Gymnasium waren, sie, die alles andere, was sonst so Schulfächern auf dem Lehrplan stand, mit links schmiss, ich, die sich, in ihrem Schatten zwar, auch ganz gut schlug. Wie oft haben wir damals nach Schulschluss unsere Probleme seziert oder das, was wir für solche hielten. Nach der Matura verloren wir uns aus den Augen, es sollte Jahre dauern, bis wir uns wieder begegnen würden, kurze Momente der Nähe wechselten sich ab mit langen Pausen des Schweigens, ganz riss der Faden der Freundschaft trotzdem nie ab. Und jetzt ist sie ist eine der ersten, die uns in unserem neuen Zuhause besucht, ein paar Tage nur ist sie hier, aber so viel Zeit haben wir nicht mehr zusammen verbracht, seit wir gemeinsam auf Prüfungen lernten.

Als wir zu Hause ankommen, ist es schon dunkel. Ich gebe dem Kleinen rasch und noch schwitzend die Brust, während mein Mann dem Grossen eine Gutenachtgeschichte erzählt und meine Freundin in der Küche Gemüse schnippelt. Sie hat die kleine Musikanlage aus dem Wohnzimmer neben sich auf die Ablage gestellt, Frank Sinatra begleitet nun ihre routinierten Handgriffe. Wenig später sitzen wir zu dritt am grossen Esstisch im Wohnzimmer, wir essen Reis mit Gemüse und trinken dazu ein Glas Wein, die Hitze des Tages hat einer sanften Brise Platz gemacht und das Toben der Kinder einer Ruhe, die sich anfühlt wie ein Federbett. Wir reden über dies und das, und ja, auch darüber, was uns schwierig erscheint im Leben. Es ist noch längst nicht alles gesagt, als wir uns Gute Nacht wünschen. Aber das macht nichts. Morgen ist ja auch ein Tag.

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