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Fitnessprogramm für Papa

Vater und Sohne joggen am Strand, von der Kamera weg

«Und wer isst jetzt den Teller leer?!» Meistens Papa, auch wenn er keine Lust dazu hat. Jetzt ist Schluss damit!

«Ich muss hier raus!» Zugegeben, es gibt einhundert und mehr bessere Gründe, sich in Form zu bringen und gesünder zu ernähren, aber genau das ist der Hauptgrund, warum ich wieder mit Sport angefangen habe und neuerdings meine Vorliebe für Obst und Gemüse wiederentdeckt habe. Aber ich will nicht vorgreifen. Erst einmal gepflegt über alles jammern. Die täglichen Routinen zum Beispiel. Gut, man wird ein bisschen mit der Chefin von dem Ganzen schwanger, hängt entspannt auf dem Sofa rum und schaut Serien, auf die man nur mit einem Ohr hört, weil das andere auf ihrem Bauch liegt – nicht, dass man da noch etwas verpasst. Herbst und Winter sind jetzt auch nicht zwingend meine bevorzugten Jahreszeiten, um draussen ordentlich in Schwung zu kommen. Und dann nimmt man halt ein paar Pfunde zu, alles kein Problem. Aber das Baby fesselt einen so richtig ans Haus. Man kommt nicht raus und alle wirklich interessanten Tätigkeiten lassen sich nicht in Babys Nickerchen unterbringen. Zumindest wird man nie fertig. Aber essen kann man noch. Und wenn man obendrein passabel kocht, teilt sich die dunkle Jahreszeit in Mahlzeiten ein und lässt sich so ganz gut überstehen. Spaziergang mit Theo. Arzttermine. Arbeitstermine. Alles schön und gut, aber so richtig Bewegung ist das nicht. Und dann dieses ständige Futtern. Mit Kindern isst man eigentlich ständig mit. Mal ganz abgesehen von den Omas, die erwarten, dass man die Teller seiner Kinder leer macht. Irgendwie entwischt einem immer die Gelegenheit zu sagen, dass man überhaupt keine Torten mag. Dass man auch über die Weihnachtsfeiertage nicht auf «16 Uhr: Kaffee und Kuchen» steht. Und wo wir schon bei ketzerischen Geständnissen sind: Ich mag noch nicht einmal 3 Mahlzeiten am Tag. Viel Essen macht mich müde. Reichhaltiges Essen macht mich schlapp. Ich spüre die Energie aus mir herausfliessen und sehne mich nach ausgiebigen Bädern, Kaminfeuern, einem Buch oder vielleicht sogar nach einem Nickerchen. Mit drei Kindern habe ich dazu natürlich die besten Voraussetzungen. NICHT!

Also nutze ich den Urlaub in der Grossfamilie schamlos aus, um nicht ständig zu essen. Es ist ja immer jemand da, der für die anderen kochen und mit ihnen essen kann. Die ersten Tage erinnern mich stark an die Zeit, als ich meiner Umwelt mitteilte, dass ich kein Alkohol trinke.

«Ach du musst noch fahren?»

«Nein.»

«Morgen früh raus, gell?!»

«Nicht wirklich.»

«Hattest du mal ein Alkoholproblem?»

«Nein, ich trinke einfach nur nie Alkohol.»

In der Übersetzung:

«Wie, du willst nichts essen?» «Du kannst doch nicht nur so wenig essen?!»

«Doch, und so wenig ist das gar nicht.»

Und wenn schon überall Omas, Opas, Tanten und Onkel zur Verfügung stehen, könnte man sich doch mal kurz für ein bisschen Sport verdrücken. Nach dem Urlaub komme ich sogar dazu, joggen zu gehen. Die Grossen machen noch ein bisschen eigenes Ferienprogramm, das Baby ist zu zweit überhaupt kein Problem. Fünf Tage lang können die Tausendschöne und ich lauter Sachen essen, die die Kinder uns mit ihren Blicken vergiften würden: Randen. Spinat. Käse mit Geschmack. Ganz viel leckeren Salat. Als er zurückkommt, überrascht mich mein grosser Sohn. Er will mitlaufen. Ich bin kurz davor mit den Augen zu rollen, aber la mamma verfügt telepathisch, dass das so gemacht wird. Also laufen wir drei, vier Kilometer. Emil macht das ganz grossartig. Beim Duschen dann die Frage: «Papa, morgen wieder?» Ist geritzt.

Vatersein, das scheint mir also der Zustand zu sein, indem man trotz eines relativen Bewegungsdranges so unbeweglich wird, dass man schon in eine mittlere Panik verfällt, wenn man auf dem Sofa liegt und niemand da ist, der einem die Apfelschorle auffüllt. Und eben auch der Zustand, in dem der achtjährige Sohn unverhofft zum Laufpartner wird.

Mal schauen, was noch so passiert.

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