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Emigration light

Eine Strasse in Lissabon

Die ersten Tage in Portugal verbringen wir noch fernab von Lissabon. Hier wird uns der Neuanfang erst einmal leichtgemacht.

Mein Mann kocht Spargelrisotto und Nudeln nach asiatischer Art, immer riesige Töpfe voll, das muss er von seiner Mutter haben, mein Vater spült Geschirr und zieht den Staubsauger von Zimmer zu Zimmer, ich lege mich hin, um gleich wieder aufzustehen, irgendwas muss noch erledigt werden, beantragt, organisiert. Es ist erst ein paar Tage her, seit wir zum zweiten Mal Eltern geworden sind, die Abläufe funktionieren, auch in der kleinen Wohnung meines Vaters in Zürich, in der wir zwischenzeitlich wohnen, aber die Ruhe, den Raum, den wir beim ersten Kind hatten, der geht uns dieses Mal abhanden. Kommt vorbei, sage ich allen auch noch, die mir lieb sind, schaut euch das Baby an, auf einen letzten Kaffee, den nächsten dann in Portugal, gell. Es ist alles zu viel und doch nichts genug. Es ist Zeit zu gehen.

Eine Nacht lang und einen Tag sind wir unterwegs: In Frankreich bleiben wir für ein paar Stunden in einem Hotel, wir sind in Bordeaux, das habe ich mir aber anders vorgestellt, denke ich, als wir an einförmigen Wohnsiedlungen vorbeifahren, der graue Morgen macht es nicht besser; das hübsche Stadtzentrum entdecken wir erst, als wir uns wieder auf den Weg machen. In Spanien halten wir an einer Tankstelle in der Nähe von Bilbao für ein spätes Mittagessen, unser Grosser springt einem Ball nach und wir ihm, auf dem Weg zurück zum Auto lasse ich die Babydecke fallen, die ich gerade erst gestrickt hatte, aber merken werde ich das erst viel später.

Und dann, endlich: Portugal. Es ist beinahe Mitternacht, als wir bei meinen Schwiegereltern ankommen, hier werden wir die ersten Tage unseres neuen Lebens verbringen. Es dauert keine Viertelstunde, bis sich die Verwandtschaft meines Mannes im Wohnzimmer versammelt hat. Unsere Kinder werden gefeiert wie Ortsheilige, eine der Grosstanten lässt gleich Badewasser einlaufen, die andere gräbt in unserem Auto nach Kinderpjyamas. Hände, die helfen, überall, wir sinken erleichtert in die Couch. Die Kleinstadt fernab von Lissabon drosselt das Tempo der vergangenen Wochen, die Tage vergehen wunderbar ereignislos, mit Spaziergängen auf kaum befahrenen Nebenstrassen, am späteren Nachmittag steuere ich den Kinderwagen jeweils zu einer der Tanten meines Mannes, dort gibt es Milchkaffee und bauchige Croissants, gefüllt mit Schinken und Käse, ich freue mich jeden Tag darauf. Ich vermisse ein Zuhause, das ganz meins ist, ja, meine Möbel, die in Lissabon auf uns warten, meine Bücher (für die ich keine Zeit haben werde), meine Tassen und Teller. Aber eine Woche kann das alles ruhig noch warten.

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