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Der gestreckte Zeigefinger

Finger auf einem iPad

Die schöne neue Welt von Smartphone und Tablet: Enkel und Opi reden per Videochat miteinander.

Da klingelt was. Und es ist noch morgen früh. Nicht einfach nur das Telefon, nein ein Videochat. Ist ja heute auf Smartphones und Tablets kein Problem mehr. Lio ist am Apparat und will guten Morgen sagen. Der weiss, wie und wo er drücken muss, dass er Opi am anderen Ende hat. So einfach ist das und man sieht sich wieder.

Meine Grossmutter im Südtirol habe ich - wenn es hochkam - einmal im Jahr gesehen, wenn wir im Sommer in der Heimat meiner Mutter Ferien machten. Ansonsten vielleicht ein vergilbtes Foto, das zu Hause herumgeisterte. Fotos waren damals Mangelware.

Das ist heute ja ziemlich anders: Tausende von Bildern schlummern auf Handys, Tablets, in Sozialen Netzwerken usw. Geknipst, um Erinnerungen festzuhalten, Bilder die man schön findet oder lustig oder speziell. Dazu Terabytes von Videos aus und in allen Lebenslagen.

Wenn ich vergessen würde, wie meine Enkel aussehen: Ein Knopfdruck und schon sind sie auf dem Bildschirm. Und wenn das Bild aus der Konserve nicht genügt… Eben: Videochat.

Jetzt seh ich sie schon, die Zeigefinger: «So klein und schon mit all dem elektronischen Gerät.» Ja ich kenn die Bedenken und Empfehlungen. Ich hab da eine pragmatische Haltung. Manchmal scheint mir, als wäre Lio mit dem ausgestreckten Zeigefinger geboren worden. Die Kleinen lernen den Umgang mit all diesen neuen Geräten in Windeseile. Und warum auch sollen sie das nicht lernen? Schliesslich wachsen sie in eine Welt hinein, aus der all die elektronischen Hilfsmittel und Gadgets nicht mehr weg zu denken sind. Da ist es ja wohl besser, sie wissen wie sie funktionieren und wie man sie sinnvoll nutzen kann.

Ich bin mit dem Radio aufgewachsen und erinnere mich an viele spannende Hörspielabende. Ich geh mal davon aus, damals gab es warnende Stimmen, die sagten, das überfordere die psychologische Entwicklung von Kindern. Die gleichen Stimmen waren zu hören als meine Kinder aufwuchsen - diesmal hiess das Medium Fernsehen.

Und heute? Tablet. Smartphone. Watch usw. Damit werden meine Enkel gross.

Natürlich darf man sie mit all diesen Geräten nicht alleine lassen. Als Hütemädchen taugt das Tablet genauso wenig wie einst der Fernseher. Und das kreativ konzentrierte Spiel mit der schönen alten Holzeisenbahn ersetzen die vielen Spiel-Apps darauf auch nicht.

«Opi, gehen wir baden?»

«Gern Lio, ich hol dich nachher ab.»

Und schon beendet er das Videogespräch - mit dem ausgestreckten Zeigefinger.

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