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Das Part-Time-Paradoxon

Vater im Clinch

Es scheint so logisch, so gerecht und so einfach. Doch der Versuch, gleichberechtigt den Haushalt zu schmeissen und zu arbeiten, bleibt unbefriedigend.

Für mich war es von Anfang an «Part of the deal»: Wenn ein Kind, dann bin ich richtig dabei. Ich wollte ein Vater sein, der nicht erst nach Hause kommt, wenn das Baby schon schläft. Ich wollte ein Vater sein, der nicht nur am Wochenende mit dem Kinderwagen herumläuft. Kurz: Ich wollte ein Teilzeit-Hausmann sein. Das bedingte auch: Teilzeit-Angestellter und ergo Teilzeit-Verdiener. In der Theorie sah das sehr gut aus und fühlte sich auch gut an. Nach knapp 1,5 Jahren 40%-Hausmann-Dasein bin ich jedoch ernüchtert, denn die Teilzeit-Lösung ist eine «Ja, aber...»-Lösung. Aus folgenden Gründen:

  • Die Doppelbelastung Büro-Arbeit/Haus-Arbeit ist grösser als erwartet. Einerseits muss ich mich immer wieder auf das Andere einstellen, etwa vom mental geforderten Bürolist zum mental unterforderten Papi, andererseits habe ich oft den Eindruck, dass ich weder richtig hier, noch richtig da bin.
  • Gleichberechtigt heisst auch: einen Teil der ungeliebten Hausarbeit übernehmen. Ich hätte nicht gedacht, dass mir das so schwerfallen würde. Hat die Partnerin dann auch noch eine konkretere Vorstellung von Hygiene als man selbst, wird es noch anstrengender.
  • Teilt man wirklich alle Aufgaben, verschwinden die Geschlechterrollen. Das ist im Prinzip gut, faktisch bedeutet das aber auch, dass vieles (wenn nicht alles) neu verhandelt werden muss. Zitat Freundin: «Warum muss ich mich eigentlich immer um die Arzttermine fürs Baby kümmern?» Ehrlicherweise muss ich sagen: «Stimmt eigentlich...»
  • Dass sich eine stimmige Aufteilung nach Schema 50%-50% oder 60%-40% ergibt, ist ein reiner Glücksfall. Schliesslich wollen zwei flexible Arbeitgeber gefunden werden, die indirekt harmonieren. Und selbst dann bleiben Fragen offen wie: Wer bleibt zuhause, wenn das Baby krank ist? Oder: Wer bringt das Kind in die Kita?
  • Apropos Kita: Die ist fast Pflicht, weil erstens siehe oben und zweitens Mann und Frau in der Regel weniger verdienen, wenn beide arbeiten, als wenn der Mann alleine 100 Prozent arbeitet. Weil Frauen nach wie vor weniger verdienen als Männer.

Fazit: Eigentlich ist der Zustand der Gleichberechtigung ideologisch erstrebenswert, faktisch rätsle ich aber, ob es die ganzen Umstände wert ist. Die klassische Aufteilung ist schlicht einfacher.

Wenn ich dann noch bei meiner Freundin feststelle, dass sie ihr natürliches Bedürfnis als Mutter oftmals unterdrücken muss, weil sie statt zu arbeiten im Grunde lieber zuhause bei den Kindern wäre, dann schliesst sich das Paradoxon.

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