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Ça ne bringt nothing

Junge verzweifelt über Hausaufgaben

Zwei Fremdsprachen in der Primarschule sind eine Zumutung, findet unser Blogger.

Ein Komitee hat in Zürich mit 9270 Unterschriften eine Volksinitiative lanciert, die verlangt, dass an Zürcher Primarschulen nur noch eine Fremdsprache unterrichtet wird. Ha! Dass man dafür eine Volksinitiative starten muss! Ich bin jedenfalls froh, dass es doch noch ein paar Vernünftige da draussen gibt, die gesunden Menschenverstand höher als Leistungsdruck und Gymi-Quote halten. Denn wenn wir das mal ganz objektiv betrachten (und ohne einen pädagogischen, volkswirtschaftlichen oder entwicklungspsychologischen Background), dann sind zwei Fremdsprachen in der Primarschule doch einfach nur wahnsinnig.

Ich habe das anhand meines Stiefsohns Ben (11) mitverfolgen können. Ab der zweiten Klasse hatte er Englisch-Unterricht. Die Motivation dafür war eigentlich recht intakt, zumal auch 8-Jährigen klar ist, dass Stars wie Rihanna englisch singen. Den Englisch-Unterricht habe ich nie besucht und kann ihn deswegen auch nicht beurteilen. Die Englisch-Hausaufgaben bestanden jedoch seit eh und je zu ungefähr 80 Prozent aus Vocci-Lernen. Wörtchen auf Kärtchen. Okay, mit Bildchen, aber es sind trotzdem Wörtchen auf Kärtchen. Und dann sind es zum Teil Vokabeln, denen ich auch in 6 Jahren Schul-Englisch nie begegnet bin: Brochure (wissen die denn, was eine Broschüre ist?), Central Plateau (siehe Frage vorher), bottom rigth-hand corner. Come on! Was soll das bringen? So vermitteln wir den Kindern höchstens, mit welchen nervtötenden Lern-Methoden sie in den kommenden Jahren geknechtet werden.

Und nun seit der fünften Klasse Französisch. Die gleichen Kärtchen mit den gleichen Bildchen, aber anderen Wörtchen. Motivation: im Keller, verständlicherweise. Beim Abfragen merke ich, dass Ben meistens nicht weiss, wie man die Wörter ausspricht. Ich nehme zwar an, in den Französisch-Stunden wird auch noch Wert auf das Mündliche gelegt, trotzdem: Das ist ein Witz! Weil Französisch schriftlich schon für uns Erwachsene une peine dans le cul ist. Weil die Kinder schon in einer anderen Fremdsprache stur Wörtchen büffeln müssen. Weil noch für weitere (wichtigere!) Fächer gelernt werden muss und Wissen gespeichert werden soll. Weil Kinder ohnehin schon zu viel Zeit in der Schule und zu wenig auf dem Sportplatz verbringen. Weil sie sicher nichts verinnerlichen und über Jahre behalten, was sie ohne Spiel oder Spass gelernt haben. Weil sie so eher von der Fremdsprache traumatisiert, statt dafür sensibilisiert sind. Weil es schlicht keinen Sinn ergibt. Darum unterstütze ich diese Initiative und würde sogar sagen: Keine Fremdsprache in der Primarschule!

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