Menü

Haltungen beim Stillen

Bequem soll es sein

bequem_stillen.jpg

Stillen kann innig und friedlich sein, wenn es auf Anhieb klappt. Gibt es Probleme, liegt dies oft an der falschen Stillhaltung.

Eigentlich ist es ganz einfach. Und trotzdem kann viel falsch gemacht werden. «Am Anfang muss sowohl die Mutter wie auch das Neugeborene das Stillen lernen», sagt Heidi Salzgeber-Conrad, langjährige Kinderkrankenschwester und Stillberaterin IBCLC, unter anderem im Spital Schiers GR.

Stillen liegt zwar heute wieder im Trend, und auch die Medizin hat den biologischen Wert und die psychologische Bedeutung der Ernährung mit Muttermilch wiederentdeckt. V iele junge Mütter fühlen sich jedoch unsicher, haben Schwierigkeiten mit der Brusternährung. Ihre eigenen Mütter haben oft kaum gestillt, das Wissen darüber wurde bei uns nicht mehr wie in anderen Kulturen von Generation zu Generation weiter ge geben.

Dafür füllt das Thema Säuglingspflege in den Buchhandlungen ganze Regale, und auch das Internet bietet eine Fülle von Informationen. Nicht immer eine wirkliche Hilfe für die Frau. Heidi Salzgeber stellt fest, dass heute viele Frauen überinformiert oder kontrovers informiert sind: «Durch das viele theoretische Wissen verkrampfen sich manche Mütter.»

Wenn es zu schmerzen beginnt

Stillschwierigkeiten sind deshalb keine Seltenheit. «Das häufigste Problem sind überempfindliche oder wunde Brustwarzen», sagt die Stillberaterin. Mögliche Fehler: Das Kind liegt nicht nah genug an der Brust, es hat nicht genug Brustgewebe im Mund oder ist der Mutter nicht vollständig zugewandt. Dadurch verstärkt sich der Zug an der Warze. Schnell beginnt diese zu schmerzen, wird wund und Stillen eine einzige Qual.

Oft geht nun auch die Milch zurück oder Stauungen und Brustentzündungen sind die Folge. Da nützt es selten, wenn das Kind häufiger angesetzt wird; im Gegenteil, die Schmerzen verschlimmern sich nur. «Hat sich das Baby ein falsches Saugmuster angeeignet, gilt es nun, dieses abzugewöhnen. Je älter das Kind, desto harziger kann das sein», sagt Heidi Salzgeber.

Schwierigkeiten bereiten vielen stillenden Müttern auch Verspannungen im Schulterbereich wegen falscher Stillposition. Die richtige Stillhaltung zu finden, ist deshalb das A und O. Als goldene Anfangsregel gilt: Machen Sie es sich möglichst bequem! «Zu Beginn ist Stillen im Sitzen, also in der Wiegehaltung, für Mutter und Kind am einfachsten», sagt Heidi Salzgeber. Mehrere Kissen können nützlich sein; eines hinter dem Rücken, eines unter dem Ellbogen, eines auf dem Schoss, damit das Baby hoch genug liegt.

Das Baby kitzeln

Praktisch ist ein Stillkissen; ein Fussschemel entlastet den Rücken. Aufgepasst: Das Baby muss die Brust erreichen können, ohne seinen Kopf dabei zu überstrecken oder zu drehen, sonst kann es schlecht schlucken und zieht die Brustwarze in die Länge. Nun stützt die Mutter mit der freien Hand die Brust, sodass ihre Finger ein Stück weit unter der Brustwarze liegen und der Daumen darüber. Viele Babys sperren jetzt sofort gierig ihr Mäulchen auf.

Gibt sich das Kleine zurückhaltend, hilft es oft, seine Lippen mit der Brustwarze zu kitzeln. Sobald sein Mund weit offen ist, zieht die Mutter das Baby zu sich heran. «Wichtig ist, dass das Kind zur Brust kommt und nicht umgekehrt», sagt Heidi Salzgeber. «Kinn und Nasenspitze sollen die Haut berühren.» Um den Milchspendereflex auszulösen, muss der Säugling nicht nur die Brustwarze, sondern auch einen grossen Teil des Warzenhofes in den Mund nehmen.

Darunter befinden sich die Milchgänge, die das Kleine «melken», also mit seinen Zahnleisten rhythmisch zusammenpressen muss, damit die Milch zu fliessen beginnt. Hat das Baby gelernt, in der Wiegehaltung zu trinken, lohnt es sich, auch andere Stillpositionen auszuprobieren. «Im Spital Schiers achten wir darauf, dass die Mütter die drei wichtigsten Stillhaltungen alleine einnehmen können, wenn sie mit dem Baby nach Hause gehen», sagt Heidi Salzgeber.

Entspannung im Liegen

Besonders entspannend für die Mütter ist Stillen im Liegen. Mutter und Kind liegen in Seitenlage einander zugewandt, wiederum Bauch an Bauch. Heidi Salzgeber: «Da die Mutter das Gesicht des Säuglings in dieser Position schlecht sieht, ist sie am Anfang oft schwierig.» Die meisten Frauen sind aber froh, wenn sie nachts oder bei Krankheit liegen bleiben können, wenn das Baby Hunger vermeldet, und auch tagsüber legen sich viele gerne hin zum Stillen.

Eine bewährte Stillposition ist die Seitenhaltung, auch Fussballposition oder Rückengriff genannt, in der das Baby seitlich unter dem Arm der Mutter liegt. Sie ist praktisch, wenn das Kind Saugschwierigkeiten hat, da die Mutter sein Gesicht gut sieht. Heidi Salzgeber: «Hat das Kind eine verstopfte Nase, ist dies die ideale Stellung, da seine Nase weiter von der Brust entfernt ist als in anderen Positionen.» Auch frühgeborene und unruhige Kinder können so besser trinken. Frauen, die einen Kaiserschnitt hatten, schonen in dieser Haltung ihre Narbe. Und Zwillinge können gleichzeitig gestillt werden.

Eine weitere Stillposition ist die Hoppe- Reiter-Stellung, die sich vor allem für ältere Kinder eignet. Das Kind sitzt rittlings auf dem Oberschenkel der Mutter, eventuell auf einem zusätzlichen Kissen, damit es den Mund auf der Höhe der Brustwarze hat. Diese Stellung ist günstig bei Saugproblemen, verstopfter Nase und gestauter Brust.

Bei starkem Milchfluss empfiehlt sich die Austria- oder Liegestuhlhaltung, da das Baby gegen die Schwerkraft saugen muss. Die Mutter liegt auf dem Rücken, das Baby der Länge nach auf ihrem Bauch, sein Kopf direkt über der Brust. Klappt es mit dem Stillen nicht, möglichst frühzeitig eine Fachperson kontaktieren (siehe Box). Die Krankenkasse übernimmt die Kosten von drei Beratungen. Sind die Anfangsschwierigkeiten überwunden, wird Stillen wirklich zur einfachsten Sache der Welt.


Adressen

Still- und Laktationsberaterinnen:

Berufsverband Schweizerischer Stillberaterinnen IBCLC, Postfach 686, 3000 Bern 25, Tel. 041 671 01 73 www.stillen.ch

LLL-Stillberaterinnen: La Leche Liga Schweiz, Postfach 197, 8053 Zürich, Tel. 044 940 10 12 www.stillberatung.ch

LLL-Beraterinnen geben telefonisch oder über E-Mail Auskunft. LLL-Beraterinnen organisieren zudem regionale Stilltreffen.

Buchtipps

Das Handbuch für die stillende Mütter: La Leche Liga International, ISBN 3906675025, Fr. 27.90

Stillen: Guoth-Gumberger/Hormann, GU-Ratgeber, Fr. 27.90

App-Tipp

Stillen sollte überall und jederzeit möglich sein. Manchmal ist es jedoch praktisch, einen Ort zu kennen, wo Mama in Ruhe ihr Kind stillen kann. Öffentlich zugängliche Stillräume sind ideal dafür. mit der mamamap-App finden Sie rasch und unkompliziert einen Ort zum Stillen.
www.mamamap.ch

Sponsored Content

Auch lesenswert