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Mehrere junge Fussballspieler

Aus dem Vaterland

«Mein Sohn – der nächste Messi»

Erziehung zum Star beginnt im Mutterleib, da ist sich unser Kolumnist Ramon von Roon sicher. Er erklärt, wie man aus seinem Jungen einen grossen Fussballer machen könnte.

Die ersten Kontakte zur Aussenwelt knüpft das Kind ab der 23. Schwangerschaftswoche. Jetzt entwickelt es die Fähigkeit, Geräusche ausserhalb des Mutterleibs wahrzunehmen. Viele Mütter nutzen dies zur musikalischen Früherziehung und beschallen das Kind mit Mozart oder Beethoven. Aber im Ernst: Was erreicht man heute noch mit klassischer Musik?

Ich hingegen habe einen Traum: Mein Kind soll Fussballstar werden! Warum also während der Schwangerschaft nicht gleich die Fangesänge des Lieblingsvereins auflegen? Oder den legendären Radiokommentar vom WM-Finale 1954 in voller Länge? Unser Bauch hörte «You’ll never walk alone» in der Heavy Rotation, das passt immer! Nach der perfekten Playlist verfolge man das nächste Grossprojekt, diesmal handwerklicher Natur: Ein Kinderbett im Stadion-Look! Dazu muss einfach eine Matratze in frischem Grün bezogen, und zur besseren Orientierung mit weisser, ökologisch einwandfreier Farbe die Spielfeldbegrenzungen aufgemalt werden. Ans Babygitter gehören Werbebanden. Damit fühlt sich das Kind immer im Heimvorteil. Flutlichtmasten sind optional. Aber, hey, wennschon, dennschon.

Auch bei der Namensgebung überlasse ich nichts dem Zufall. Hoch im Kurs stehen zurzeit ja Lionel (vier Mal Weltfussballer), Zinédine (drei Mal, passt zur Babyglatze) und Cristiano (drei Mal). Ist der Nachwuchs auf der Welt, geht die Arbeit erst richtig los. Es gilt, die Zeit bis zum Vereinseintritt sinnvoll zu nutzen. Auch wenn das Baby noch nicht krabbeln und laufen kann: auf dem Rücken liegen und quengeln gehört auch zum Fussball. Das kann das Baby schon ganz gut, aber vielleicht fehlt der reklamierende Arm, der suchende Blick nach dem Schiedsrichter. Auch das Ballgefühl lässt sich bereits trainieren. Kennen Sie diese Activity-Center mit den aufgehängten Spielzeugen? Eben, da hänge ich Bälle dran, die bei jedem Tritt ein lustiges Geräusch machen. Mein Kind wird es lieben, die Bälle mit seinen Füsschen zum Klingen zu bringen.

Jetzt sollte sich das Interesse am runden Leder langsam eingenistet haben. Nun heisst es: Vorbild sein in allen Lebenslagen. Ich halte mich in meinem selbstgegründeten Fussballteam fit, habe eine Flatrate beim nächsten Style-Friseur und überlege, ob sich eine eigene Sonnenbank auf die Jahre, die da kommen, vielleicht doch lohnt.

Aber Achtung: Manch eine beliebte Fussballeraktivität hat sich in der Vergangenheit nicht immer als karrierefördernd herausgestellt. Deshalb noch ein paar Tipps: Fahren Sie mit gültigem Führerschein, werfen Sie keine Döner auf Passanten. Treten Sie nicht in Werbebanden, benutzen Sie auch in Notfällen, wenn immer möglich, eine Toilette.

Und noch etwas: Ich zeichne jede Aktion meines Sohnes per Video auf und lade sie mit dem Titel «The next Messi» bei YouTube hoch. Talentscouts aus aller Welt werden sich schon bald melden. Ich kläre gerade noch mit meinem Telefonanbieter, warum bisher so gut wie keine Auslandsanrufe bei mir durchkommen.

Ich garantiere: Eltern, die diese Tipps beherzigen, deren Kind sollte bald ein überdurchschnittlicher Kicker sein und mit seinem Club Spiel um Spiel gewinnen.

Sie denken, so mach’ ichs, kann mich jetzt zurücklehnen und den Aufstieg meines Schützlings in aller Ruhe verfolgen? Voll daneben geschossen! Auch in der Familienplanung gilt: Fussball ist immer noch ein Mannschaftssport…

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