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Ficken hui, schmusen pfui

Armer, vorpubertärer Junge

Was die Vorpubertät mit Kindern anstellt, ist manchmal sehr unterhaltsam.

Wenn ich etwas aus meinem Stiefpapi-Dasein gelernt habe, dann die Einsicht, dass es mit Kindern immer schwierig sein wird. Zwar hegt man die Hoffnung, mit zunehmendem Alter werde das Kind pflegeleichter. Aber die Realität spricht eine andere Sprache: Die Probleme und Konfliktherde verlagern sich. Mit jedem Lernschritt fällt zwar eine bisher nötige Hilfeleistung weg, gleichzeitig kommt aber eine neue Betreuungsarbeit dazu. Nein, ich jammere nicht, manchmal ist das wirklich extrem spannend.

Mein 11-jähriger Stiefsohn Ben befindet sich derzeit nämlich in einer besonders merkwürdigen Phase – der Vorpubertät. Hier Spieltrieb, da Sturm und Drang. Hier Nähe, da Distanzierung. Hier Harmonie-Sucht, da Rebellion. Äusserst faszinierend. Ist das noch ein Kind oder ist das jetzt schon Teenie? Vergleichen wir das Erwachsenwerden mit dem Verwandlungsprozess von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde, dann ist Ben wohl gerade in jenem Stadium, wo die Hände zwar noch menschlich aussehen, der Kopf aber schon arg affig. Da ist der Körper manchmal weiter als der Geist – und dann wieder umgekehrt. Da gibt er sich selbständig (natürlich meistens, wenn es um sein eigenes Vergnügen geht), um im nächsten Moment wieder in den Kleinkind-Modus zu wechseln (natürlich meistens, wenn es um einen Effort geht). Es geht um Fremdwahrnehmung, Peer-Group-Pressure, Markenkleider und Sexualität. Ja, Sexualität. Bei diesen noch so kindlichen, unsicheren, behütenswerten Wesen. Und das klingt dann etwa so (rekonstruiert):

- «Mami, wozu braucht man Kondome?»
- «Damit man sich beim Sex nicht mit einer Krankheit ansteckt und nicht schwanger wird.»
- «Also beim Ficken? Hihihi»
- «Wenn du es so wüst sagen willst. Weisst du denn, was das ist?»
- «Logo! Geschlechtsverkehr. Bumsen. Koitus. Das Rein-Raus-Spiel. Fappping. Einen wegstecken. Bangen. Einmal drübersteigen. Kopulieren. Beischlaf. Figgi-Figgi halt.»
- «Dass ein Junge mit einem Mädchen intim wird, ja.»
«Wäääääh!»
- «Das passiert aber nicht einfach so. Dazu muss der Junge das Mädchen richtig gern haben.»
- «Wäääääh!»
- «Und bevor es soweit kommt, umarmen sie sich erst mal und küssen sich...»
- «Wäääääh!»
- «... und kuscheln.»
- «Wäääääh!»
- «Und dann wird der Penis des Jungen hart.»
- «Themawechsel.»
- «Und die Vagina des Mädchens feucht.»
- «THEMAWECHSEL!»
- «Und dann...»
- «ICH HAB GESAGT: THE-MA-WECH-SEL!»

Faszinierend. Äusserst faszinierend.

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