Was schützt den Damm?
Die meisten Mütter kennen Dammverletzungen aus eigener Erfahrung,
sprechen aber ungern darüber. 10 Antworten auf Fragen, die sich viele
Schwangere stellen.
Schützt eine Damm-Massage das Gewebe tatsächlich vor Verletzungen?
Unter den Hebammen ist der Nutzen einer regelmässig ausgeführten Damm-Massage mit einem speziellen Damm-Massageöl oder einem hochwertigen, biologischen Pflanzenöl (Oliven, Jojoba) unbestritten. Einen hundertprozentigen Schutz vor Verletzungen bietet sie nicht, aber das Gewebe wird dadurch elastischer und hält der enormen Dehnung beim Austritt des Köpfchens besser stand.
Wann sollten Schwangere damit beginnen?
Die Angaben reichen von der 32. bis 37. Woche. Anna Heldstab, frei praktizierende Hebamme und Lehrhebamme, rät, bereits in der 30. Woche damit anzufangen. So könnten Frauen auch mal einen Tag aussetzen und das Gewebe langsam dehnen. Ausserdem empfiehlt sie das Gerät Epi-No, das, wie sein Name andeutet, einem Dammschnitt (Episiotomie) vorbeugen soll. Laut verschiedener Studien soll das Training mit dem aufblasbaren Ballon grössere Verletzungen verhindern.
Lässt sich die Massage ohne Anleitung durchführen?
Grundsätzlich ja. Detaillierte Beschreibungen findet man in Büchern und im Internet, geeignete Öle in Drogerien oder Apotheken. Dennoch empfiehlt sich eine Beratung durch eine Hebamme. Sie kennt zahlreiche weitere Tricks, mit denen sich der Damm dehnen lässt, und kann im persönlichen Gespräch besser auf Fragen der Frau eingehen.
Was kann die Hebamme während der Geburt tun, damit der Damm möglichst unversehrt bleibt?
Während der Austreibungsphase beobachtet sie das Gewebe und sagt der Gebärenden, wann es sich so weit gedehnt hat, dass sie pressen darf. Wenn das Köpfchen kommt, stützt sie mit der einen Hand den Damm. Mit der anderen sorgt sie dafür, dass der Kopf nicht zu schnell durch die Scheide tritt. Viele Hebammen benutzen zusätzlich warme Kompressen, um das Gewebe dehnbarer zu machen, oder behandeln es wie Anna Heldstab kurz vor der Austreibungsphase mit warmem Damm-Massageöl.
Was können Frauen tun, um den Damm zu schützen?
Wenn sie ihr Kind im Vierfüsslerstand, halb stehend oder kniend auf einem Hocker gebären, verteilt sich der Druck auf den Damm dank der Schwerkraft besser. Das mindert die Gefahr einer Verletzung. Für die Hebamme gestaltet sich der Dammschutz in diesen Positionen zwar schwieriger als wenn die Frau liegt. Mit etwas gutem Willen und Beweglichkeit ist er laut Anna Heldstab aber durchaus praktikabel. Kaum möglich sind die schützenden Handgriffe im Wasser. Wegen der geringeren Schwerkraft sind Verletzungen im Gebärpool aber seltener.
Was passiert, wenn der Damm doch reisst?
Schürfungen, bei denen die Haut oberflächlich eingerissen ist, brauchen keine medizinische Versorgung. Wurden beim Durchtritt des Köpfchens Fettgewebe und Muskeln durchtrennt, näht ein Arzt die Wunde mit selbst auflösenden Fäden. Dass Risse besser heilen als Schnitte, ist unter Geburtsfachleuten inzwischen unbestritten. Laut Anna Heldstab treten sie dort auf, wo wenig Nervenbahnen und Blutgefässe verlaufen.
Warum schneidet man heute weniger als früher?
Studien haben gezeigt, dass routinemässig durchgeführte Dammschnitte kaum Sinn machen. Die These, dass sich schlimmere Verletzungen damit vermeiden lassen, hat sich als ebenso falsch erwiesen wie die Behauptung, dass sie vor Inkontinenz schützen.
Was hilft gegen akute Beschwerden kurz nach der Geburt?
Auf der frischen Wunde brennt Urin entsetzlich. Linderung schafft handwarmes Wasser, das man gleichzeitig mit dem Urin aus einer Flasche über die verletzten Stellen fliessen lässt. Mit einigen zugesetzten Tropfen Ringelblumen-Tinktur wirkt die Flüssigkeit entzündungshemmend. Danach lässt man den Damm an der Luft trocknen oder tupft ihn mit Binden aus reiner Watte ab. Die Angst, die Wunde könnte bei Stuhlgang aufplatzen, ist unnötig. Gegen die im Moment besonders unerwünschte Verstopfung helfen Lein- und Flohsamen (eine indische Heilpflanze) oder Edelweiss-Milchzucker; alles in Apotheken erhältlich. Für stillende Mütter sind ein paar Schmerzmittel erlaubt, sollten aber nur nach Rücksprache mit einer Hebamme oder Ärztin genommen werden. Bei schlecht heilenden Wunden empfiehlt Anna Heldstab, einige Tropfen reines ätherisches Lavendelöl direkt auf die betroffene Stelle aufzutragen sowie Sitzbäder mit Meersalz.
Wie lange spüren Frauen die Verletzung?
Dank der guten Durchblutung im Damm schliessen sich auch grössere Verletzungen schnell, sodass sie nach einigen Wochen fast vergessen sind. Gegen das unangenehme Ziepen hilft Damm-Massageöl. Mehr Mühe bereitet im Einzelfall die seelische Verarbeitung. Betroffene Frauen haben nicht selten das Gefühl, im Geburtszimmer übergangen und von den medizinischen Entscheidungen überrumpelt worden zu sein. Ein Gespräch mit den Geburtshelfern hilft, ihr Vorgehen besser zu verstehen. In jeder grösseren Gemeinde arbeiten Hebammen, die Mütter bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse unterstützen.
Was passiert bei der nächsten Geburt?
Beim zweiten Kind bleibt der Damm oft völlig unversehrt, weil das Gewebe sich bereits einmal gedehnt hat und den Kraftakt jetzt besser aushält. Die Angst, dass die alten Nähte aufplatzen, ist zwar verständlich, aber zum Glück unbegründet.








