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Vorzeitiger Start ins Leben

Frühgeborene Kinder benötigen bereits kurz nach der Geburt intensivste medizinische Pflege. Eine schwere Belastungsprobe für die Eltern. Fernehmoderatorin Sandra Studer erzählt von ihrem kleinen Wunder.


Das dritte Kind von Fernsehmoderatorin Sandra Studer (39) hatte einen schweren Start ins Leben. Nina, heute knapp zweijährig, kam ganze drei Monate zu früh zur Welt, nach einer Schwangerschaft, die problemlos und schön war – bis Blutungen einsetzten, nach einer Schonwoche im Spital trotzdem die Fruchtblase platzte und die Wehen sich nicht mehr stoppen liessen. Den in aller Eile angesetzten Notfallkaiserschnitt bekam Sandra Studer nicht mit, sie hatte eine Vollnarkose erhalten.

Völlig überrumpelt

«Als ich danach erwachte, gratulierte man mir zur Tochter. Das war lieb gemeint, aber ich fand es skurril, spürte, dieses Kind ist doch eigentlich noch gar nicht richtig angekommen, noch nicht bereit für die Welt», erzählt sie. Dasselbe surreale Gefühl hatte sie, als sie die winzige Nina, 870 Gramm leicht und 35 Zentimeter klein, erstmals durch das Glas des Inkubators hindurch sah: «Ich war überrumpelt von einer Flut von Muttergefühlen – Liebe, Angst, auch Vertrauen in das Leben … und hatte doch gleichzeitig die Empfindung: Ich sehe etwas, was nicht für meine Augen bestimmt ist, es ist unfertig und sollte eigentlich jetzt und noch viele Wochen geschützt in meinem Bauch sein.»

Nina kämpfte

Bereits während der Tage im Spital, als sich eine zu frühe Geburt abzeichnete, hatte Sandra Studer mit ihrer ungeborenen Tochter Kontakt aufgenommen: «Wenn du kämpfen kannst, helfe ich dir mit allen meinen Kräften», hatte sie ihr gesagt, «aber wenn du nicht willst, lasse ich dich gehen.»

Nina kämpfte. Sie mache es für ein so viel zu früh geborenes Kind sehr gut, sagten die Ärzte. Nur einen Tag musste sie intubiert werden, es gab keine grösseren Komplikationen. Allerdings brauchte sie länger als erwartet Sauerstoff zur Unterstützung der Atmung. Sandra Studer verbrachte während exakt 99 Tagen viele Stunden im Spital, trug Nina mit sich herum, pumpte Muttermilch ab und half bei der Pflege. Und als die Kleine eine schmerzhafte Augenuntersuchung über sich ergehen lassen musste, war sie entgegen den üblichen Gepflogenheiten mit dabei. «Ich nahm aber vorher meine Brille ab, um nichts Genaues sehen zu müssen», sagt sie.

Prognosen schwierig

Die Resultate weiterer Untersuchungen waren erfreulich und beruhigend. Indes: «Die Ärzte können in dieser Phase immer nur Standortbestimmungen machen, eine definitive Prognose für das Kind ist fast nicht möglich. Mein Mann und ich fragten auch gar nicht nach Folgeschäden, weil es damals keine zuverlässige Antwort gegeben hätte.» Die medizinische und auch die menschliche Betreuung fand das Ehepaar auf jeden Fall «spitzenmässig».

Gian (10) und Lili (8), Ninas grosse Geschwister, mussten in dieser Zeit zurückstecken. Dafür stürzten sie sich förmlich auf Nina, als sie endlich zu Hause war, «schleppten sie herum und ‹versorgten› sie mit Bazillen, so quasi zur Abhärtung», lacht Sandra Studer. Überhaupt hätten sie und ihr Mann gegenüber Nina die Haltung: Du bist ein ganz normales Kind, und wir behandeln dich auch ganz normal. Und: Nina gehöre der ganzen Familie, sei nicht etwa «Mutters spezielles Kind».

Das kleine Wunder

«Zum Glück waren unsere beiden Grossen schon als Babys sehr unterschiedlich», sagt Sandra Studer, «eines ist sehr ruhig, das andere sehr lebhaft. Wir wissen also: Jedes sucht sich seinen Rhythmus selber, es gibt keine Norm.» Wenn Nina etwas später laufen gelernt hat – gut. Dass sie ein «Gispel» ist und überall raufklettert, auch gut, das gebe halt ein paar Beulen mehr. Therapien seien jedenfalls kein Thema, zumal die erste Jahresuntersuchung ergeben hat, dass Nina sich prächtig entwickelt.

Inzwischen hat Nina ein Geschwisterchen bekommen: Julia Kim, termingeboren, vier Monate alt, war bei ihrer Geburt «ein ‹Mocken›, ein ‹fertiges› Kind». Ein riesiger Unterschied zu Nina. Die hat allerdings bei Sandra Studer und ihrem Mann für immer einen liebevollen Übernamen weg: «Wir nennen sie ‹unser kleines Wunder›».

 

Karin Aeschlimann


Sandra Studer und «Frühchen» Nina

 
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