Lieber lesen
Während manche Kinder ein Buch nach dem anderen verschlingen, lesen andere am liebsten Comics. Na und?
Es gibt Kinder, die ständig ihre Nasen zwischen zwei Buchdeckeln haben. Es gibt aber auch diejenigen, die keine Lust dazu haben, die nur Comics oder Gratiszeitungen lesen oder einfach lieber Fussball spielen gehen. Sind diese Buchverweigerer dazu verurteilt, Schulversager, ungebildet, arbeitslos zu werden? Oder gehören sie später gar zu den 800 000 Erwachsenen, die unter Schreib- und Leseschwierigkeiten leiden?
Es muss kein Buch sein
«In den Köpfen vieler Menschen hat sich die Vorstellung festgesetzt, dass man nur in literarischen Büchern lesen lernen kann», sagt Barbara Jakob. Sie ist Germanistin, Mutter von drei Töchtern und arbeitet beim Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM im Bereich Leseförderung. «Doch gerade Knaben bevorzugen oft Sachbücher, Zeitungen, Texte am Computer oder auch Comics», erklärt sie. Darum sei die Einteilung in wertvolles und weniger wertvolles Lesen nicht nur ungerecht, sondern auch hinderlich. Um nämlich Kindern das Lesen schmackhaft machen zu können, müsse man ihnen eine Vielfalt an Zugängen ermöglichen, und dazu gehörten eben auch Mickey Mouse und Co.
Text ist Text
Hauptsache es wird gelesen. Denn Kinder, die den Schritt vom Buchstabenentziffern zum flüssigen Lesen nicht schaffen, die den Vorgang des Lesens nicht automatisieren, sind tatsächlich in Gefahr, später zu den sekundären Analphabeten zu gehören. Also zu jenen, die zwar in den ersten Klassen das Alphabet und rudimentäre Lesekompetenzen erworben, aber nie richtig fliessend gelernt haben.
Genau hinschauen
Und was soll man tun, wenn gar nichts klappt? Wenn der Sohn nicht mal Comics lesen mag? «Eltern sollten ihre Kinder beobachten und wenn sie ein Problem feststellen, die Lehrerin um Tipps fragen, wie sie ihrem Kind behilflich sein können», rät Jakob. Und empfiehlt ein Buchkonzept für zu Hause, das schon so manchem Kind auf die Sprünge geholfen hat: «Erst ich ein Stück, dann du» aus dem cbj Verlag. Dabei ist eine Seite klein gedruckt, die liest Mama oder Papa vor, die nächste Seite hat grosse Buchstaben und die ist fürs Kind. Jeder braucht ungefähr gleich lang für eine Seite und das ist auch nur gerecht so.
Regina Kesselring








