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Eine kleine Auswahl für Buch-Anfänger

Die Buchstaben sind gelernt, jetzt wartet die Welt der Texte. Erstlesebücher sind ein geeigneter Einstieg. Nur – welche sind gut? Und wie erkennt man sie?

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Jedes 3. Kind im Primarschulalter liest über eine Stunde täglich. (Bild: iStockphoto)
Kinder lesen – gern und allen Unkenrufen zum Trotz. Zwar gibt es unbestreitbar einen soliden Sockel von erklärten Nichtlesern. Das Leseverständnis Schweizer Teenies ist, laut Pisa-Studie, sehr mittelmässig und für sechs Prozent bleibt alles Schriftliche gar für immer ein Buch mit sieben Siegeln; sie sind sogenannte «funktionale Analphabeten», können also Buchstaben und Wörter entziffern, aber keine Texte erfassen. Dennoch: Jedes 3. Kind im Primarschulalter liest über eine Stunde täglich. Über die Hälfte hat Spass am Lesen. 10 von 100 verschlingen, so «Die Zeit», 20 bis 50 Bücher im Jahr. Und die Neugierde auf Lektüre scheint angeboren. Schon sechs Monate alte Babys zeigen deutliches Interesse für Bilderbücher mit benagbaren Seiten.

Nur – wie wird aus einem leseneugierigen ein lesebegeistertes Kind? Das entscheidet sich daheim. Jungen und Mädchen lernen in der Schule das ABC, doch zu Hause fallen die Würfel: Leseratte oder Lesemuffel. Schmökern die Eltern in Büchern? Ist der Vater ein lesendes Rollenvorbild für den Sohn oder sind Bücher «Frauenkram», weil allein Mama für die Gutenachtgeschichte zuständig ist? Sind Artikel und Romane Gesprächsthemen in der Familie? Was steht in den Regalen? DVDs und Kerzenleuchter oder auch Gedrucktes? Kinder, für die Bücher zum Alltag gehören, werden lesen. Einen Einstieg bieten Erstlesebücher. Am besten GUTE Erstlesebücher mit:
  • spannendem, alltagsbezogenem Inhalt
  • grosser, lesefreundlicher Schrift
  • sorgsamer Sprache
  • einfacher Druckschrift
  • ästhetischen Illustrationen, die den Text verschönern und beim Verständnis helfen
  • kurzen Zeilen, möglichst nach Sinneinheiten getrennt
  • einer Geschichte, die Kinder nicht verniedlicht, sondern ernst nimmt



Hex, hex!

Na gut, besonders originell ist die 1000. Hexengeschichte nicht. Ein Mädchen und eine kleine Hexe werden Freundinnen und … gähn. Vorlesen dürfen Erwachsene «Die Hexenzwillinge» auf keinen Fall, denn Wegschnarchen nach zwei Seiten ist garantiert. Ja, und? Schliesslich richtet sich das Buch an Mädchen um die sieben Jahre und die finden sicherlich schon allein das magisch glitzernde Cover zauberhaft. Zudem stellen die netten Zeichnungen auch beim begriffsstutzigsten Kind sicher, dass alles richtig verstanden wird. Der Spruch: «Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler», gilt hier einmal mehr. Das Buch soll nicht kulturbeflissenen Erwachsenen gefallen, sondern kleinen Mädchen. Und das wird es.

Ursel Scheffler: «Die Hexenzwillinge», ars edition, Fr. 14.90

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Gertrud darf nicht in die Pfanne!

Cowboys, Coyoten, hysterische Hühner und Geierbaby Gertrud, das vor einem Schicksal als Eierkuchen bewahrt werden muss, sorgen für den Thrill. «Cowboy Klaus und die harten Hühner» ist nicht nur witzig und altersgerecht spannend, sondern durch die ga-ga-gackernden Sätze der Hühner lernen Lese-Starter genaues Hinsehen und wie sich mit Sprache spielen lässt. Finden auch Jungen toll.

Eva Muszynski/Karsten Teich: «Cowboy Klaus und die harten Hühner», Tulipan ABC Verlag, Fr. 13.90

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Flöhe und brennende Hosen

Die Warnung gleich vorweg: Das Buch strotzt vor lauter wörtlichen Reden. Dummerweise ist die Geschichte von Rocco Randale, der sich bei seinem Hund mit Flöhen ansteckt, aber nicht übersichtlich als Drama geschrieben wie Schillers Räuber, sondern Dialog reiht sich an Dialog. Vor lauter wimmeliger Satzzeichen juckt es einen nach drei Seiten am ganzen Körper, was aber auch am Flohthema liegen kann. Das allerdings wird vielen Kindern ab acht Jahren gefallen: eklige Viecher, coole Sprüche und Illustrationen, die schon ein bisschen so aussehen, als läse man ein Buch für Jugendliche. Nicht jedermanns Geschmack, aber muss es ja auch nicht sein.

Alan MacDonald/David Roberts «Rocco Randale – Flohzirkus mit Würstchen», Klett Kinderbuch, Fr. 12.50

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Vom Bild zum Wort

Für alle, denen reiner Text noch als zu schwere Kost erscheint, bietet sich die «Leseabenteuer»-Reihe der ars edition an. Hier ersetzen ab und an Bildchen das Wort oder Wort und Bild werden nebeneinander gestellt. Ob der Bild-Schriftbild-Link wirklich weiterhilft, mag dahingestellt sein; jedenfalls fühlen sich Jüngstleser nicht durch zu viel Text eingeschüchtert, sondern die Bildchen ermuntern, sich weiterzuhangeln. Seiten mit Rätseln und Belohnungsstickern senken die Buch-Hemmschwelle zusätzlich. Übrigens gehen Geschichten über die Feuerwehr bei Jungen immer. So also wohl auch «Paul und die Feuerwehr».

Marlies Koenen: «Paul und die Feuerwehr», ars edition, Fr. 14.90

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Das Känguru macht muh

Malbuch? Lesebuch? Bei Cornelia Hausherrs Buch «Im Zoo» aus der Pattern Books Reihe weiss man es nicht so genau. Und genau das ist der Trick. Der Übergang zwischen den gewohnten Ausmalbüchern zum «richtigen» Buch ist fliessend. Und da Kinder alles lieben, was sich reimt, kommt ihnen die Gedichtform entgegen. Das Beste: Der Text ist reiner Nonsens: «Die Löwen fliegen durch die Luft. Das Krokodil spielt Schach. Die Schlange reitet durch den Zoo. Der Haifisch winkt vom Dach.» Quatsch kommt immer gut. Solche schrägen Reime hat man vielleicht von James Krüss schon eleganter gesehen, aber es ist ja nicht verboten, den auch noch zu lesen.

Cornelia Hausherr/Philipp Lehmann: «Im Zoo», VerlagKg.CH, Fr. 6.00




Lesedetektiv, übernehmen Sie!

Ein echter Klassiker. Mit der Dudenreihe «Leseförderung mit System» macht man garantiert nichts falsch. Sympathische Geschichten – wie hier bei «Grosser Bruder gesucht» – grosse Schrift, klare Bilder und: unten an der Seite Fragen der Lesedetektive zum Text. Kinder lieben es, Kriminalfälle zu lösen. Beim Lesen heraustüfteln zu können, welches Gemüse Emma am ekligsten findet, motiviert. Gleichzeitig lernen sie, dass Text nicht nur heruntergelesen, sondern auch begriffen werden muss.
Beate Dölling/Didier Laget: «Grosser Bruder gesucht», Duden, Fr. 13.00
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«Das tut trillionenfach weher»

Wenn Sie ganz lieb zu Ihrem Kind sind, leiht es Ihnen seine «Wilden Zwerge»-Bücher vielleicht mal aus. Zum Schieflachen sind die Geschichten um eine Horde chaotischer Kindergartenkinder und deren merkwürdige Erlebnisse. Wie etwa das mit der Erzieherin Frau Köhler, die sich ein Bein bricht und jetzt wohl ein frisches aus dem Krankenhaus-Ersatzteillager angeschraubt bekommt. Wobei Richard allerdings findet, dass seine Schmerzen, damals, als er den Bauch gebrochen hatte, viel schlimmer waren, aber doch nicht so schlimm wie Alex' Fingerschnitt: der war wie trillionenmal Sterben. Mindestens. Abstruse Geschichten, die liebenswerter nicht sein könnten. Hier erfahren Kinder: Bücher machen vor allem eines – Spass. Und Eltern lernen: Man darf es sich nie mit seinen Kindern verscherzen, denn eventuell möchte man sich mal ein Buch von ihnen borgen.

Meyer/Lehmann/Schulze (Bilder: Susanne Göhlich): «Die wilden Zwerge – der Unfall», Klett Kinderbuch, Fr. 13.90

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Erst ich ein Stück, dann du

Lesen ist ein einsames Geschäft. Gerade junge Kinder mögen das oft gar nicht. Da quält man sich schon mit p, q, d und b rum und wie die bloss auseinanderzuhalten sind – und dann ist man dabei auch noch mutterseelenallein!!! Die von der «Stiftung Lesen» empfohlene Reihe «Erst ich ein Stück, dann du» setzt genau dort an. Mama oder Papa lesen einen klein gedruckten Teil mit schwierigen Wörtern und anschliessend kommt ein einfacher Abschnitt, der vom Buch-Anfänger vorgelesen wird: gross geschrieben, wenig Text. So kommt man problemlos als Team ans Ziel. Und gemütlich ist gemeinsames Schmökern zudem. In der Reihe sind genauso Geschichten wie «Finna – Wikingermädchen auf grosser Fahrt» erschienen wie auch einige kluge Sachbücher. Schliesslich wollen Kinder manchmal etwas ganz, ganz genau wissen.

Patricia Schröder: «Finna – Wikingermädchen auf grosser Fahrt», cbj-Verlag, Fr. 14.90
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Caren Battaglia


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