Gehen oder bleiben?
Eltern in kriselnden Partnerschaften tun sich schwer mit einer endgültigen Entscheidung. Und doch muss man eine finden. Bald.
Wer klären möchte, wie es um die eigene Beziehung bestellt ist, nähert sich ihr am besten wie ein Arzt, findet die amerikanische Psychotherapeutin Mira Kirshenbaum. Wie ein engagierter Mediziner, der herausfinden will, unter welcher Krankheit sein Patient leiden könnte, um die passende Behandlung zu beginnen.
Hier zehn diagnostische Fragen, um zu klären: Hat die Partnerschaft lediglich eine besonders hartnäckige Grippe oder wird sie durch eine Herz-Lungen-Maschine am Leben gehalten und ist in Wirklichkeit schon lange tot?
Wenn Sie an die schönsten Zeiten mit Ihrem Partner zurückdenken – waren wenigstens diese uneingeschränkt und ungetrübt schön?Nein? Wenn eine Beziehung auch in den rosigsten Zeiten nicht ganz in Ordnung war, stehen die Zeichen schlecht. Eine Beziehung, die nie gut war, wird auch nie gut werden.
Gibt es zwischen Ihnen und Ihrem Partner, abgesehen von den Kindern, ein gemeinsames Interesse, das sie verbindet und gleichermassen begeistert?
Ja? Wenn es – ausser Sex – wenigstens eine Sache gibt, die beide mit Freude zusammen tun, sind Hopfen und Malz noch nicht verloren. Auf schönen gemeinsamen Erfahrungen lässt sich häufig wieder etwas Schönes aufbauen.
Finden Sie, von Ihren Problemen miteinander abgesehen, dass Ihr Partner ein netter Mensch ist? Oder empfinden Sie Widerwillen, finden ihn dumm, hässlich, charakterlich fragwürdig oder gar gewalttätig?
Einen Menschen, den man grundsätzlich nett findet, kann man zum Freund haben. Und Freundschaft ist ein wichtiges Fundament jeder Beziehung. Zu jemandem allerdings, den man für verrückt, hässlich oder abstossend hält, wird man nie mehr Liebe empfinden. Bei aller Mühe nicht. Ist Gewalt gegen Sie oder die Kinder im Spiel, heisst es: weg. So schnell wie möglich.
Haben Ihre Bedürfnisse eine Chance, respektiert zu werden, ohne dass Sie dafür enorm viel Kraft aufwenden müssten?
An schlechter Kommunikation über Bedürfnisse kann man arbeiten, an ihrer dauernden Missachtung nicht. Auch mit herrschsüchtigen Machtmenschen wird es auf lange Sicht schwierig. Herausfinden, woran es liegt.
Vermittelt Ihr Partner Ihnen häufig das Gefühl, unsichtbar, unattraktiv oder blöd zu sein? Sehen Sie sich inzwischen manchmal sogar selbst so?
Ja? Menschen, die sich lieben, demütigen sich nicht ständig absichtlich. Sein Selbstbewusstsein zu bewahren ist wichtig. Auch damit Ihre Kinder sich sicher und geborgen fühlen.
Fühlen Sie sich von Ihrem Partner auf einzigartige Weise sexuell angezogen?
Wenn der Sex trotz allem etwas Besonderes ist, dann ist auch dieser Mensch für Sie etwas Besonderes. Der «Patient Beziehung» mag schwer krank sein, tot ist er nicht.
Ist Ihr Partner trotz Streit und eingerosteter Romantik für Sie da, wenn Sie ihn am nötigsten brauchen?
Ja? Eine der allerwichtigsten Grundlagen. Die Beziehung ist vielleicht dringend renovierungsbedürftig, doch Fundament und Bausubstanz sind 1a.
Es gab eine Affäre. Es gab Lügen. Können Sie verzeihen und vertrauen? Ehrlich? Vollständig?
Wenn nämlich nicht, hilft auch die beste Absicht nicht. Misstrauen, Nadelstiche und Verbitterung kreieren nicht die richtige Atmosphäre, um Kinder aufzuziehen.
Gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt gemeinsame Ziele, Wünsche, Zukunftspläne?
Geteilte Visionen erleichtern es, auch das Leben zu teilen. Ist der ehemals gemeinsame Traum für einen von beiden zum Albtraum geworden, sieht die Sache anders aus …
Haben Sie das Gefühl, Ihr Partner ist Ihnen ähnlich
oder ist er Ihnen völlig fremd geworden?
In einer tragfähigen Beziehung gilt, so Mira Kirshenbaum: «Irgendwo, irgendwie muss man, wenn man dem Partner tief in die Augen blickt, sich selbst sehen können.»
Caren Battaglia








