zur Hauptnavigation
Direkt zum Hauptinhalt

 

Präeklampsie früh erkennen

Spezielle Tests sollen die Schwangerschaftsvergiftung
präzis erkennen oder vorhersagen. Was bringt das?


Die Präeklampsie zählt zu den gefährlichsten Erkrankungen in der Schwangerschaft. Weil sie im Extremfall für Mutter und Kind tödlich enden kann, wird sie umgangssprachlich auch Schwangerschaftsvergiftung genannt. Drei bis fünf Prozent der Schwangeren erkranken im Lauf der neun Monate daran, manchmal aber auch erst kurz nach der Geburt. In der Fachpresse liest man immer wieder von Tests, mit welchen die Präeklampsie exakt diagnostiziert oder sogar vorausgesagt werden soll. Bereits erhältlich ist ein Bluttest der Pharmafirma Roche, der die Biomarker s-Flt1 und PIGF prüft. Je nach Höhe dieser Werte kann eine Präeklampsie bestätigt oder ausgeschlossen werden.

Im Klinikalltag wird die Krankheit aber bereits anders diagnostiziert: Die Präeklampsie steht fest, wenn ein Blutdruck von 140/90 mmHg oder mehr gemessen wird sowie eine Proteinurie besteht, also übermässig viel Eiweiss über den Urin ausgeschieden wird. «In einem solchen Fall bleibt die Schwangere zur Überwachung im Spital und erhält in schweren Fällen intravenös Magnesium zur Krampfprophylaxe», sagt PD Dr. Leonhard Schäffer von der Zürcher Universitäts-Frauenklinik. Verschlechtert sich der Zustand, ist die Entbindung nötig, da die Krankheit nur so gestoppt werden kann. «Der Nutzen des Roche-Tests ist zu gering. Wir verwenden ihn nicht», sagt Schäffer. Dem Facharzt ist keine Klinik in der Schweiz bekannt, die den Test routinemässig, also ausserhalb von Studien, einsetzt. Die Pharmabranche sei aber interessiert daran, in einem neuen Geschäftsfeld Fuss zu fassen.

Hilfreich wäre, könnte man die Präeklampsie bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel prognostizieren: «Gibt man Risikopatientinnen ab der 12. Woche niedrig dosiert Aspirin, reduziert sich die Erkrankungsrate um 10 bis 15 Prozent», sagt Schäffer. Tests mit Biomarkern oder mit Podozyten, also mit spezifischen Nierenzellen im Urin, sind in der klinischen Entwicklung. Schäffer: «Frühestens in zwei bis drei Jahren werden wir einen solchen in der klinischen Praxis einsetzen können, wenn überhaupt.»
 

Veronica Bonilla Gurzeler


Präeklampsie bedeutet: hoher Blutdruck und Eiweiss im Urin. (Bild: iStockphoto)

Ratgeber


Wenn Schwangerschaft krank macht
Bluthochdruck, Präeklampsie, Eklampsie, HELLP-Syndrom.
» hier bestellen

 
Baby des MonatsPresent ServiceSchwangerschaftskalender