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Notfall im Kinderzimmer

Platzwunden, Knochenbrüche, Durchfall und Erbrechen: Wenn Kinder verunfallen oder plötzlich krank sind, möchten Eltern so schnell wie möglich helfen. Was man im Notfall tun und lassen sollte, sagt ein erfahrener Kindermediziner.


Platzwunde

Tilda (4) ist auf dem Spielplatz vom Kletterturm gefallen und hat eine zwei Zentimeter lange, stark blutende Platzwunde an der Stirne.

STAUBLI: Platzwunden, die länger sind als 1,5 Zentimeter und deren Wundränder auseinanderklaffen, sollte man besser einem Arzt zeigen. Sie müssen zugeklebt oder genäht werden. Kleinere Platzwunden, deren Ränder nicht klaffen und die nicht mehr bluten, können nach dem Desinfizieren in der Regel selber mit Heftpflastern oder mit Steri-Strip geschlossen werden. Je nachdem, wo sich die Wunde befindet (etwa im Gesicht), ist es aus kosmetischen Gründen angezeigt, trotzdem einen Arzt aufzusuchen. Pulsierende, spritzende Blutungen weisen darauf hin, dass eine Arterie verletzt wurde; sie müssen von einem Arzt versorgt werden.

Sturz auf den Kopf

Beim Herumtoben zu Hause ist Moritz (3) vom Sofa gestürzt und auf den Kopf gefallen.

STAUBLI: Dass ein Kind nach einem solch heftigen Sturz bitterlich weint, ist vollkommen natürlich. Spätestens nach einer halben Stunde sollte sich Moritz aber wieder beruhigt haben und normal verhalten. Ein Zeichen für eine Hirnerschütterung ist, wenn ein Kind bewusstlos ist oder innerhalb von 24 Stunden nach einem Sturz mehr als zweimal erbricht. Dann sollte man einen Arzt aufsuchen. Entwickelt sich am Kopf eine harte Beule, ist dies nicht besorgniserregend. Eine grosse, weiche Beule, die sich anfühlt wie ein mit Wasser gefüllter Ballon, kann jedoch ein Zeichen eines Blutergusses unter der Kopfhaut – und einer Schädelfraktur – sein.

Zahnunfall

Leon (31⁄2) hat mit seinem Sandkastenfreund ausgelassen Fangen gespielt. Dabei ist er auf dem Asphalt gestürzt und hat sich einen Zahn ausgeschlagen.

STAUBLI: Ein ausgeschlagener Milchzahn wird in der Regel nicht mehr eingesetzt. Handelt es sich um einen bleibenden Zahn, empfiehlt es sich, diesen mit dem Zahnhals in Kochsalzlösung oder in Milch eingelegt zum Notfall-Zahnarzt mitzubringen. Bei wackligen oder schief stehenden Zähnen wird der Zahnarzt versuchen, diese zu richten und zu fixieren.


Knochenbruch

Tim (3) war mit dem Vater beim Einkaufen und ist aus dem Einkaufswagen gefallen. Nach dem Sturz weint er und klagt über starke Schmerzen. Dem Vater fällt auf, dass er seinen linken Arm nicht mehr bewegt.

STAUBLI: Als Erstes sollte Tim ein Schmerzmittel gegeben werden. Dann soll der Vater versuchen, den Arm mit einer improvisierten Schiene sowie einem Verband oder einer Schlinge zu fixieren. Bei Verdacht auf eine Fraktur muss danach auf jeden Fall ein Arzt konsultiert werden.


Verbrennungen und Verbrühungen

Das Lieblingsstofftier von Max (4) hat an einer Kerze Feuer gefangen. Instinktiv drückte es Max an sich. Er hat sich schwere Verbrennungen zugezogen.

STAUBLI: Verbrennungen und Verbrühungen sind äusserst schmerzhaft, deshalb sollte Max sofort ein Schmerzmittel verabreicht werden. Die betroffenen Körperstellen sollten 15 bis 20 Minuten unter kaltem (aber nicht eiskaltem) Wasser gekühlt werden. Erst danach soll man den Arzt aufsuchen.

Vergiftung

Matilda (3) hat in einem unbeobachteten Moment eine Flasche Putzmittel genommen und daraus getrunken.

STAUBLI: Die Mutter ruft am besten das Tox-Zentrum (Tel. 145) an. Die Fachleute dort werden ihr aufgrund der Angaben über die Substanz sagen, wie sie am besten weiter vorgeht. Das Kind zum Erbrechen zu bringen, ist nicht ratsam: So würden Säuren zum Beispiel die Speiseröhre ein zweites Mal passieren oder könnten in die Luftröhre gelangen, wo sie weiteren Schaden anrichten.

Verschlucken von Gegenständen

Elena (4) hat bei einem Apéro ein Nüsschen erwischt und sich daran verschluckt.

STAUBLI: Wenn Elena einen Hustenanfall kriegt oder ein Pfeifen hörbar ist, während sie atmet, ist das ein Hinweis darauf, dass das Nüsschen in die Luftröhre gelangt ist. Indem man sie auf den Kopf stellt, kann man versuchen, das Nüsschen herauszubekommen. Manchmal helfen auch leichte Schläge auf den Rücken oder Druck auf den Bauch. Verschluckt ein Kind einen Fremdkörper, muss man sich keine Sorgen machen, so lange es normal isst und trinkt und nicht über Bauchweh klagt. Der Gegenstand wird irgendwann hinten wieder herauskommen. Gefährlich sind Magnete oder Knopfbatterien. Damit sollte man zum Arzt gehen.

Fieber

Maude (31⁄2) hat über 40 Grad Fieber. Ihre Eltern haben den Eindruck, ihre Tochter «glühe», und sie fragen sich, wie viel Fieber noch normal sei.

STAUBLI: Fieber bis zu 41 Grad ist nicht schädlich für ein Kind. Die Eltern sollten zunächst versuchen, das Fieber medikamentös zu senken. Nach etwa einer Stunde sollte das Fieber tatsächlich gesunken sein, und der Allgemeinzustand des Kindes sollte sich verbessert haben. Wenn dies nicht der Fall ist oder andere Symptome wie Trinkunlust, Schmerzen, Erbrechen dazukommen oder das Fieber mehr als drei, vier Tage anhält, sollten sie einen Arzt konsultieren.

Magen-Darm-Grippe

Laurin (3) erbricht, hat Durchfall und Fieber. Seine Mutter ist drauf und dran, in der Nacht die Notfallstation des nächsten Spitals aufzusuchen.

STAUBLI: Erbrechen nach einer Magenverstimmung sollte nach 24 Stunden aufhören. Wenn ein Kind nach dieser Zeit immer noch ausschliesslich erbricht und keinen Durchfall hat, sollte man es untersuchen lassen. Bei einer Magen-Darm-Grippe mit Durchfall, Erbrechen und eventuell auch Fieber muss man darauf achten, dass das Kind genügend Flüssigkeit zu sich nimmt (gezuckerten Tee, Trinklösungen). Wenn der Allgemeinzustand sehr schlecht ist, das Kind also nicht mehr spielt und desinteressiert ist, sollte man einen Arzt kontaktieren.

Bellender Husten/Pseudokrupp

Jaël (21⁄2) wacht in der Nacht plötzlich auf und hat wie aus dem Nichts starken Husten.

STAUBLI: Hört sich der Husten an, als würde ein Hund bellen, und ist das Kind heiser, handelt es sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit um Pseudokrupp, eine Viruserkrankung im Bereich des Kehlkopfs. Die Eltern sollten mit dem Kind nach draussen an die kalte Luft gehen oder im Bad mit der Dusche warmen Wasserdampf erzeugen. Bei Pseudokrupp verschwinden die Symptome dadurch. Sind die Atemwege allerdings weiter eingeengt und nimmt man ein Geräusch beim Ein- und Ausatmen wahr, sollte man mit dem Kind einen Arzt aufsuchen.

 

Rebekka Häfeli




Hier gibts telefonisch Hilfe

  • Das Kinderspital Zürich unterhält 24 Stunden am Tag ein kostenpflichtiges Beratungstelefon für Eltern: Telefon 0900 266 711 (Fr. 3.23 pro Minute).
  • Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollte man das Tox-Zentrum anrufen, das ebenfalls 24 Stunden besetzt ist: Telefon 145
  • Sanitäts-Notruf (Ambulanz): Telefon 144
  • Schweizerische Rettungsflugwacht: Telefon 1414
  • Medizinische Auskünfte erteilen, wenn der Kinderarzt oder die Kinderärztin nicht erreichbar sind, auch Hotlines von Krankenkassen.

 
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