zur Hauptnavigation
Direkt zum Hauptinhalt

 

Fieberzäpfchen und Zwiebelwickel

Fieber, Husten, Ohrenweh oder Erbrechen: Beschwerden dieser Art gehören bei Familien mit Kindern zum Alltag. Hier einige Tipps, wie man den lästigen Leiden am besten beikommt.


Wer Kinder hat, weiss: Ein kränkelndes Kind und kurzzeitige Bettlägerigkeit gehören zum Familienalltag. Und damit auch Ängste und Fragen: Wieso ist die Kleine plötzlich so matt und fiebrig, ist es eine Erkältung oder was Ernsteres? Was ist nun angesagt, sofort zum Doktor oder abwarten und «Hustentee» trinken?

Bis 10 mal Fieber pro Jahr normal

Beruhigend ist zunächst mal: Dass ein Kind zehnmal jährlich mit Fieber im Bett liegt, kann völlig normal sein. «Das kindliche Immunsystem muss sich zuerst mit der Umwelt auseinandersetzen. Es ist intensiv dabei zu Üben und bildet gegen zahlreiche Erreger Antikörper», sagt Irene Fietz, Kinderärztin in Bern. «Immer wieder mal krank sind daher oft Kinder, die mit vielen Krankheitserregern in Kontakt kommen, zum Beispiel in der Krippe.»

Meist nicht gefährlich

Gerade häufige Beschwerden wie Fieber, Durchfall oder Erbrechen haben für Kind und Eltern etwas Bedrohliches an sich: Dem Kind ist übel, es fühlt sich dem Brechreiz ausgeliefert und kann kaum etwas bei sich behalten. Wird es so nicht auf die Dauer zu schwach? Verhungert oder verdurstet gar? Doch so schlimm wie es aussieht, ist es meist nicht. Fast immer sind solche Leiden daheim behandelbar, wenn sie in Ausmass und Dauer im Rahmen bleiben. Gute Dienste tun dabei neben Medikamenten auch bewährte Hausmittel. Laut Heiner Frei, Kinderarzt und Homöopath aus Laupen, eignen sich pflanzliche Heilmittel besonders zur Behandlung auf eigene Faust. Von einer wirklichen homöopathischen Selbstbehandlung hingegen rät Frei ab: «In der Homöopathie gibt es nicht DAS Mittel für DIE Krankheit, vielmehr wird die Diagnose aufgrund einer vielfältigen Kombination von Symptomen erstellt.» Daher sei die Diagnose besser einer Fachperson zu überlassen, betont er. Was aber immer wichtig ist, egal, ob ein Schulmediziner oder ein Homöopath aufgesucht wird oder man mit Hausmittelchen selbst zu helfen versucht: Die Symptome sehr genau beobachten und am besten aufschreiben, damit man im Fall einer Verschlechterung des Zustandes einer Fachperson möglichst präzise Auskunft geben kann.

Halsweh und Heiserkeit

Bei Halsweh als Begleiterscheinung einer Erkältung sind die Schleimhäute im Hals- und Rachenraum entzündet und geschwollen, was vor allem auch beim Schlucken arg schmerzt und die Stimme kratzen lässt. Besonders unangenehm ist eine Angina, eine Infektion der Rachenschleimhäute.

Behandeln:

  • Gurgeln mit Salzwasser, Salbei- oder Kamillentee (ab etwa 3 Jahren, wenn das Kind spülen kann ohne zu schlucken).
  • Quarkwickel (kühlend): Magerquark dick auf Haushaltpapier streichen, in Stoffwindel packen und auf den Hals legen.


Fieber

Von Fieber spricht man, wenn die Körpertemperatur auf mindestens 38°C gestiegen ist. Das bedeutet, dass die Abwehrmechanismen des Körpers gegen Entzündungen aktiv sind. Besonders zuverlässig ist eine Messung im Po, am besten mit einem Thermometer mit weicher Spitze.

Behandeln:

  • Ab 39°C Fieber senkendes Medikament geben (Wirkstoffe Paracetamol oder Ibuprofen), bei kleinen Kindern am besten per Zäpfchen.
  • Viel trinken, frische Luft im Zimmer, aber Durchzug vermeiden.
  • Das Kind warm einpacken, ohne es zu überhitzen. Nass geschwitzte Wäsche wechseln.
  • Schweisstreibender Tee aus Holunderblüten und Lindenblüten (oder einzeln).


Erkältung oder Grippe?

Längst nicht jede Erkältung ist tatsächlich eine echte Grippe. Wer erkältet ist, hat am ehesten Rhinoviren erwischt, die ebenfalls eine Infektion der Atemwege bewirken. Die für die Grippe verantwortlichen Influenzaviren sorgen jedoch oft für schwerere Symptome wie hohes Fieber und heftige Glieder- und Kopfschmerzen. Erkältungs- und Grippeviren sind höchst ansteckend und werden daher häufig aus Krippe, Kindergarten und Schule heim gebracht. Erkältung wie auch Grippe lassen sich nicht wirklich behandeln, sondern verschwinden nach einigen Tagen von selbst.

Ihre Symptome dagegen wie Husten, Halsweh und Heiserkeit können gelindert werden.

Behandeln lässt sich die Erkältung oder Grippe im Ganzen also nicht. Bleibt nur:

  • Viel trinken, Bettruhe – und Geduld!

Husten

Häufige Ursache für Husten sind durch Viren oder Bakterien entzündete Bronchien (akute Bronchitis). Lästig ist zum einen der Hustenreiz, der Nachtruhe unmöglich macht, zum andern der Schleim, der durch die Entzündung produziert und ausgehustet wird.

Behandeln:

  • Nachts den Hustenreiz mit einem Hustenblocker (z.B. als Sirup) lindern, tagsüber schleim- und krampflösende Medikamente nehmen.
  • Viel trinken, Luft feucht halten.
  • Inhalieren mit Wasserdampf und Salz oder 1 EL getrockneten Kamillenblüten und zwei Tropfen ätherischem Thymianöl.
  • Kleinkinder wegen Verbrennungsgefahr nie alleine inhalieren lassen.
  • Warme Kartoffelwickel (schleimlösend): Kartoffeln kochen und zerdrücken, in eine Stoffwindel und zusätzlich in ein Frotteetuch packen, den Brustkorb umwickeln, nie direkt auf die Haut und nicht zu heiss.


Kopfweh

Kurzfristiges Kopfweh kann Begleiterscheinung einer Erkältung oder Grippe sein, oder auch Anzeichen von Anspannung und Stress. Manchmal steckt ein Mangel an Flüssigkeit oder Bewegung dahinter.

Behandeln:

  • Schmerzmittel (Wirkstoffe Paracetamol oder Ibuprofen).
  • Pfefferminzöl auf Schläfen, Stirn und Nacken (ab 4 Jahren).
  • Tee aus Mädesüss (schmerzstillend): 1 TL Blüten oder Kraut mit 1,5 dl Wasser übergiessen, 10–20 Minuten ziehen lassen, mehrmals täglich trinken.

Ohrenweh

Ohrenweh als Begleiterscheinung von Erkältungen wird durch Bakterien verursacht, die in den Gehörgang eingedrungen sind. Handelt es sich um eine Entzündung des Mittelohrs, sind die Schmerzen besonders stark und pochend. Unbehandelt kann eine Mittelohrenentzündung Schäden hinterlassen, etwa dauerhaft das Hörvermögen einschränken.

Behandeln:

  • Bei Gehörganginfekten Ohrentropfen geben (auch pflanzliche erhältlich).
  • Zwiebelwickel (entzündungshemmend, schleimlösend): Zwiebel klein schneiden, in Stoffwindel binden, über Wasserdampf erwärmen, mehrmals täglich aufs Ohr legen.
  • Thymiantee (antibakteriell, antiviral)
  • Bei starken und anhaltenden Schmerzen zum Arzt gehen.
  • Thymiantee (antibakteriell, antiviral)
  • Bei starken und anhaltenden Schmerzen zum Arzt gehen.

Durchfall und Erbrechen

Durchfall und Erbrechen sind häufig Folgen einer Magenverstimmung oder einer Grippe. Während der Wintersaison stecken nicht selten Noroviren dahinter, die via Handkontakt sehr leicht übertragbar sind und sich mit schwallartigem Erbrechen und Durchfall bemerkbar machen.

Behandeln:

  • Viel und in kurzen Abständen trinken, um Flüssigkeitsverlust auszugleichen (besonders wichtig bei Babys und Kleinkindern!), zum Beispiel Tee mit einem Teelöffel Zucker und einer Prise Salz pro Deziliter oder eine in der Apotheke erhältliche gebrauchsfertige Glucose-Elektrolyt-Mischung. Säuglingen speziell erhältliches Durchfall Schoppenpulver, Stillkindern in kurzen Abständen die Brust geben.
  • Hört das Erbrechen auf, leichte und eher «stopfende» Nahrung geben, z. B. Bananen, Reis oder gekochte Rüebli.
  • Bei Durchfall Heidelbeertee: 2 EL getrocknete (nicht frische!) Beeren mit 1⁄2 l Wasser 30 Minuten kochen lassen und mehrmals täglich 1 TL verabreichen.

Blähungen

  • Blähungen und Krämpfe im Magen-Darm-Trakt kommen bei Kindern häufig vor, besonders bei Säuglingen.
  • Behandeln:
  • Tee aus Fenchel oder Kümmel, eventuell aus Geschmacksgründen mit Apfelsaft verdünnen.
  • Bauch sanft im Uhrzeigersinn massieren.
  • warmen Kirschkernsack oder Wärmflasche (Vorsicht, nicht zu heiss!) auflegen.

Verstopfung

Bei Kleinkindern kommt es mit der Umstellung von Milch auf feste Nahrung häufig zu Verstopfung. Später kann die schmerzhafte Erfahrung auch zum Zurückhalten des Stuhls führen, was wiederum neue Verstopfung verursacht.

Behandeln:

  • Zweimal täglich ca. 1 TL Milchzucker in Brei oder Schoppen geben.
  • 1 TL gut quellende Leinsamen mit 1,5 dl Wasser übergiessen und 2- bis 3-mal täglich vor den Mahlzeiten geben.
  • Nur wenn «nichts mehr geht»: Altersgerechte Glycerinzäpfchen einführen.
 

Alexandra Suter




Wann zum Arzt?

  • Kind atmet schwer
  • Es trinkt schlecht
  • Windeln bleiben trocken
  • starke und anhaltende Symptome (Fieber über 40 °C)
  • unbekannte Symptome, die man nicht einordnen kann
  • Bei Säuglingen früh den Arzt aufsuchen, Dehydrierung, also Flüssigkeitsmangel durch Durchfall oder Erbrechen, kann schnell gefährlich werden.

In den ersten sechs Lebensmonaten sollte bei jedem Fieber der Arzt konsultiert werden. Die Kriterien für einen Arztbesuch oder eine Selbstbehandlung sind aber nicht immer eindeutig. Mit der Zeit urteilt sich’s leichter: «Je älter ein Kind, desto mehr ist es den Eltern vertraut», sagt Kinderärztin Irene Fietz, «und desto besser kann es selbst über Beschwerden Auskunft geben.»

Manchmal ist auch schon ein kurzes Telefongespräch mit dem Kinderarzt klärend. Einige Ärzte sind im Notfall auch ausserhalb der Praxiszeiten erreichbar.

Tipp: Nummern von Kinderarzt und Spital im Telefon speichern.

Bitte beachten!

Kinder reagieren auf Medikamente anders als Erwachsene und haben zudem ein geringeres Körpergewicht. Daher nie ohne vorher abzuklären Medikamente und Dosierungen für Erwachsene geben, dies gilt ganz besonders für Säuglinge! Anweisungen des Kinderarztes oder der Packungsbeilage befolgen.

 
Baby des MonatsPresent ServiceSchwangerschaftskalender