Stille Welt
Rund 100 Kinder kommen in der Schweiz jedes Jahr fast taub auf die Welt. Was tun, wenn die Diagnose das eigene Kind trifft?

«Ich ghöre es Glöckli, das lüütet so nett»: Neugeborenes Baby. (Bild: iStockphoto)
Ist eine Schwerhörigkeit angeboren, liegt in den meisten Fällen eine irreversible Schädigung des Innenohrs vor, der Hörnerv ist aber selten betroffen. Zwei Therapieformen kommen infrage: Hörgeräte oder Cochlea-Implantat (CI), eine technisch hoch entwickelte Hörhilfe, die aus einer in die Hörschnecke implantierten Elektrode und einem äusserlich getragenen Sprachprozessor besteht. «Ideal ist, wenn das Kind mit sechs Monaten ein Hörgerät oder ein CI erhält», sagt Dorothe Veraguth, «sich normal entwickelnde Kinder lernen dann so gut sprechen, dass man ihrer Sprache die Hörschädigung kaum anhört.» Dass die 20 Kanäle des CI Sprache und vor allem Musik nicht gleich gut reproduzieren, wie dies die 20 000 Haarzellen im gesunden Ohr tun, liegt auf der Hand. Beim Singen und Musikhören sind CI-Träger handicapiert. Kinder, welche frühzeitig die Implantate erhalten, können oft einen normalen Kindergarten besuchen, Spezialschulen sind für sie selten nötig.
Ursache für Hördefizite
Hörbeeinträchtigungen können angeboren sein, treten aber auch im späteren Leben auf. Gründe für angeborene Hörprobleme:
- Genetisch bedingte Erbleiden
- Infektionen während der Schwangerschaft wie Toxoplasmose, Röteln, Zytomegalie (grippeartige, virale Erkrankung)
- Sauerstoffmangel oder Hirnblutung während der Geburt
- Frühgeburtlichkeit Gründe für erworbene Hörprobleme
- Verstopfter Gehörgang durch
Ohrenschmalz (Cerum)
- Mittelohrentzündung bei Grippe, Hirnhautentzündung, Mumps oder Masern
- Bestimmte Medikamente bei Blutvergiftungen, Chemotherapie
- Akustisches Trauma, z. B. beim
Abfeuern von Spielzeugpistolen
oder Feuerwerk
- Dreht mit 6 Monaten seinen Kopf
nicht in die Richtung der Schallquelle.
- Keine Fortschritte in der Sprachentwicklung
nach dem 9. Monat.
- Erwacht oder erschrickt bei lauten Geräuschen wie Türen schlagen nicht.
- Reagiert auf Sprache ausserhalb seines Blickfelds ungenügend und hat Mühe, Geräusche zu lokalisieren.
- Antwortet auf Ansprechen nur verzögert oder gar nicht.
- Hat häufig Ohrenentzündungen oder Schnupfen.
- Hat nur wenige soziale Kontakte oder wirkt verträumt.
- Lernschwierigkeiten in der Schule.
- Es sind Hörprobleme in der Familie bekannt.
Veronica Bonilla Gurzeler








