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Von der Brust zum Brei

Nach dem ersten Lebenshalbjahr reicht Milch allein nicht mehr aus, um den Kalorien- und Nährstoffbedarf des wachsenden Babys zu decken. wir eltern zeigt, wie Sie und Ihr Kleines den Übergang zum Brei problemlos schaffen.


Den gerade 6 Monate alt gewordenen Manuel zu füttern, war vom ersten Löffelchen an ein wahres Vergnügen. Bereits bei seiner dritten Breimahlzeit verschlang er 150 Gramm Karottenbrei. Anders sein Brüderchen Alexander, als es im selben Alter war. Sein Mund blieb beharrlich zu und öffnete sich nur an Mamas Brust. Die Richtlininen der Schweizer Kinderärzte über Beifütterung interessierten ihn nicht. Diese empfehlen heute sechsmonatiges ausschliessliches Stillen, besonders für allergiegefährdete Säuglinge. Vor dem 5. Monat sollte das Baby keinen Brei erhalten, weil sein Verdauungs-, Immun- und Stoffwechselsystem noch nicht reif genug ist für «fremde» Nahrung. Spätestens im 7. Monat sollte dann aber mit dem Füttern des ersten Breis begonnen werden, da das wachsende Baby immer mehr Kalorien und Nährstoffe braucht und Milch allein diese auf Dauer nicht liefern kann.

Doch nicht jedes Kind begreift gleich rasch, wie ein Brei gelöffelt und geschluckt wird. Wie in anderen Bereichen gibt es Früh- und Spätzünder. Im Idealfall signalisiert ein Baby irgendwann um den 6. oder 7. Lebensmonat deutlich, dass es bereit ist für den ersten Brei. Es steckt alles Greifbare in den Mund und ist nach der Still- oder Schoppenmahlzeit unzufrieden. Dafür schaut es gierig jedem Bissen nach, der von Mamas Teller in ihren Mund wandert. Und es macht sein Mündchen ebenfalls auf, in der Hoffnung, auch etwas abzukriegen.

Doch Mamas Essen bekommt ihm noch nicht. Vor allem schwer verdauliche und blähende Speisen, aber auch Gepökeltes und Geräuchertes wie Wurst oder Schinken sind tabu, die darin enthaltenen Nitritpökelsalze können seiner Gesundheit schaden. Dasselbe gilt für Kochsalz, Streuwürze oder Bouillon. Auch auf Süssungsmittel wie Zucker und Honig sollte es noch verzichten. Sie verursachen Karies und gewöhnen die Kleinen unnötig früh an einen allzu süssen Geschmack. Honig kann im ersten Lebensjahr sogar lebensgefährlich werden. Im schlimmsten Fall enthält er unsichtbare Sporen gewisser Bakterien, die den Darm des Babys besiedeln und dort ein hochgefährliches Gift produzieren.

Diese Zusätze sind auch gar nicht nötig. Anders als bei den Erwachsenen, die etwas Ungewürztes oder Ungesüsstes als fad und ungeniessbar taxieren, empfindet das Baby den Eigengeschmack der Lebensmittel als würzig und angenehm. Auch braucht es nicht täglich einen neu kreierten, raffinierten Brei, es ist mit wenig Abwechslung zufrieden und bekommt auch so alle wichtigen Nährstoffe. Viele verschiedene Zutaten aufs Mal überfordern sogar den kleinen Körper und steigern das Allergierisiko. Zudem: Je weniger verschiedene Lebensmittel ein Baby erhält, umso leichter lässt sich feststellen, wenn es etwas nicht verträgt.

Spätestens beim Gang durch den Supermarkt stellt sich wohl jede Mutter die Frage, ob gekaufte oder selbst gemachte Breie besser sind. Keine einfache Entscheidung, denn beide Varianten haben Vor- und Nachteile. So sind fertige Babymahlzeiten zwei- bis dreimal so teuer wie selbst zubereitete. Dafür spart man mit ihnen Zeit und Arbeit, braucht keine Kochkenntnisse und Küchengeräte und sie sind ruck, zuck zur Hand, auch unterwegs. Sie unterliegen sehr strengen Rückstandskontrollen und sind schadstoff- und keimfrei. Dafür kann man bei selbst gemachten Breien die Zutaten selbst bestimmen, saisongerecht einkaufen, Salz, Zucker und andere Zusatzstoffe wie Bindemittel und zugesetzte Vitamine sowie viel Abfall vermeiden. Fertigbreie enthalten häufig auch zu viele Bestandteile, zum Beispiel mehrere Getreide- und Obstsorten. Untersuchungen ergeben immer wieder, dass im Gläschen Fett- und Proteinanteil zu niedrig sind. So enthalten Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Breie pro Gläschen meistens nur rund 15 bis 18 Gramm Proteine, ein selbst gemachter Brei dagegen 30 Gramm. Für ein gesundes Wachstum braucht es aber genügend von beiden Inhaltsstoffen. Gekaufte Gemüse- oder Gemüse-Fleisch-Gläschen sollten deshalb mit einem Teelöffel warm gepresstem Pflanzenöl angereichert werden.

Selbst gemacht oder nicht – was ist, wenn ein Baby wie Alexander mit 6 oder 7 Monaten partout keinen Brei essen will? Da kein gesundes Kind freiwillig verhungert, brauchen sich die Eltern keine Sorgen zu machen. Solange ein Baby gestillt wird, erleidet es keinen Mangel. Und irgendwann verlangt jedes von sich aus etwas Zusätzliches. Alexander zum Beispiel begann, nachdem er fast 8 Monate nur von Muttermilch gelebt und jeden Löffel Brei konsequent verweigert hatte, Brotrinden zu kauen und gekochte Kartoffel- und Rüeblistücke sowie gedünstete Apfelspalten zu knabbern, später kamen Teigwaren und Bananenrädchen dazu. Gesund blieb er auch mit «Fingerfood». Seit seinem ersten Geburtstag isst er völlig normal und mit grossem Vergnügen am Familientisch mit.

 

Marianne Botta Diener




Tipps und Tricks

  • Beginnen Sie langsam mit der Beifütterung.
  • Verschieben Sie die ersten Versuche, wenn Sie gerade in den Urlaub fahren oder Ihr Baby krank ist.
  • Wenn das Baby streikt, nehmen Sie es gelassen und versuchen es in ein paar Tagen wieder.
  • Überlassen Sie das Übungsfeld dem Papa, denn häufig klappt der Übergang von der Brust zum Löffel besser, wenn er die erste Mahlzeit füttert.
  • Ein schmaler, weicher Plastiklöffel eignet sich am besten.
  • Wenn der erste Löffel etwas Muttermilch oder die gewohnte Säuglingsmilch enthält, fällt das Kennenlernen des fremden Plastikdings leichter.

Die wichtigsten Brei-Rezepte

Gemüse-Kartoffeln-Fleisch

  • 30 g Kalbfleisch in kleine Würfelchen schneiden und in wenig Wasser weich kochen.
  • 100 g Gemüse (Karotten usw.) schälen, waschen, klein schneiden.
  • 50 g Kartoffeln schälen, abspülen, klein schneiden, zusammen mit dem Gemüse in wenig Wasser weich dünsten.
  • Zum Fleisch geben, das Ganze pürieren und mit einem Teelöffel Rapsöl mischen.

Am effizientesten ist, eine grössere Menge auf einmal zuzubereiten und portionenweise tiefzukühlen. Tiefgefrorener Brei ist rund 2 Monate haltbar. Er sollte erst knapp vor dem Gebrauch aufgetaut werden, z. B. im Wasserbad.

Im Kühlschrank ist vorgekochter Brei nur 1 Tag haltbar. Wärmen Sie bereits aufgewärmten Brei kein zweites Mal mehr auf.

Für Karottenbrei oder Karotten-Kartoffel-Brei
Fleisch weglassen, Mischen mit Rapsöl nicht vergessen!

Bananenbrei
Banane zerdrücken und mit einer Gabel schaumig schlagen, nicht auf Vorrat zubereiten!

Bananen-Apfel-Brei
Zerdrückte Banane mit einem gerüsteten, geschälten, weich gedünsteten, pürierten Apfel mischen.

Früchte-Getreidebrei
Unter den Früchtebrei können die im Handel erhältlichen Getreidebreiprodukte (z. B. Reisflocken) – aber kein Schoppenmilpulver – gemischt werden, evtl. mit etwas abgekochtem Wasser verdünnen. Sie können auch in Wasser gekochten Reis (püriert), Mais oder Griess untermischen.

Spezialfall allergiegefährdete Kinder

Falls Ihr Kind allergiegefährdet ist, sollten Sie sich vor der Umstellung auf Breimahlzeiten unbedingt von einer Fachperson (Mütterberaterin, Kinderarzt) beraten lassen.

Im ersten Lebensjahr gilt für allergiegefährdete Kinder, folgende Lebensmittel zu meiden:

  • Kuhmilch und Kuhmilchprodukte
  • Soja und Sojaprodukte
  • Zitrusfrüchte
  • Tomaten
  • Eier
  • Nüsse
  • Fisch
  • Schweinefleisch
  • Schokolade
  • Kakao
  • Vanillezucker
  • Bohnen
  • Erbsen
  • Kefen
  • Lauch
  • Sellerie
  • Linsen
  • Spargeln
  • Radieschen

 
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