Heilen mit sanften Mitteln
Immer mehr Familien wünschen sich für Ihre Kinder sowohl schulmedizinische als auch alternative Heilmethoden. Der anthroposophische Arzt Martin Fischinger bietet seit 26 Jahren mehr als «Chemie» und liegt damit voll im Trend.
wir eltern: Herr Dr. Fischinger, was unterscheidet Sie von einem klassischen Schulmediziner?
Dr. Martin Fischinger: Ich betreibe anthroposophisch erweiterte Schulmedizin mit einer Betrachtungsweise, welche die Krankheit des Patienten nicht isoliert vom Menschen angeht. Es geht ebenso um Fragen wie: In welcher Lebenssituation steht er, was hat er für eine Konstitution, welches Temperament hat er, was will er, was sucht er?
Wie geht das bei Kindern?
Bei Kindern sind es dann die Eltern, die dazu Auskunft geben. Das Gespräch mit ihnen, das Einbeziehen der Mutter oder auch des Vaters ist ein elementarer Aspekt. Es gibt eine interessante wissenschaftliche Studie zur Diagnostik: Auf der einen Seite wird eine Mutter zu einem Krankheitszustand ihres Kindes von einem Allgemeinpädiater befragt, daneben von einer umfassenden spezialärztlichen Gruppe beurteilt. Dabei führt die Befragung der Mutter zu einer deutlich besseren Diagnose und Beurteilung des Krankheitszustandes. Eine Mutter mit ihrem gesunden Menschenverstand hilft in der Beurteilung sehr viel. Was sie sagt, in ihrer Sprache, ist enorm wichtig für uns. Für mich ist deshalb eine Sprechstunde nur gelungen, wenn darin eine Begegnung stattgefunden hat.
Das braucht Zeit, vielen Ärzten fehlt es aber an Zeit…
Es braucht vor allem die Bereitschaft, die Begegnung zuzulassen. Die ist wichtiger als der Zeitrahmen. Auch ich habe nicht immer unendlich Zeit, das kann ich den Eltern auch sagen. Aber es ist mir ganz wichtig, dass sie mir ihre zentralen Anliegen mitteilen. Eltern kommen mit ihrem Kind zum Arzt, damit er gut macht, was nicht stimmt. Sie wollen, dass das Kind wieder gesund wird. Dass der behandelnde Arzt das Richtige tut. Und sie wollen häufig verschiedene Möglichkeiten kennenlernen, wie man vorgehen könnte. Deshalb kommen sie zu uns. Zum Beispiel hat ihr Kind eine Streptokokken-Angina: In der klassischen Schulmedizin ist es meist klar, dass diese mit einem Antibiotikum behandelt wird. Ich eröffne den Eltern die Möglichkeit, wenn das Kind ansonsten gesund ist, zunächst mit komplementärmedizinischen Mitteln zu behandeln. Diese umfassen in der Regel potenzierte pflanzliche und mineralische Kompositionen nebst lokalen und äusseren Anwendungen. Daneben sind Anweisungen zur Diät und zur Gestaltung der Betreuung und des Tagesablaufes gerade bei Kindern äusserst wichtig. Bei einem Kind mit einem Herzfehler oder einem schweren Verlauf setze auch ich Antibiotika ein.
Manche Eltern fürchten auch, dass ein Komplementärmediziner zu lange zuwartet und ihr Kind deswegen Schaden erleiden könnte.
Wenn das so ist, wie Sie das jetzt beschreiben, pflege ich einen regelmässigen telefonischen Kontakt mit den Eltern, um den Verlauf und den Therapieentscheid regelmässig zu überprüfen. Es fällt auf, dass heute selbst klassische Schulmediziner nicht mehr so schnell ein Antibiotikum verschreiben, wie das noch vor zwanzig Jahren der Fall war. Durch Sachzwänge ist man kritischer geworden. Schauen Sie, seit fünf, sechs Jahrzehnten verschreibt man Antibiotika. Beim Wettlauf zwischen Neuentwicklung und Resistenzentwicklung zeichnet sich ab, dass für gewisse Keime die Resistenzentwicklung rascher voran geht als die Entwicklung neuer Medikamente. Gerade bei der Verschreibung von Antibiotika gibt es auch eine kollektive Verantwortung.
Wie stehen Sie zum Impfen? Zum offiziellen Impfplan, laut dem ein Baby im Alter von zwei Monaten die ersten Impfungen erhält?
Ich sage Eltern, wenn sie mich nach dem offiziellen Impfplan fragen, ich persönlich würde lieber bis 6 Monate zuwarten. Es gibt eine grosse Studie aus Kanada an 11 500 Kindern. Diese zeigt, dass das frühe Impfen nach Impfplan eine Verdoppelung von kindlichem Asthma und kindlichem Ekzem zur Folge hat. Eine unabhängige, keine komplementärmedizinische Studie, wohlgemerkt. Ich habe eine solche Tendenz erwartet, aber diese erschreckende Deutlichkeit hat mich überrascht. Die Studie bestätigt: Die frühe Impfpraxis kompromittiert die Entwicklung des Kindes, bringt sie durcheinander. Die Immunkompetenzen des Kindes, gerade was die Asthmaproblematik betrifft, schlagen in eine falsche Richtung.
Was heisst denn zuwarten, wie lange?
Bis 1⁄2-jährig. Ich impfe sehr häufig mit sechs und neun Monaten gegen Hirnhautentzündung und fahre dann weiter ab 1-jährig mit dem grösseren Impfblock.
Sie sind also kein Impfgegner?
Nein, das bin ich nicht. Es ist mir auch wichtig, dass die zu impfenden Krankheiten einzeln mit den Eltern besprochen werden.
Was sagen Sie den totalen Impfgegnern?
Ich sage, was ich als absolutes Minimum empfehlen würde: Starrkrampf, Diphterie und Kinderlähmung, neu auch durch die Impfpraxis und die vorhandenen Impfstoffe Keuchhusten und eventuell Hirnhautentzündung. Gegen die ersten drei sind auch meine eigenen Kinder geimpft.
Monika Zech








