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Sicherheit geht vor

Vorsicht bei Schwimmhilfen für Babys und Kleinkinder. Viele Produkte sind ungeeignet, einige können sogar lebensgefährlich werden.


Schwimmlehrerin Carole Frey weiss, wie sich Babys und Kleinkinder am besten ans Wasser gewöhnen: mit Mama oder Papa, behutsam und spielerisch – und ohne Schwimmhilfen. «Sie beeinträchtigen die Bewegungsfreiheit, und sie verhindern, dass Kinder ein natürliches Gespür fürs Wasser entwickeln.» Das aber brauchen sie, um mit dem Element vertraut zu werden. Zudem vermitteln Schwimmhilfen ein trügerisches Gefühl von Sicherheit, und das kann kontraproduktiv sein. Dann nämlich, wenn sich die Kleinen ohne Schwimmflügel, Kraulquappen oder Bauchgurte gar nicht mehr ins Wasser trauen. Oder aber übermütig werden, weil sie glauben, dass ihnen damit nichts passieren kann.

Besser ohne Hilfsmittel

Schwimmhilfen – das sei eigentlich der falsche Ausdruck, ergänzt Elisabeth Herzig vom Verband swimsports. Sie spricht von Auftriebs- oder «Anti-Ertrinkungshilfen». Denn um schwimmen zu lernen, brauchen Kinder keine Hilfsmittel:  Die ersten Versuche unternehmen sie am besten im flachen Wasser, freilich unter Aufsicht. Ab ungefähr fünf Jahren kann man Kindern das Schwimmen beibringen. Doch schon sehr viel früher können Eltern damit beginnen, ihr Baby ans Wasser zu gewöhnen. «Nehmen Sie es mit in die Badewanne, ins Plansch- oder Nichtschwimmerbecken oder besuchen Sie mit ihm einen Kurs, wenn es ungefähr vier Monate alt ist», empfiehlt Elisabeth Herzig. So schaffe man die besten Voraussetzungen, aus den Kleinen später wendige und sichere Schwimmer zu machen.

Flügeli an Land?

Doch man kann Auftriebshilfen für Babys und Kinder auch sinnvoll einsetzen – an Land. «Wenn man sich in der Nähe von Wasser aufhält, sollten Kleinkinder Schwimmflügel oder Badekleider mit eingenähten Schwimmkörpern tragen», sagt Prisca Wolfensberger von der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG). Denn: Es kann Eltern oder einer Aufsichtsperson passieren, dass sie ein Kind kurz aus den Augen verlieren – vor allem dann, wenn sich eine ganze Kinderschar zum Spielen eingefunden hat. «Steigt oder fällt ein Kind ins Wasser, hat man wenigstens die Gewissheit, dass es nicht sofort untergeht.» Eine der goldenen Baderegeln der SLRG: Schwimmhilfen gehören nicht ins tiefe Wasser, sie bieten keine Sicherheit. Aufblasbare Schwimmhilfen können ein Loch haben oder die Ventile können aufgehen. Ein Kind, das nicht schwimmen kann, sinkt blitzschnell.

Keine Spielzeuge

«Schwimmhilfen sind keine Spielzeuge», betont Daniel Menna von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU). Aufblasbare Plastiktiere, Reifen, Bälle oder Poolnudeln sind gefährlich. Kleine Nichtschwimmer können abrutschen und selbst im flachen Wasser ertrinken. Luftmatratzen verleiten dazu, sich treiben zu lassen – und in tiefes Wasser zu geraten. Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft warnt ausdrücklich vor Schwimmsitzen, nicht nur, weil sie den natürlichen Bewegungsdrang des Kindes hemmen. «Kentert der Sitz, hat das Kind praktisch keine Chance, sich aus eigener Kraft zu befreien», sagt Daniel Menna vom BfU. Der Schwimmsitz bleibt an der Oberfläche, Kopf und Oberkörper des Kindes sind unter Wasser. Ist Papa, Mama oder eine Aufsichtsperson nicht sofort zur Stelle, kann das tödlich enden.

Menna empfiehlt: Bei Schwimmhilfen nicht auf das lustige Aussehen, sondern auf Sicherheit achten – und lieber die «langweiligen», orangefarbenen Schwimmflügel mit Prüfzeichen kaufen (siehe Box). «Aber auch sie bedeuten auf keinen Fall, dass man sein Kind unbeaufsichtigt ans oder ins Wasser lassen kann.» Mehr noch: Das Kind sollte immer in Reichweite sein – und das ist wörtlich gemeint. Müssen Eltern in einer heiklen Situation erst hinlaufen oder gar schwimmen, kann es zu spät sein.

 

Vera Sohmer




Tipps

  • Achten Sie darauf, dass Schwimmhilfen am Oberarm gut sitzen.
  • Die Schwimmhilfen sollten zwei aufblasbare Kammern mit je einem separaten Ventil haben oder aus einem Material mit Eigenauftrieb bestehen (Schaumstoff oder Styropor).
  • Die Ventile sollten versenkbar sein,damit das Kind sie nicht versehentlich öffnet; und es sollte sich um Ventile handeln, bei denen die Luft nicht entweichen kann (Rückschlagventile).
  • Kaufen Sie nur auf Sicherheit geprüfte Schwimmhilfen. Sie sind nach EU-Norm 13138 gefertigt beziehungsweise tragen das TÜV-/GS-Zeichen.
  • Schwimmhilfen sollten Signalfarben haben – die Skala reicht von gelb bis rot-orange.
  • Lassen Sie Schwimmflügel und andere aufblasbare Schwimmhilfen nie an der Sonne liegen. Der Kunststoff kann spröde und brüchig und damit undicht werden. Vernichten Sie beschädigte Artikel sofort.

 
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