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Achtung beim Schoppenkauf!

Bisphenol A sorgt unter Experten für Diskussionen – und Eltern sind verunsichert.


 Kaum eine Chemikalie ist derart umstritten – und kaum eine derart verbreitet: Drei Millionen Tonnen Bisphenol A werden jährlich weltweit produziert, es ist ein Hauptbestandteil von Polycarbonat-Kunststoffen. Daraus werden unter anderem Haushaltswaren wie Plastikteller oder Trinkbecher hergestellt – und Schoppenflaschen. Bisphenol A steht im Verdacht, gesundheitsschädigend zu sein. Neue Resultate zeigen, dass bei jungen Mäusen und Ratten bereits sehr kleine Mengen negative Folgen für die Hirnentwicklung und das spätere Verhalten haben, heisst es beim Kantonalen Labor Zürich. In früheren Tierversuchen führte die Chemikalie zu Unfruchtbarkeit oder Fehlbildungen.

Umstritten ist unter Forschern, ob man diese Erkenntnisse auf den Menschen übertragen kann. «Wenn Bisphenol A in den menschlichen Körper gelangt, wird es innerhalb weniger Stunden wieder ausgeschieden», heisst es beim deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung. Eine akute Gesundheitsgefährdung bestehe nicht. Andere Erkenntnisse hingegen lassen aufhorchen: Erwachsene mit Herzkrankheiten oder Diabetes hatten mehr Bisphenol A im Körper als gesunde Menschen.

Fest steht: Bisphenol A gelangt vor allem über die Nahrung in den Körper. «Spuren der Chemikalie können in Lebensmitteln vorkommen, sie stammen beispielsweise aus der Lackschicht von Konservendosen», sagt Otmar Zoller von der Abteilung Lebensmittelsicherheit im Bundesamt für Gesundheit (BAG). Und die Chemikalie kann sich aus dem Kunststoff der Schoppenflaschen lösen. Doch Zoller relativiert: Normalerweise seien die Mengen sehr gering und unproblematisch. Dies hätten auch eigene Untersuchungen gezeigt. Das BAG orientiert sich an einer Beurteilung der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit. Danach ist Bisphenol A ungefährlich, solange davon täglich nicht mehr als 0,05 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht aufgenommen wird. Bei normalem Gebrauch der Schoppenflasche könnten laut Zoller allenfalls kleinste Mengen von Bisphenol A in den Körper des Kleinkindes gelangen, und das habe keine gesundheitlichen Folgen. Es gebe also keinen Anlass, die Verwendung von Polycarbonat einzuschränken.

Man müsse ein paar Regeln beachten, teilt das Kantonale Labor Zürich mit. Denn: Kocht man Wasser mehr als zehn Minuten, wird es stark alkalisch (laugenhaft). Giesst man es dann siedend in die Schoppenflasche, kann sich innerhalb weniger Minuten eine problematisch grosse Menge Bisphenol A freisetzen. Damit dies nicht passiert, rät das Kantonale Labor:

4Wasser, mit dem man die Babyflasche ausgekocht hat, nicht für das Getränk verwenden, sondern wegschütten und siedendes Wasser etwas abkühlen lassen, bevor man es ins Fläschchen giesst.

«Die Tipps sind gut gemeint, reichen aber nicht», sagt Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz. Sie verlangt ein Verbot von Bisphenol A – wie

in Kanada. Es gebe zwar widersprüchliche Angaben darüber, wie die Chemikalie im menschlichen Organismus wirkt. «Aber jene Studien, die von der öffentlichen Hand und nicht von der Industrie finanziert wurden, kommen zum Schluss, dass eine Gefahr besteht.» Und weil es sich um Babys und Kleinkinder handelt, müsse man besonders vorsichtig sein. Walpen rät: «Wer sicher sein will, verzichtet auf Babyflaschen mit Bisphenol A oder greift zum Glasfläschchen.»�

 

Vera Sohmer




Tipps

  • Nehmen Sie einen weichen Schwamm und ein ph-neutrales Spülmittel, um die Schoppenflaschen zu reinigen. Spülen Sie die Flaschen danach immer mit klarem Wasser aus.
  • Weil Maschinenspülmittel in der Regel alkalischer sind als Handspülmittel und dadurch der Kunststoff eher angegriffen wird, sollte man die Plastikschoppen nicht im Geschirrspüler waschen.
  • Wenn Sie die Flaschen in siedendem Wasser sterilisieren, sollte dies nicht länger als drei bis fünf Minuten dauern.
  • Beachten Sie die Zubreitungshinweise auf den Verpackungen der Schoppenpulver und Getränke.
  • Werfen Sie zerkratzte Schoppenflaschen weg.
  • Babyflaschen ohne Bisphenol A gibt es in Bio-Läden, Reformhäusern oder Drogerien. Migros und Coop führen voraussichtlich ab Frühjahr Alternativprodukte.

Bezugsquelle
im Internet: www.kidsworld.ch. Die Produkte sind mit «Bisphenol-frei» oder «bfree» gekennzeichnet. Man kann sich auch an der Zahl im dreieckigen Recyclingsymbol orientieren: Die Kunststoffgruppen 01 bis 06
enthalten die Chemikalie nicht, bei 07 kann Bisphenol A drin sein. ￰

 
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