Berggeiss mit Rädern
Fernost macht mobil gegen den Klassenprimus, den VW Golf. Nach Toyota (Auris), Nissan (Tiida), Kia (cee’d) und Hyundai (i30) bringt Subaru jetzt den neuen geländetauglichen Impreza in Stellung.

Dass sich die Autos von Subaru in Berggebieten grosser Beliebtheit erfreuen, zeigt sich etwa auf einer Fahrt durch das obere Toggenburg. Fast vor jedem zweiten Haus steht ein Fahrzeug des japanischen Herstellers. Und wenn man den Gipfeln entgegenwandert, kann es mitunter passieren, dass man beiseitetreten muss, um einem Bergbauern Platz zu machen, der mit seinem (oft angejahrten) Subaru Justy, Legacy, Outback oder Impreza unterwegs ist, sein Vieh auf einer Alp zu versorgen. Sollte es gar steil und rutschig werden, schaltet er das Reduktionsgetriebe hinzu – und sein Allradler wird zur Berggeiss.
Doch auf den Impreza, der seit 1993 produziert wird, stehen nicht nur Bergler. Unter den bisher 33 000 Käufern in der Schweiz sind auch manche PS-Fetischisten, die mit der stärksten Version, dem WRX STi mit weit über 200 PS unter der Haube, rumblochen. Dieser zeichnet sich aus durch einen überdimensionierten, grottenhässlichen Heckspoiler.
Nun geht der Impreza (vom englischen Verb «to impress», beeindrucken) als fünftürige Schrägheck-Limousine in einem völlig neuen, für Subaru-Verhältnisse geradezu extravaganten Blechkleid auf Kundenfang. Die Jungs von der schnellen Truppe dürfen weiterhin vom Rallye-Drift träumen. Doch unter der Topversion mit Turbopower gibt es einen 1,5- und einen 2-Liter-Benziner, die auch vernunftbegabte Väter und sicherheitsbewusste Mütter ansprechen.
Also, eingestiegen: in den 2,0R Comfort S für 34 500 Franken. Die Armaturentafel in Flügelform ist elegant, die Bedienungselemente sind ergonomisch angeordnet, die verwendeten Materialien wirken zugleich edel und robust; man fühlt sich sofort wohl. Das wird auch die Jungmannschaft auf der Rücksitzbank bestätigen (sofern noch nicht allzu hoch aufgeschossen). Unter der Heckklappe hats Platz für die Wochenendeinkäufe oder fünf Reisetaschen, mehr nicht. Werden die beiden asymmetrischen Rücksitzlehnen vorgeklappt, steigt das Volumen auf immerhin 1216 Liter.
Wir drücken den Startknopf und fahren los. Der 2-Liter-Boxermotor mit 150 PS ist sportlich ausgelegt, sein Ton kernig-rau. Die Schaltarbeit verlangt nach einem gut trainierten Bizeps. Die Traktion des permanenten Allradlers gehört mit zum Besten in der Golf-Klasse, besonders bei widrigen Strassenverhältnissen. Klar doch, der Impreza ist sechsfacher Rallye-World-Champion!
Das Sicherheit spendende Antriebskonzept hat allerdings seinen Preis: Auch auf ausgedehnten Autobahnfahrten liess sich der Spritverbrauch nie unter acht Liter drücken – alles andere als weltmeisterlich.
Übrigens: Wer sich vom «All Wheel Drive» verleiten lässt und den Impreza über Stock und Stein prügeln möchte, wird bald anstehen. Dazu fehlt dem ansonsten robusten Japaner schlicht die nötige Bodenfreiheit. Trotzdem ist das Reduktionsgetriebe (es reduziert die Übersetzung in allen Gängen um rund 30 Prozent) nicht unnütz: Es hilft einerseits beim Anfahren auf sehr steilen Strassen, und andererseits lässt es das Auto auch mit einem familientauglichen Wohnwagen im Schlepptau mühelos Furka, Brünig, Flüela & Co. hochklettern.
wir eltern








