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Für die 7 Zwerge

Die Grossfamilie ist zwar selten geworden. Trotzdem liebäugeln viele Mütter und Väter mit einem Siebenplätzer. Sie sind ideale Mama- und Papa-Taxis.


Noch in den 70er-Jahren war es gang und gäbe, dass Mama oder Papa bis zu zehn Fussballjunioren im Opel Rekord Caravan zum Auswärtsmatch karrte, davon die Hälfte im Kofferraum. Mit dem «Chäferfäscht» hinter der Heckklappe wars vorbei, als das Gurtenobligatorium für alle Passagiere eingeführt wurde. Natürlich könnten solche Taxidienste auch mit Mini-Bussen besorgt werden. Die sind nämlich aus Kleintransportern hervorgegangen, in die sich hinten, je nach Bestuhlung, bis zu zwölf Passagiere reinquetschen liessen. Das Sardinendosen-Feeling ist jedoch längst passé, heute bieten VW Multivan, Opel Vivaro oder Mercedes Viano regelrechten Wohnzimmerkomfort, Lederfauteuils und Minibar inklusive. Doch welcher Vater, welche Mutter begibt sich mit einem solchen XXL-Fahrzeug schon gerne in die beengten Verhältnisse einer Tiefgarage?

Wers eine Nummer kleiner, aber immer noch in Übergrösse mag, dem stehen die Grossraumlimousinen der Renault-Espace-Klasse zur Auswahl. Die Franzosen waren es, die mit dem ab 1984 produzierten Espace – «Raum» – in Europa den ersten grossen Van-Erfolg landeten. Bis zu sieben Passagiere in drei Sitzreihen reisten darin auch über längere Strecken bequem. Und wochentags konnte der Papa die dritte und zweite Sitzreihe ausbauen und das Familienauto als Handwerkermobil nutzen. Längst gehören etwa der VW Sharan (und sein spanisches Schwestermodell Seat Alhambra), der Ford Galaxy, der Kia Carnival, der Peugeot 806 oder der Chrysler Grand Voyager zum hiesigen Strassenbild. Nun sind der Sharan und der Alhambra runderneuert worden. Anhand des Spaniers sollen die Vor- und Nachteile dieser Raumgleiter aufgezeigt werden.



Weitere Siebenplätzer

Kompakte Raumwunder: Handlicher als die Grossraumlimousinen sind die Kompaktvans. Hier führt der VW Touran die Bestsellerliste an. Einige Hersteller bieten zwei unterschiedliche Karosserieformen an: Neben der Normalversion kann eine im Radstand verlängerte «Grand»-Version mit sieben Sitzplätzen geordert werden. Gegenüber den «Grossen» sind die «Kompakten» in allen Dimensionen geschrumpft, entsprechend eng wirds in der dritten Reihe. Zudem ist der Mittelsitz in Reihe zwei bloss für schmale Würfe geeignet. Der Zustieg nach hinten erfordert enorme Verrenkungen. Aber bis 1,70 Meter Scheitelhöhe sind auch längere Fahrten durchaus zumutbar. Ansehen: Citroën C4 Grand Picasso, Ford Grand C-Max (mit Schiebetüren), Opel Zafira, Peugeot 5008, Renault Grand Scenic, Toyota Verso, VW Touran u.a. Preise ab rund 30 000 Franken.

Fünfplätzer mit zwei Notsitzen: Bei den Sportwagen und Coupés kennt man die 2+2-Sitzer. Das heisst nichts anderes, als dass hinten schlicht kein Platz mehr ist für Beine, wenn es sich Fahrer und Beifahrer bequem gemacht haben. Ähnliche Notlösungen im Van-Segment bieten für die dritte Sitzreihe etwa der Ford S-Max oder der Nissan Qashqai +2. Das Beste an ihr ist, dass sie im Wagenboden versenkt werden kann. Andererseits: Auch in der S-Bahn nimmt man in Kauf, dass man sich in Stosszeiten gegenseitig auf den Füssen rumtrampelt. Weshalb also sollte man nicht mit den Knien auf Kinnhöhe zum Volleyballturnier ins übernächste Dorf fahren können? Einen Schönheitspreis verdienen beide.

Familie & Hobby: Diese MPVs (Multi Purpose Vehicles) sind zwar mit sieben Sitzplätzen ausgestattet, werden aber häufig dazu benutzt, um Hunde, Arbeitsgeräte, Surfbretter und andere Lifestyle-Utensilien herumzukarren. Trotzdem sind bis sieben normalwüchsige Personen mitunter äusserst komfortabel untergebracht. Viele rollen im Offroader-Look daher und sind, in viel Blech verpackt, in der Regel nicht zum Schnäppchenpreis zu haben. Ansehen: Audi Q7, Chevrolet Orlando, Dodge Journey, Fiat Doblo, Mitsubishi Outlander, SsangYong Rexton, Subaru Tribeca, Toyota Landcruiser, Volvo XC90 usw. Die Preisskala beginnt beim wohlfeilen Fiat Doblo (ab ca. 22 000 Franken) und ist nach oben offen.
 

Beat W. Hollenstein




Seat Alhambra: Bewertung

Stärken

  • Platzangebot
    Eltern, die mit ihren drei Kindern in die Ferien ans Meer oder in die Berge fahren, können nebenher noch den halben Haushalt mitschleppen, inklusive diverser Wasser- oder Wintersportgeräte. Wird die dritte Sitzreihe bestuhlt, stehen sieben vollwertige Einzelsitze zur Verfügung.
  • Komfort
    Dank der Fahrzeughöhe (1720 mm) und den Schiebetüren ist auch der Zustieg zur dritten Sitzreihe ohne akrobatische Verrenkungen möglich. Diese ist keineswegs eine «Strafbank», sogar für Schwingertypen gibts genügend Kopf-, Schulter- und Kniefreiheit. Von erhöhter Sitzposition aus können alle Passagiere die vorbeiziehende Landschaft durch grosse Seitenfenster geniessen.
  • Laderaum
    Natürlich schrumpft der Laderaum hinter der grossen Heckklappe, wenn alle sieben Plätze besetzt sind. Gerade mal 267 Liter stehen zur Verfügung, nicht viel mehr als in einem Kleinwagen. Doch wenn erst die dritte, dann die zweite Sitzreihe abgeklappt wird, wächst das Volumen stufenweise bis auf 2430 Liter. Wird dazu noch der Beifahrersitz abgeklappt, wird der Alhambra zum Zügelwagen. Ratlose Gesichter an der Abholrampe von Ikea sind so gut wie ausgeschlossen.
  • Fahreigenschaften
    Der lange Radstand und das sauber austarierte Fahrwerk bewirken, dass Strassenunebenheiten souverän weggesteckt werden. Auf der Autobahn schwebt man wie auf Wolken. Und in Kurven hält sich die Seitenneigung trotz hohem Schwerpunkt in Grenzen, sodass nur ausgesprochen anfällige Mitreisende reisekrank werden. Der im Testwagen arbeitende 2-Liter-Turbodiesel mit 140 PS sorgt für so viel Vortrieb, dass sich Überholmanöver nicht gefährlich in die Länge ziehen.

Schwächen

  • Design
    Keine Offenbarung. Das Formfollows-function-Prinzip ist so schnörkellos durchgezogen, dass es schon fast wehtut.
  • Übergrösse
    Die Abmessungen sind gleichzeitig auch der grösste Nachteil des Alhambra (Länge/Breite/Höhe: 4,8/1,9/1,7 Meter). Manövrieren in der Tiefgarage verlangt trotz Einparkh ilfen vollste Konzentration, und wer öfter allein unterwegs ist (und also mit einem sparsamen Kleinwagen bestens bedient wäre), könnte leicht Gewissensbisse kriegen angesichts der gähnenden Leere, die sich hinter ihm auftut. In schmalen Parklücken ist man versucht, ein Loblied auf die (automatischen) Schiebetüren anzustimmen. Dass auch die Parknachbarn über solche Türen verfügen, ist leider die Ausnahme. Und deshalb ist man darauf angewiesen, dass sie ihre Türen behutsam öffnen.
  • Verbrauch
    Beim Alhambra ist viel Raum umbaut, entsprechend hoch ist das Gewicht. Deshalb waren ältere Vans alles andere als Kostverächter. Doch das im Testwagen eingebaute 2-Liter-Aggregat mit 6-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe, Start-Stopp-Automatik und Bremsenergie- Rückgewinnung (Bremsrekuperation) gab sich mit moderaten 6,2 Litern Diesel zufrieden.
  • Preis
    Von selbst versteht sich, dass das üppige Platzangebot seinen Preis hat, insbesondere ist die dritte Sitzreihe als Mehrausstattung zu berappen. Beim Alhambra starten die Preise bei 43 650 Franken. Wer sich bei den Optionen nicht lumpen lässt, landet jedoch unversehens jenseits der 60 000-Franken-Grenze.

 
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