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Eleganz statt Billig-Look

Vornehm wie in einem Rolls-Royce-Phantom nehmen die Passagiere im neuen Opel Meriva Platz – dank Portaltüren. Der Einstieg ist mehr als ein Gag.


Schon für das Vorgängermodell entschieden sich in Europa in den letzten sieben Jahren über eine Million Autokäufer. So viel Innenraum und Flexibilität waren mit so schlanken Abmessungen und für so wenig Geld nirgends zu haben. Bei den meisten Käufern dürften praktische Gründe ausschlaggebend gewesen sein, wohl kaum optische oder gar emotionale.

Nun hat Opel nachgebessert: In zweiter Generation hat der Meriva in jeder Beziehung zugelegt. Das Blechkleid mit dem charakteristischen Knick in der Seitenfensterfront wirkt schnittig und frisch, da gibts nichts mehr zu meckern von wegen «graue Maus». Auch in der Länge und der Breite ist der City-Van deutlich gewachsen: Auf jetzt 4,28 beziehungsweise 1,91 Meter – was dem Fahrer und den Passagieren auf allen Plätzen ebenso zugute kommt wie dem Kofferraum. Das ergonomisch-elegant gezeichnete Innenleben, das den Billiger-Jakob-Eindruck älterer Opel-Modelle vergessen macht, deckt so ziemlich alle denkbaren mobilen Bedürfnisse der vierköpfigen Familie ab. Die Rücksitze lassen sich sowohl in Längs- als auch in Querrichtung verschieben, und die Mittelkonsole besteht aus auswechselbaren Modulen, die sich auf Aluschienen zwischen den Vordersitzen verschieben lassen. Und bei Bedarf wird aus dem Fünfsitzer mit wenigen Handgriffen ein Einsitzer, ohne dass Sitze ausgebaut werden müssen.

Ungewöhnliche Portaltüren
Das Auffälligste am neuen Meriva ist jedoch das ungewöhnliche Türkonzept: Wie bei einem Portal schwingen die Türen nach aussen auf. Das hat einige Vorteile: Die Fondpassagiere gelangen viel bequemer, fast in aufrechter Position ins Auto; Kinder lassen sich ohne Verrenkungen angurten; und zwischen Vorder- und Hintertür entsteht eine Sicherheitszone, in der Kinder und Mutter oder Vater aussteigen können, ohne durch eine Türe getrennt zu sein. Beim Ausflug an den Badesee hat sich diese blicksichere Zone auch als Umkleidekabine bewährt. Die Türen verriegeln sich ab vier Stundenkilometer automatisch. Das verhindert, dass das neue Türkonzept während der Fahrt buchstäblich nach hinten losgeht.

Doch nun sind wir unterwegs: auf der Autobahn, über Land und über den Voralpenpass Hulftegg. Letzteres erweist sich nicht bloss als testfahrerisches Pflichtprogramm. Denn das Auto liegt gut auf der Strasse, legt sich trotz der beachtlichen Höhe von 1,61 Meter nicht übermässig in die Kurven, und der 1,7-Liter-Selbstzünder liegt so gut am Gas, dass – wider Erwarten – so etwas wie Fahrspass aufkommt. Die erhöhte Sitzposition hilft dem Fahrer, die Übersicht zu bewahren, trotzdem gilt die alte Leier auch hier: Wegen der steil abfallenden Schnauze und der dicken hinteren Dachpfosten gerät das Einparken zum Blindflug. Gute Sicht haben dank der grossen Fenster die Hinterbänkler.

Als nicht realistisch erwies sich der werkseitig angegebene Spritverbrauch: Statt der versprochenen 6,4 Liter genehmigte sich unser Meriva deutlich über 7 Liter. Wohl so manche Familie, die nicht in Formel-1-Manier zum Wochenendeinkauf blochen möchte, wünschte sich das Auto mit einem Motor, der sich mit 5 Litern zufrieden gibt. Der Wunsch stösst auf offene Ohren: Opel will noch in diesem Jahr eine Ecoflex-Sparversion nachschieben.
 

Beat W. Hollenstein




Bewertung

Stärken

  • Optionaler integrierter + Veloträger «Flex-Fix»
  • Kinderleichtes Stühlerücken: Jedes Segment der dreiteiligen Rückbank lässt sich separat abklappen und längs verschieben, entweder zugunsten von mehr Kniefreiheit oder mehr Kofferrauminhalt
  • Die Schmetterlingstüren lassen sich, mit vier verschiedenen Arretierungen, bis zu 84 Grad öffnen
  • Für mehr Schulterfreiheit auf der Rücksitzbank kann man den
    mittleren (Not-)Sitz versenken und die Aussensitze nach innen
    schieben
  • Günstiger Preis für das Einstiegsmodell (allerdings kitzelt die Top-Ausstattung Cosmo mit allem optionalen Schnickschnack die 40 000-Franken-Marke)
  • Laufruhiger 1,7-Liter-Diesel und sehr
    gute Geräuschdämmung
Schwächen
  • Unübersichtliche Karosserie
  • Auf der Mittelkonsole den richtigen Schalter auf Anhieb zu finden ist Glückssache

Auf einen Blick

Motoren
drei 1,4-Liter-Benziner mit 100 bis 140 PS; 1,7-Liter-Diesel (100 PS)
Länge/Breite/Höhe
4,28/1,91/1,61 Meter
Laderaum
400 bis 1500 Liter
Verbrauch
6,1 bis 6,7 Liter (Werksangaben)
CO2-Ausstoss
144 bis 168 g/km
Fahrleistungen
10,3 bis 13,9 Sekunden für den Stammtischspurt
Höchstgeschwindigkeit
172 bis 196 km/h
Preis
22 200 bis 31 800 Franken (3 Ausstattungsvarianten)
Konkurrenz
Honda Jazz, Kia Soul, Fiat Qubo, Lancia Musa, Skoda Roomster

 
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