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Mini mit Babyspeck

Nun hat es der Mini über die 4-Meter-Grenze geschafft. Als kompakter Countryman kommt der kultige Zwerg damit auch für vernünftige junge Familien in Frage.


Ganz schön aufgeblasen! Eingefleischte Mini-Puristen, die schon die von BMW gesponserten Remakes von Mini und Mini Clubman als Sündenfall betrachteten, dürften am neuen Mini Countryman noch weniger Gefallen finden. Der «Grömaz» (grösster Mini aller Zeiten) streckt sich nämlich über 4,11 Meter hinweg und ist damit 1,06 Meter länger als der Ur-Mini. Stellt sich die Frage: Wie gross darf ein Mini maximal sein?

Englands genialer Nachkriegswurf, zwischen 1959 und 2000 in 5387862 Exemplaren gebaut, lässt keinen Autofan kalt. Und wer je einen besessen hat, gerät auch heute noch in einen unkontrollierten Freudentaumel, wenn er das Wägelchen sieht. Vergessen scheint, welch drangvolle Enge herrschte, wie einem darin nur schon fürs Knutschen eine akrobatische Meisterleistung abverlangt wurde. Was solls? Der 2001 wieder auferstandene Mini ist sofort zum Verkaufsrenner geworden, ebenso der nachgereichte Clubman. Und jetzt also der Countryman, mit vier vollwertigen Türen und weit aufschwingender Heckklappe; und der nicht mehr in Britannien vom Band rollt, sondern – nur schwer zu schlucken – beim österreichischen Allradspezialisten Magna in Graz.

Mehr Platz
Der «Mann vom Lande» wirkt nicht zuletzt wegen seines aufrecht stehenden Kühlergrills, der hoch angesetzten Fensterlinie sowie der bauchigen Flanken etwas pummelig. Doch wer das vierte Mitglied der Mini-Familie bereits ins Herz geschlossen hat, würde sagen, der bayrische Brite sei erwachsen geworden. Wie dem auch sei, jedenfalls räubert der Countryman nicht mehr im Segment der Kleinwagen, sondern buhlt auf Augenhöhe mit dem Nissan Juke, dem Skoda Yeti oder dem Kia Soul um die Gunst der Kunden. Im Countryman reist es sich auf allen Sitzen bequem. Hinten, je nach Wunsch, auf zwei komfortablen Einzelsitzen oder einer Dreier-Bank, beide längs um 13 Zentimeter verschiebbar – für mehr Beinfreiheit oder ein grösseres Gepäckabteil. Dieses lässt sich mit wenigen Handgriffen von 350 auf 1170 Liter vergrössern. Das kann sich sehen lassen, denn Mr. Bean hätte im Kofferraum seines gelb-schwarzen Nostalgie-Minis nicht viel mehr als seinen Kulturbeutel verstauen können.

Das Gefühl, quasi auf dem Asphalt zu sitzen, wird bei Mini, Mini Cabrio und Mini Clubman als «Gokart-Feeling» verkauft. Der Mini Countryman hingegen hält es diesbezüglich mehr mit der Kompaktklasse. Trotz des höheren Schwerpunktes erhalten geblieben ist indes das äusserst agile Fahrverhalten. Der Countryman liegt ausgezeichnet auf der Strasse und beisst sich um jede Biegung. Noch eine Premiere gilt es zu vermelden: Erstmals gibts den Maxi-Mini auch als Vierradler. Das spendet bei schwierigen Strassenverhältnissen zwar mehr Sicherheit, die Offroad-Fähigkeiten sind jedoch begrenzt, denn dazu liegt das Fahrwerk dann doch zu tief.

Kein durstiger «Bauer»
Unser Testwagen, der Mini Cooper D Countryman ALL4, war mit seinem 111 PS abgebenden, allerdings recht rauen 1,6-Liter-Dieselaggregat bestens motorisiert. Wer Fahrspass will, kommt nicht zu kurz. Und an der Zapfsäule hört der Spass keineswegs auf: Nur wenig mehr als fünf Liter schluckte der Wagen auf 100 Kilometer; dieser Wert kommt dank Eco-Accessoires wie Start-Stopp-Automatik, Bremsenergierückgewinnung oder Schaltpunktanzeige zustande.

Beim Interieur haben sich die Designer nicht lumpen lassen und alles daran gesetzt, dem Etikett «Premium», das BMW seiner Tochter umgehängt hat, gerecht zu werden. Das aus dem Ur-Mini bekannte, in der Mitte des Armaturenbretts positionierte riesige Rundinstrument ist erhalten geblieben. Das Ambiente ist vom Retro-Chic geprägt, wirkt aber mitunter arg verspielt. Ob die hübschen Schalter auch eine rüde Attacke der lieben Kleinen aushalten? Der Clou im Innenraum ist sicher die Mittelkonsole, eine Alu-Schiene, die die Vordersitze und den Fond miteinander verbindet. So können die Dinge des Alltags, zum Beispiel die Getränkehalter, dort positioniert werden, wo sie gerade gebraucht werden.
 

Beat W. Hollenstein




Bewertung

Stärken

  • Hoher Spass- und Nutzfaktor
  • Treibstoffsparende Eco-Funktionen
  • Dank zwei bequemen, längs verschiebbaren Einzelsitzen reist man auch im Fonds feudal
  • Vierradler spendet (gegen Aufpreis) Sicherheit
  • Gediegene Innenbeleuchtung

Schwächen
  • Mit dem Countryman wird der Mini zum normalen Auto
  • Fronttüren sind etwas schmal geraten
  • Auch das Einstiegsmodell ist kein Schnäppchen; Lifestyle-Sonderwünsche gehen gehörig ins Geld

Auf einen Blick

Motoren
5 1,6-Liter-Aggregate (3 Benziner, 2 Selbstzünder) mit 98 bis 184 PS
Verbrauch
4,4 bis 7,7 Liter
CO2-Ausstoss
115 bis 180 g/km
Stammtischspurt
7,6 bis 13,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit
170 bis 215 km/h
Länge/Breite/Höhe
4,11/1,79/1,56 Meter
Laderaum
350 bis 1170 Liter
Preise
27 900 bis 41 670 Franken
Konkurrenz
BMW 1er, Kia Soul, Mercedes A-Klasse, Nissan Juke, Fiat Sedici/Suzuki SX4 (Allradler)

 
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